«Die Reihe Zwielicht bietet fesselnde Lektüre, die spannend und gleichzeitig Terra-infernalis-Fantasygeistig anregend und tiefgründig ist, da philosophische oder anthropologische Fragen aufgeworfen werden und die Fantasie Zucker bekommt – Zukunfts­szenarien, fantastische Wesen und Welten –, wobei das Pathos der Menschheitsfragen durch Ironie, Satire oder auch durch Trash-Elemente sowohl gebrochen als auch integriert wird.» (Die Herausgeberinnen)

Bereits im letzten Jahr hat der schweizer Verlag seine „Zwielicht Reihe“ mit dem philosophischen Science Fiction Roman „Blackboxbaby“ des finnischen Autors Erkki Ahonen, dem mythischen Mittelalterroman „Das Tier vom Vaccarès“ von Joseph d´Arbaud und Andrea Faziolis Kriminalroman „Das Collier“ eröffnet.

Eine „Reihe für Literatur mit Bruch, Abgrund und Anspruch, für unorthodoxe, charmante, gruselige, erschreckende, prognostische, mordlustige, experimentierfreudige, wunderbare Literatur“ verspricht der Verlag seiner interessierten Leserschaft und es ist erfreulich wie mühevoll hier an der Umsetzung der Werke gearbeitet wurde.

Nun sind frisch aus dem Druck zwei neue Romane erschienen, zum einen „Selbstgespräch mit Protoplasma“ laut Verlagsangabe eine „Erzählung aus der Zukunft“ verfasst von Peter Schattenschneider und der fantastische Roman „Terra infernalis“ des französischen Autors Michel Bernanos. 2010 folgt dann der nächste Streich mit dem Klosterthriller „Pandämonium“ von Kostas Akrivos.

Terra infernalis – Michel Bernanos‘ verstörende Parabel auf die Unbarmherzigkeit der Natur, der Mitmenschen und, falls vorhanden, Gottes.

Eine endlose Flaute hält einen Frachtensegler auf dem Ozean gefangen. Die von Hunger, Sonne und Alkohol geschwächte Mannschaft verroht zusehends. Bis ein gewaltiger Sturm dem Treiben ein Ende macht, müssen der Schiffskoch und der achtzehnjährige Schiffsjunge – der Erzähler dieser Geschichte – von ihrem Versteck in der Kombüse aus unmenschliche Szenen, ja Kannibalismus beobachten.

Koch und Schiffsjunge gelingt es, sich beim Untergang der Galeone auf eine Planke zu retten. Tagelang treiben sie umher, erreichen immer seltsamere Regionen voll von beängstigendem Meeresgetier und werden schließlich, halb wahnsinnig vor Durst, an einer Küste angetrieben, die noch weitaus erschreckendere Dinge beheimatet, als ihnen bis dahin begegnet sind. Die Insel scheint von ihren Bewohnern verlassen, alles wirkt fremd und bedrohlich, insbesondere die Farben und die Pflanzenwelt.

Taumelnd machen sich die beiden Schiffbrüchigen daran, diesen Vorort zur Hölle, diese terra infernalis zu erkunden.

Deutsche Erstübersetzung.
Die Originalausgabe erschien 1967 unter dem Titel La montagne morte de la vie bei J.-J. Pauvert Paris.

Der Autor ist 1923 in Fressin (Pas-de-Calais), als Sohn des bekannten katholischen Romanciers und Antifaschisten Georges Bernanos geboren. Nach der Besetzung Frankreichs ging der Fünfzehnjährige 1938 mit den Eltern und den fünf Geschwistern nach Brasilien ins Exil. Mit neunzehn Jahren musterte Michel Bernanos 1942 als Marinesoldat auf einem U-Boot-Jäger bei den Freien Französischen Streitkräften unter General De Gaulle an und nahm an der Landung der Alliierten in der Normandie 1944 teil. Nach dem Krieg kehrte er nach Brasilien zurück und arbeitete zwei Jahre lang auf einer Kautschukplantage am Amazonas. 1948 zog er auf Bitte seines todkranken Vaters hin wieder nach Frankreich, arbeitete zwei Jahre lang als Angestellter einer Erdölgesellschaft und danach in verschiedenen Tätigkeiten. Er heiratete und wurde Vater einer Tochter.

Mit einundvierzig Jahren setzte er 1964 seinem Leben im Wald von Fontainebleau selbst ein Ende. «La montagne morte de la vie» entstand in nur 19 Tagen im Mai 1963, Erstveröffentlichung post mortem 1967.

Zu der Verlagsreihe: Zwielicht

Mehr zu Terra infernalis: Zwielicht – Michel Bernanos

Advertisements