Lordmaster Madhrab hat die Schlacht am Rayhin geschlagen, der Magier dienerdesdunklenhirten_fantasySapius hat den Saijkalrae entsagt und ist aus dem Land der Tränen zurückgekehrt, die Orna Elisha hat ein Gebot ihres Ordens gebrochen und der junge Renlasol begibt sich auf die Reise in das Gebiet der Bluttrinker.

Mit dem Auftaktband seiner sechsteiligen Kryson Reihe Die Schlacht am Rayhin hat Bernd Rümmelein den Wolfgang Hohlbein Preis 2009 gewonnen und ein eindrucksvolles High Fantasy Debüt präsentiert. In „Diener des dunklen Hirten“ nimmt der Autor die Fäden aus Band Eins wieder auf und knüpft sie weiter zu einem Abenteuer welches dem Leser einiges an Überraschungen und Schrecken zu bieten hat.

Der dunkle Hirte ist erwacht. Das Blut welches in der „Schlacht am Rayhin“ zwischen Klan und Rachuren mitsamt ihren Chimärenkriegern vergossen wurde, hat es einer eingeschworenen Saijkalsan Gruppe unter der Führung der Hexe Rajuru ermöglicht das Ritual zur Erweckung des Dunklen Hirten zu vollziehen. In den heiligen Hallen der Saijkalrae setzt der Dunkle Hirte, befreit vom Fluch des Quadalkar, seinen Fuss auf schwarzen Boden und betritt erneut die Welt Kryson auf dem Kontinent Ell.

Der freie Magier Sapius weiss die Verdunklung der zwei Sonnen Krysons zu deuten und begibt sich auf eine anstrengende Reise in seine Heimat Tartyk um Hilfe vom Rat der Ältesten zu erbitten. Sein fast unmöglicher Plan besteht in der Erweckung des zweiten Saijkalrae, dem Weissen Schäfer. Doch Sapius hat bereits weiter gedacht. Der weisse Schäfer soll, von seinem Fluch des ewigen Schlafes befreit, nur kurzweilig für die Aufrechterhaltung des Gleichgewichts auf Kryson sorgen. So lange bis die Lesvaraq, die mächtigen Zeichenträger, geboren sind und Kryson in ein neues Zeitalter des Gleichgewichts führen können. Auf der Reise in sein Geburtsland bekommt es Sapius nicht nur mit ersten leichten Zweifeln zu tun was die anstehende Geburt und das Wirken der Zeichenträger angeht. In Tartyk erwartet den Magier auch eine Vergangenheit vor der er sich seit Jahren erfolgreich verbergen konnte. Jedoch tritt der ehemalige Saijkalsan diesen Weg nicht alleine an, Hofna und Haisan die Leibwächter der Saijkalrae sind ihm dicht auf den Fersen. Der Dunkle Hirte duldet weder Verrat noch Widerstand gegen seine aufziehende Dämmerung.

Madhrab und Elischa kehren an den Hof der Bewahrer und das Haus der heiligen Mutter zurück. Doch Elischa birgt ein Geheimnis in sich welches nicht nur ihr Band zu dem geliebten Lordmaster zerreissen sondern auch ihren Ausschluss aus dem Orden der Orna bedeuten würde. In ihrem Leib wächst ein Kind heran, ein Kind dessen Geburt Kryson für immer verändern könnte. Den stolzen Krieger Madhrab erwartet bei seiner Ankunft am Ordenssitz der Sonnenreiter eine Überraschung auf die er nicht gefasst war. Durch seinen Sieg am Rayhin hat er sich nicht nur Freunde unter den Klan gemacht…

Renlasol, der treue Knappe Madhrabs, bricht auf Wunsch von Sapius mit seinen Gefährten auf um den mächtigen, uralten Vater aller Bluttrinker Quadalkar in seinem verfluchten Land aufzusuchen und kommt diesen näher als er zu fürchten gewagt hat.

Bernd Rümmelein lässt den Leser im zweiten Teil seines Kryson Epos auf mehreren Pfaden wandeln. Er vertieft die Legenden um die Altvorderen Völker und fügt zwei von ihnen mit in die Geschehnisse ein. Zum einen das alte Drachenvolk der Tartyk, zum anderen das vergessene Waldvolk der Naiki, welche tief im sagenumwobenen Faraghad Wald eine letzte Zuflucht gefunden haben. Neben diesen Vertiefungen öffnet er den Kontinent Ell auch weiter, offenbart dem Leser neue Orte und stellt bekannte detailreicher dar.

Zu Beginn des Buches scheint der Autor fast ein wenig abgelenkt. Sehr schnell vollzieht sich die Handlung in teilweise recht kurzen Sätzen die Vergleiche mit Markus Heitz zulassen würden. Gerade das Erwachen des Dunklen Hirten, dieses historische und weitreichende Moment, handelt Bernd Rümmelein in wenigen Sätzen ab. Hier wäre ein Zelebrieren des Augenblicks, ein gerecht werden dieser epischen Situation, in dem man ihr etwas mehr Platz eingeräumt hätte, nicht nur passend sondern atmosphärisch auch äusserst reizvoll gewesen. Ähnlich verhält es sich mit dem Aufbruch der einzelnen Helden. Zügig treibt der Autor sie voran und gestattet leider keinen wirklichen Rückblick auf die Ereignisse am Rayhin. Für Leser die in einem grösseren zeitlichen Abstand zum ersten Band den „Diener des dunklen Hirten“ lesen wäre er Rückblick auf die Geschehnisse des Auftaktbandes durchaus hilfreich gewesen.

Dann schafft der Autor es aber doch das Tempo zu drosseln und zieht sein Ass aus dem Ärmel. Obwohl in der ersten Hälfte des Buches unglaublich viel aufregendes, erschütterndes und überraschendes passiert, fast zu viel auf zu kurzer Zeit, kommt Bernd Rümmeleins Stärke als Autor in der letzten Hälfte des Buch voll zur Geltung. Im Nord-Osten des Kontinents Ell begleiten wir Renlasol bei seinem ersten Schritt auf das Land der Bluttrinker. Es scheint fast als hätte der Autor nur auf diesen Moment gewartet, ihm entgegengefiebert. Jetzt schliesst das Buch an die Klasse des Auftaktbandes an und vertieft sich in die düstere Welt des Quadalkar. In einer umfassenden Darstellung dieser bestreiten Renlasol, Drolatol, Pruhnlok und Yilassa ein atemberaubendes, schauriges und hochspannendes Abenteuer.

„Diener des dunklen Hirten“ ist alles andere als ein Zwischenspiel vor dem dritten Band der Kryson Hexalogie geworden. Es ist ein rasantes High Fantasy Abenteuer gefüllt mit Intrigen, Magie und packenden Kämpfen. Schonungsloser als in „Die Schlacht am Rayhin“ lässt Bernd Rümmelein seine Figuren in offene Messer laufen und gestaltet Wendungen im Geschehen die alles andere als vorhersehbar wären. Die Welt Kryson verdunkelt sich und die aufziehenden bedrohlichen Schatten haben sich bereits zwischen den Seiten dieses Buches eingenistet.

Rezension zum ersten Kryson Buch: Die Schlacht am Rayhin

Interview mit Bernd Rümmelein zu seiner Kryson Reihe: Von Eiskriegern und Todsängern

Weitere Infos zu dem Buch: Diener des dunklen Hirten

Die Homepage des Autors: Kryson Tag und Nacht

Buchfakten:
Bernd Rümmelein
Kryson – Diener des dunklen Hirten
768 Seiten
Klappenbroschur mit Spotlack und Hochprägung Coverillustration von Thomas von Kummant
ISBN 978-3-8000-9501-8

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