Vom 04. – 06. Juni lief die vierzehnte NordCon im schönen Hamburg, mit reichlich fantastischen Veranstaltungen, toll gewandeten Gästen und interessanten Ausstellern. Bei strahlendem Sonnenschein erwartete die Besucher ein kompaktes Programm für die drei Tage. Neben diversen Rollenspiel- und Tabletoprunden, gaben auch einige Autoren ihre Kunst zu besten, so las Thomas Plischke aus Die Zombies, Thomas Finn wartete mit der Prämierenlesung aus Weisser Schrecken auf, bei der er nicht nur gelesen hat. Boris Koch präsentierte sexy Geschichten aus dem Berliner Hinterzimmer und Torsten Low entführte in die fantastischen Welten seiner Verlagsanthologien.
Aber fangen wir von vorne an…

Punkt 10:00 Uhr Vormittags eintrudeln auf der NordCon. Obwohl die Besucheranzahl noch überschaubar ist, webte sich ein beständiger Klangteppich aus Gesprächen über das Schulgelände, Zelte säumten den Sportplatz und erste LARPer erprobten ihre Kampfkünste auf dem Grün. Bevor man sich das Angebot einer Kaffee Flatrate für 12 Euro durch den Kopf gehen lassen konnte, umschwirrten einen schon die beiden freundlichen Damen vom Scratch Verlag mit optisch eindrucksvollem Werbematerial zu Marc Strauchs Dämonensilber. Dankend nahm man dies natürlich an und wurde prompt auf das Hinterteil einer der Verlagsvertreterinnen aufmerksam gemacht.
Mit dem lächelnden Hinweis gerne zu greifen zu dürfen.
Nachdem das hübsche Scratch Verlagslesezeichen aus der Gesässtasche gezogen war, nicht ganz ohne Schamesröte seitens des Ziehers, ging es nach einigen Programmüberlegungen auf die erste Lesung des Tages.

Thomas Finn gab seine Leseprämiere zu “Weisser Schrecken”, eine Lesung die wohl jedem Gast noch lange in Erinnerung bleiben wird.

Die kalte Jahreszeit in Perchtal, einem einsamen Dorf im Berchtesgadener Land, scheint besinnlich wie immer. Bis eine Gruppe Jugendlicher einen grauenhaften Leichenfund macht: Ein junges Mädchen treibt unter dem Eis eines Sees, und es ähnelt den Zwillingen Miriam und Elke auf verblüffende Weise. Doch die beiden wissen nichts von einer Verwandten … Bei ihren Nachforschungen stoßen die Freunde auf ein blutiges Geheimnis, das der Pfarrer des Dorfs hütet. Und sie schrecken dabei eine uralte Macht auf, die ihre Rückkehr in unsere Welt vorbereitet.

Thomas Finn ist ein exzellenter Leser, doch nicht nur das. Auch gesanglich hat dieser Autor einiges zu bieten. Vereint er diese beiden Komponenten, hat man das, was man wohl eine einzigartige Lesung nennen kann. Mit ruhiger Stimme las der Autor aus seinem Werk, wusste Spannung und dunkle Vorahnung zu erzeugen, um plötzlich in kindlichen Weihnachtsgesang zu verfallen! Sanftmütig und doch schaurig zu gleich flötete Thomas Finn und man stellte sich den Autoren schon in einem besinnlich anmutenden Bild, zwischen Weihnachtsbaum und Feuerzangenbowle vor, da brach seine Stimme in ein verzerrtes, tiefes, hasserfülltes Getriefe, das es den Zuhörer aus jeder weihnachtlichen Fantasie riss. Als der Autor dann noch das kratzende Geräusch eines gestörten Radioempfanges mit einbaute, war jedem Anwesenden klar, das er nicht nur einer äusserst ungewöhnlichen, sondern auch einer der besten Lesungen beigewohnt hatte, die wohl jemals vorgetragen wurde. Doch auch neben den stimmlichen Künsten des Autors, hatte das Gelesene eine absolute Bannwirkung entfaltet, die voller Neugier auf die spannende Geschichte in dem Roman warten lässt. “Weisser Schrecken” erscheint im November 2010 bei Piper und kann bereits jetzt als der Fantasy Winterlesetip 2010 angesehen werden.

Als nächsten riefen Thomas Plischke und seine Zombies. Bei der Lesung entpuppte sich der Autor schnell als Routinier und konnte das Publikum im Handumdrehen in seinen Bann ziehen. Auch die Lesung einiger eher unappetitlicher Romanstellen versüsste diese Veranstaltung ungemein. Sehr erfreulich war der Umstand, das der Autor offenbar überhaupt keine Probleme damit hat aus dem Nähkästchen zu plaudern und über die Zusammenarbeit mit Piper zu berichten. So erfuhren die Anwesenden das Thomas Plischke und Ole J. Christiansen mit dem Thema Zombies bei Piper scheinbar offene Türen eingerannt hatten. Das Piper Lektorat und sein Zombie Nerd, eine schöne Anekdote aus dem Verlagsleben… Leider konnte der Autor noch keine definitiven Aussagen zu einem zweiten Zombie Roman treffen. Hier heisst es also abwarten und geduldig sein.

Die frühen Abendstunden begannen mit dem “Fickie-Fickie-Autor” des Berliner Stirnhirnhinterzimmers, dem erfolgreichen Jugendbuch Autoren Boris Koch. Getreu seinem, von Hinterzimmerkollegen vergebenen, Titel, las Boris Koch verschiedene fantastische Kurzgeschichten, die sich allesamt dem Thema Sex widmeten. Nun ist das mit dem Sex und der Fantasy ja so eine Sache. Viele Autoren schreiben davon oder deuten es an, in nicht wenigen Fällen wirkt dies jedoch plump und wie ungekonnte Effekthascherei, als wolle man auf  Zwang eine unsinnige Quote erfüllen oder der Oberflächlichkeit seiner Figuren doch noch etwas interessantes, “reizvolles” angedeihen lassen. Nicht so bei dem “Fickie-Fickie-Autor”! Boris Koch schrieb und las zwar über Sex, aber es gibt wohl nur sehr wenige Lesungen, in denen dem Publikum vor Lachen die Tränen in den Augen standen. Boris Kochs Hinterzimmergeschichten stehen für absolut gelungenen Fantasy Trash, der sich um keine Konventionen schert und abseits glatter Bestsellerveröffentlichungen läuft. Mehr davon!

Als letzte Lesung am Samstag rief der kleine Verlag Torsten Low und schon nach den ersten Sätzen aus dem Mund des lesenden Verlegers wurde klar, Torsten Low hält es nicht auf dem Stuhl. Gebannt las der Verleger, während er durch den Raum tigerte, die Anwesenden mit seinem Blick fixierte und seine Stimme vor Spannung vibrieren liess. Nachdem aus Lichtbringer und Geschichten unter dem Weltenbaum je eine Kurzgeschichte zum besten gegeben wurde, erklang der Heavy Metal aus einem mitgeführten CD Player und ein Körbchen mit Schokoladenleckerein wurden gereicht. Dankend nahm das Publikum die Nascherein entgegen und gaben sich lauschend der Kurzgeschichte aus Metamorphosen in. Kaum einen verlangte es anschliessend nach einem weiteren Bissen der Süssigkeit. In staubtrockenen Mündern breitete sich der unbestimmte Geschmack nach Verwesung aus…

Jedoch war dies nicht das Ende der Veranstaltung, denn Torsten Low war nicht alleine auf der Con. Er hatte zwei seiner Geisterhafte Grotesken Autoren dabei und diese lasen nun ihre Kurzgeschichten aus der Gargoyle Anthologie. Vincent Voss las aus seiner Geschichte “Der Teufel steckt im Detail”, als hätte er seinen Lebtag nichts anderes gemacht und präsentierte ein schaurig, spannendes Wasserspeier Werk. Dann trat Tabea Petersen an, um “Stein” zu lesen und enthüllte mit sanften Tönen eine Geschichte, deren Emotionalität unter die Haut ging.

Erfreulicherweise plauderte der Verleger zum Abschluss noch ein wenig über künftige Verlagsveröffentlichung, so z.B. die erstaunliche Geschichte der Autorin Cecille Ravencraft, welche nicht nur zum Freundeskreis des amerikanischen Gruselrockers Alice Cooper gehört, sondern ihren Roman “Im Zentrum der Spirale” auch zuerst in den USA veröffentlichte und mit einer deutschen Ausgabe nun beim Verlag Torsten Low gelandet ist. “Ein Horror Roman, wie ein Faustschlag in den Magen.” umschrieb der Verleger die Kanibalengeschichte der Amerikanerin. Des weiteren steht eine Vampirveröffentlichung in den Startlöchern, nicht irgendeine, sondern die deutsche Antwort auf Stephenie Meyer!

Alles in allem ein toller Tag, in gelungener Atmosphäre, auf der NordCon 2010.

Weitere Infos zur Con: NordCon

Ein paar Eindrücke von der NordCon:

Thomas Finn, Boris Koch und Olga A. Krouk auf der NordCon:

Der Verlag Torsten Low auf der NordCon:

Boris Koch liest voller Einsatz auf der NordCon:

Torsten Low liest auf der NordCon:

Vincent Voss liesst auf der NordCon:

Tabea Petersen liesst auf der NordCon:

Torsten Low und seine “Grotesken” AutorInnen:

About these ads