Das Jahr 2009 neigt sich seinem Ende entgegen und bietet somit die schöne Nuvola_actions_wizardMöglichkeit es einmal Revue passieren zu lassen. In einer kleinen Interviewreihe stellen sich befreundete BloggerInnen den Fragen zu ihrem Fantastischen Lesejahr 2009. Über die letzten verbleibenden Wochen in diesem Winter werden ihre Jahresrückblicke auf das Fantasygenre und seine Veröffentlichungen hier zu finden sein.
Den Auftakt macht die hochgeschätzte Soleil von dem Verlorene Werke Blog und Forum.

Viel Spass mit dem Interview um Soleils Fantastisches Lesejahr 2009!

Anfang Januar 2009 hat dein Blog das Licht der Öffentlichkeit erblickt. Was findet der interessierte Leser alles auf Verlorene Werke? Welchen Themenbereichen widmet er sich im Schwerpunkt?

Mein Blog ist aus zwei Lese-Leideschaften heraus entstanden: die zur Fantasy und die zu Liebesromanen, Genres, die ich jeweils als völlig eigenständig betrachte.
Darum berichte ich auch vorrangig über alles, was mit diesen beiden Themen zu tun hat. Ob dies Rezensionen sind, Interviews, Erlebtes, Neuigkeiten oder allgemeine Informationen, für Leser, die sich ebenfalls dafür begeistern können, dürfte alles dabei sein.
Auf den ersten Blick mögen sich beide Genres gar nicht vertragen, aber sie haben viel gemeinsam, nicht zuletzt die Notwendigkeit zur Courage, sich offen zu ihnen zu bekennen. ; )

Neben deinem Blog existiert auch noch das Verlorene Werke Forum. In welchem Verhältnis stehen Blog und Forum zu einander und wer ist eingeladen sich in dem Forum als User zu beteiligen?

Der Blog ist mein persönliches Reich, in dem ich meinem Hobby nachgehe – dem Lesen. Das Forum http://www.verlorene-werke.de/ beschäftigt sich noch mit vielen anderen Dingen. Es widmet sich allen Themen rund um die Literatur, hat dabei aber zwei Schwerpunkte ausgebildet: zum einen bietet die Plattform die Möglichkeit, eigene Geschichten und Gedichte aller Genres zu veröffentlichen und fachliche Diskussionen dazu anzuregen.
Zum anderen können sich Leser bei zahlreichen Rezensionen im Handel erwerbbarer Bücher einen ersten Eindruck über ihren möglichen Lesestoff verschaffen – und selbst zum Kritiker werden.
All dem steht aber auch die Informationsverbreitung nicht nach: der Literaturbetrieb wird näher beleuchtet, Welt und Wissen betrachtet, Wettbewerbe, Lesungen, Interviews aufgezeigt und veröffentlichte Autoren jeder Coleur stellen sich vor. Ganz neu im Sortiment sind die in den nächsten Monaten startenden Leserunden.
Obwohl in Verlorene Werke alle Aspekte der Literatur abgedeckt werden, ist bei all dem aber eines am Wichtigsten: dass jedes Mitglied den Spaß und die Leidenschaft am Schreiben und Lesen und anderen kreativen Künsten mit anderen teilen kann, denn das ist schließlich etwas, das die Seite und deren Mitglieder zusammenhält, was alle verbindet.
Eingeladen sind darum alle, die gern schreiben, lesen oder sich mit einem der beiden Themen näher befassen möchten. Dabei spielt es auch keine Rolle, ob man schon Erfahrung sammeln durfte oder noch in den Anfängen steckt. Willkommen ist absolut jeder!

Hat denn schon einmal ein Forenschreiber den Sprung zu einer Verlagsveröffentlichung geschafft?

Es sind tatsächlich einige Forenschreiber dabei, die Bücher veröffentlicht haben. Manche hatten dies, noch bevor sie zu uns gestoßen sind, andere konnten während ihres Aufenthaltes Verlagskontakte knüpfen. Nicht wenige haben sogar eine kleine Widmung für VerloreneWerke in ihre Romane oder Gedichtbände gesetzt, was uns sehr gefreut hat!
Von den Erfahrungen jedes einzelnen Autors können alle profitieren; mit Rat und Tat zur Seite stehen oder neue Dinge lernen.

Dein fantastisches Lesejahr 2009 interessiert uns. Zuerst allgemein gefragt, wie hast du die Entwicklung des Fantasygenres 2009 wahrgenommen? Was hat dich überrascht, erfreut oder den Kopf schütteln lassen?

Da mein Hauptaugenmerk auf den Fantasyromanen liegt, die über eine, wie auch immer geartete Liebesgeschichte oder eine starke Frauengestalt verfügen, beobachte ich vorrangig, was es dahingehend Neues gibt.
Wenig verwunderlich ist, dass sich die Ära der Vampirromane dem Ende zuneigt und ich orakeln würde, dass bei der nächsten Herbst-Buchmesse andere Genres im Vordergrund stehen werden. Die romantische Urban-Fantasy wird noch eine Weile die Chick Lit-Romane mit Magie und anderem Übersinnlichen unterstützen. Es mag viele Fantasyleser geben, die diese beiden Genres ungern zur Fantasy zählen würden, aber sie sind nun einmal da und werden es sicher auch bleiben. Ich selbst greife gern von Zeit zu Zeit zu ihnen, zähle sie aber gern eher zu den LiRos, als zur Fantasy.
Veränderungen sind vor allem in den bisher geprägten Begriffen aufgetreten: All Age Fantasy, Romantasy und wie sie nicht alle heißen sind dazugestoßen. Sicher werden sich auch in Zukunft noch mehr Genres mit der Fantasy vermischen und ich bin begierig darauf zu sehen, was daraus alles entstehen wird.
Mit Wohlwollen habe ich die Ausprägung und Vertiefung einiger neuer Fantasy-Verlage beobachtet, bei denen jedoch der Mischmasch Fantasy/ LiRo im Vordergrund steht.
Für die Zukunft würde ich mir wünschen, dass es wieder mehr epische oder historische Fantasy gibt, vor allem aber solche, in denen die Völker Mittelerdes (Elben, Orks etc.) keine Rolle spielen.

Welche war für dich persönliche die beste Fantasy-Veröffentlichung 2009?

Das Buch, was mich wirklich beeindruckt hat, war Die Herrscherin von Karen Miller. Als Soziologin achte ich stets ganz besonders auf die Welt, die mir in karenmiller_fantasyeinem Fantasyroman dargeboten wird. Oft gibt es mehr oder weniger große Unlogiken oder einfach Dinge, die so nie funktionieren würden. Das ist bei Karen Miller anders. Da stimmt alles bis ins Kleinste. Überzeugend für mich war auch die von der Autorin verwendete Sprache, die sie wirklich bis zum Schluß durchgehalten hat – und es war ein recht seitenstarkes Buch.
Auch wenn es, wie bei allen Geschichten, geteilte Meinungen geben wird, kann ich doch für mich behaupten, dass ich von dem Buch begeistert war und die Fortsetzung kaum abwarten kann.

Gab es ein Buch in 2009 welches für dich eine Enttäuschung war?

Einige, wobei ich sagen muss, wirklich schlecht war keines, es gibt eben nur manchmal Kleinigkeiten, die mich als Leser(in) so sehr stören, dass ich das Buch nicht genießen kann.
Die geteilte Krone von Isabel Glass ist leider eines davon. Dabei handelt es sich um eine ganz, ganz tolle Geschichte, die aber nie in nur einem Buch hätte erzählt werden dürfen. Ein so gestauchter Inhalt ohne Raum für Entwicklung tut mir als Leser einfach nur leid.

Welches Fantasy Buch hättest du in 2009 gerne gelesen, hast es aber nicht geschafft?

Mir wurde ein Buch von Lynn Flewelling empfohlen, das ich auch daheim habe, aber noch nicht dazu gekommen bin, es zu lesen. Außerdem habe ich Elbenzorn von Susanne Gerdom hier – handsigniert von der Autorin! – und auch dies bisher nicht geschafft. Der Turm der Raben von Kate Forsyth, „Soulless“ von Gail Carriger (übrigens ein Mix aus Urban Fantasy mit einem Steampunk-Setting), Feenlicht von Jenny-Mai Nuyen, Ian Irvine: Die Magie der drei Welten 1. Die Geomantin (das habe ich schon angefangen), „Grenzlande 01. Die Verpflichtung“ von Lorna Freeman, „Tochter des Windes“ von Elizabeth Haydon, Charlaine Harris mit Vorrübergehend tot, deren Serienverfilmung „True Blood“ mir gut gefiel, Storm Constantin mit Hermetech, Claudia Kern mit dem zweiten Teil des verwaisten Throns, Robin Hobb (der für mich besten Fantasyautorin aller Zeiten) und Die Legende vom letzten König von Ellen Kushner.
Allerdings ist ja bis Jahresende auch noch ein bisschen Zeit …

Gibt es ein Buchcover von dem du sagen würdest, dass es das schönste, passenste, gelungenste in 2009 war?

Da es eher selten ist, dass mit ein Cover gar nicht gefällt, fällt mir da auf Anhieb nichts ein.

Im Oktober wurde der Deutsche Phantastik Preis 2009 verliehen. In der Kategorie „Beste Anthologie“ wurde Lichtbringer auf Platz 4 gewählt. An der Entstehung dieser Kurzgeschichtensammlung warst du ja nicht ganz unbeteiligt… Was verbirgt sich hinter dem Titel „Lichtbringer“ und wie war deine Reaktion auf den tollen vierten Platz?

Bei „Lichtbringer“ handelt es sich um eine Fantasy-Anthologie zu einem Fantasy-Schreibprojekt des VerloreneWerke-Forums. Es handelt sich dabei um eine zeitlich breit angelegte Serie, in der viele Bewohner der Welt Akyris nach dem heiligen Schwert Lichtbringer suchen. Aber kein einziger von ihnen wird es jemals finden …
In der Anthologie haben 14 Autoren die unermüdliche Suche nachlichtbringer-fantasy Lichtbringer in Worte gefasst. Das Ergebnis sind 18 Geschichten, wie sie unterschiedlicher und einfallsreicher nicht sein könnten.
Einige davon sind „alte Hasen“ wie etwa Erik Schreiber („Der phantastischer Bücherbrief“), andere aufstrebende Jungautoren, von denen wir sicher noch hören werden. Nicht zuletzt Felix Woitkowski („Von Dolch und Stundenglas“) oder Mareike Schwirske.
Die bekannte Autorin Heide Solveig Göttner („Die Priesterin der Türme“ u.a.) hat Lichtbringer unter ihre Fittiche genommen und ein tolles Vorwort dazu geschrieben.
Bei der Vergabe des Deutschen Phantastikpreises war die Jury der Anthologie fast vollständig vertreten und es gab nach Bekanntgabe der Platzierung eine große Gruppenumarmung. Wenn man bedenkt, dass jedes Jahr etwa 150-200 Anthologien veröffentlicht werden, sind wir für unsere unermüdliche Arbeit reich belohnt worden.

Was sagst du zu den Gewinnern in den anderen Kategorien? Gab es Überraschungen für dich oder waren die Sieger doch eher vorhersehbar?

Was mich gefreut hat war, dass Ju Honisch mit Obsidianherz in ihrer Kategorie gewinnen durfte.
Doch schon an den Nominierungen war, bis auf wenige Ausnahmen cover_juhonisch_obsidianherzabzusehen, dass es keine großen Überraschungen geben würde. Darum kann ich nicht behaupten, dass mich jetzt großartig etwas vom Stuhl gehauen hätte.
Insgesamt gesehen kann man sagen, dass alle Nominierten und viele Nichtnominierte den Preis verdient gehabt hätten, denn in jedem Werk steckt viel Arbeit und eine Menge Herzblut …

Der Winter steht vor der Tür. Gibt es ein Buch, unabhängig von seinem Erscheinungstermin, welches du für verschneite Abende empfehlen würdest?

Das kommt sicher auf den Leser an, dem ich es empfehlen soll. Denn die Fantasyromane, die ich gern lese sind geprägt von einer vollständig durchdachten Welt und der Beziehung der Charaktere untereinander. Kämpfe und Scharmützel dürfen und sollen vorkommen, aber bitte nicht das gesamte Buch beherrschen …
Wer oder was in den Winter passt, kann ich auch nicht genau sagen, darum nenne ich einfach einige Autoren, mit denen ich sehr viel Spaß hatte: Robin Hobb, Kristen Britain, Ellen Kushner, Karen Miller, Robert Jordan, Marion Zimmer Badley, Maggie Stiefvater, Storm Constantin, Herbie Brennan, Neil Gaiman, Martin Millar, …

Hast du bereits einen Blick in die Verlagsprogramme für 2010 geworfen und wenn ja auf welche Veröffentlichung im nächsten Jahr freust du dich am meisten?

Da mir Jay Amory mit Die Welt in den Wolken gut gefallen hat, werde ich im April ganz sicher die Fortsetzung Piraten der Lüfte lesen.
Ansonsten lasse ich mich weniger vom Erscheinungsjahr eines Romans leiten, auch wenn ich auf einige Taschenbuchausgaben hoffe.
Es gibt so viele Autoren, die ich ich noch nicht kenne, von denen ich aber schon so viel Gutes gehört habe, dass ich sie unbedingt mal ausprobieren möchte. Und es werden immer mehr …

Wie wirst du die Weihnachtsfeiertage verbringen?

Alle Jahre wieder ganz in Familie – und wahrscheinlich auf der Arbeit …

Ganz herzlichen Dank für die ausführlichen und interessanten Antworten!

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