Das Jahr 2009 neigt sich seinem Ende entgegen und bietet somit die schöne Nuvola_actions_wizardMöglichkeit es einmal Revue passieren zu lassen. In einer kleinen Interviewreihe stellen sich befreundete BloggerInnen den Fragen zu ihrem Fantastischen Lesejahr 2009. Über die letzten verbleibenden Wochen in diesem Winter werden ihre Jahresrückblicke auf das Fantasygenre und seine Veröffentlichungen hier zu finden sein.
Den Auftakt machte Soleil von dem Verlorene Werke Blog und Forum, ihr folgt nun Seychella von dem zauberhaften Blog fantastische Bücherwelt.

Viel Spass mit dem Interview um Seychellas Fantastisches Lesejahr 2009!

Anfang 2008 hat dein Blog das Licht der Öffentlichkeit erblickt. Was findet der interessierte Leser alles auf fantastische Bücherwelt? Welchen
Themenbereichen widmet er sich im Schwerpunkt?

Mein Blog ist ursprünglich entstanden, um meine Rezensionen an einem Ort zu versammeln – aber er lebt und entwickelt sich immer weiter. Größtenteils geht es natürlich um Fantasy, genauer gesagt um Leseeindrücke, Neuzugänge, Links zu Autoren und Interviews, Zitate, Neues von meinen Lieblingsautoren und überhaupt interessante Dinge, auf die ich gestoßen bin. Dieses Jahr habe ich nun auch damit begonnen, Beiträge über besuchte Lesungen zu schreiben – was überraschend gut ankommt. Ein großer Schwerpunkt ist für mich sicherlich auch die deutsche Fantasy, denn ich finde sie ist viel besser und abwechslungsreicher als ihr Ruf – und muss sich nicht vor ihren ausländischen Kollegen verstecken.

Dein fantastisches Lesejahr 2009 interessiert uns. Zuerst allgemein gefragt, wie hast du die Entwicklung des Fantasy Genres 2009 wahrgenommen? Was hat dich überrascht, erfreut oder den Kopf schütteln lassen?

Vampire erfreuen sich auch weiterhin großer Beliebtheit, und verdrängen allein durch die vielen Titel leider ein Stück weit eher ungewöhnliche Fantasy aus den Buchhandlungen und damit den Augen möglicher zukünftiger Leser. Ich wünschte, Elfen würden auch mal so einen Boom erleben – und darum sage ich immer öfter: ELFEN sind die neuen Vampire! Aber es scheint sich wohl mehr zu den Werwölfen und Dämonen zu verlagern.

Dann gab es so schicke neue Begriffe wie „All Age“, „Romantasy“ und „Dark Fantasy“ – die Beispiele für die Vermischung anderer Genres mit der Fantasy sind. Ich linse gerne mal in „All Age“-Titel rein, denn da gibt es sicher noch einiges für mich zu entdecken. Dafür meide ich „Dark Fantasy“ und „Romantasy“ möglichst, da sie mir zu düster bzw. zu Liebesroman-mäßig sind.
Es scheint aber so zu sein, dass die früher so starren Grenzen zwischen den einzelnen Richtungen nun immer öfter aufgeweicht werden – und wer weiß, was sich daraus noch entwickeln wird…

Gefreut habe ich mich dann noch über drei Dinge. Zum einen über die Weiterführung der origin-Reihe von Feder & Schwert, in der dieses Jahr Das Spiel des Asen von Ulrich Drees erschienen ist. Dann noch über die neue Anthologie von Wolfgang Hohlbein, die wieder sehr schön ausgestattet ist fantastische-kreaturen-fantasyund auf den Namen Fantastische Kreaturen hört. Da Kurzgeschichten ja leider nicht sehr beliebt sind, ist das schon etwas besonderes für mich – und ich freue mich schon auf die Lektüre. Und als letztes hätten wir den neuen PAN-Verlag, in dessen Programm sich doch einige für mich interessante Titel tummeln.

Der aktuelle Vampirboom – Segen oder Fluch?

Für mich persönlich ein Fluch, denn ich bin kein Fan von Vampiren – zudem verdrängen sie leider andere, interessante Titel aus den Buchhandlungen.
Bücher, denen ich mehr Leser wünsche, und die ich sonst empfehlen konnte, wenn ich mal wieder angequatscht und nach einem Tipp für das Enkelkind gefragt wurde (und nein, ich arbeite leider nicht im Buchhandel).

Welche war für dich persönlich die beste Fantasy Veröffentlichung 2009?

Da kann ich mich mal wieder nicht entscheiden. Der Turm der Raben von Kate Forsyth ist der Beginn der Reihe „Rhiannons Ride“ und spielt in dem Land Eileanan, das dem Leser bereits durch die „Der magische Schlüssel“-Reihe vertraut ist. Und die Autorin hat es wieder geschafft, mich mit ihrer detaillierten und liebevollen Erzählweise in ein lebendiges Land voller Magie und verschiedener Wesen zu entführen.

Heaven von Christoph Marzi ist eine intensive Geschichte voller Musik, marzi-heaven-fantasyliterarischer Anspielungen und wunderbar poetischer Beschreibungen, in der es allerdings auch um das Überleben, Tote und Geister geht.<

Und dann ist da noch Elfenkönigin von Bernhard Hennen, mit der die Trilogie um den dritten Trollkrieg abgeschlossen wird – und man erfährt, was für Auswirkungen die Herrschaft der Trolle hat und wie Emerelle wieder zurück auf den Thron kommt. Von der ersten Seite an bin ich wieder tief in diese Welt versunken – auch Dank einer mitreißenden Mischung aus Kämpfen, Spannung, Geheimnissen, ruhigeren (mitunter auch besinnlichen) Momenten und Emotionen bei der auch überraschende und schockierende Szenen nicht fehlten.

Gab es ein Buch in 2009 welches für dich eine Enttäuschung war?

Da ist mir noch ganz frisch Die Hexe von Yasmine Galenorn in Erinnerung
geblieben. Aus der Geschichte hätte man durchaus etwas machen können, aber leider schien das Sexleben der Hauptfigur sowie ihre Vorliebe für Make-up, Dessous und Schuhe wichtiger als die Ereignisse um die Bedrohung der beiden Welten zu sein. Dazu kam dann noch die teilweise vulgäre Sprache – und das ist etwas, was ich überhaupt nicht leiden kann.

Welches Fantasy Buch hättest du in 2009 gerne gelesen, hast es aber nicht geschafft?

Da gibt es einige, beispielsweise Rabengott von Bernhard Hennen, Die
Verpflichtung
von Lorna Freeman, Die Elementare von Calderon von Jim
Butcher, Schwertmond von Julian May, Die Seele der Elben von Susanne
Gerdom, Lamento von Maggie Stiefvater, Im Königreich der Kälte von Nick jimbutcher-fantasyLake und Fantastische Kreaturen, herausgegeben von Wolfgang Hohlbein. Bei Lyra von Christoph Marzi, Die strahlende Stadt von Kate Forsyth und der Anthologie Das Fest der Elfen von Carsten Polzin habe ich die Hoffnung für dieses Jahr jedoch noch nicht aufgegeben.

Gibt es ein Buchcover von dem du sagen würdest dass es das schönste, passenste, gelungenste in 2009 war?

Da wäre „Heaven“ von Christoph Marzi meine Wahl – es passt nicht nur toll zur Geschichte, sondern vereint auch vieles, das ich mag. Allein die Ranken und Farben!

Im Oktober wurde der Deutsche Phantastik Preis 2009 verliehen. Gab es unter den Preisträgern Überraschungen für dich oder waren die Sieger doch eher vorhersehbar?

Die Kategorie „Bester deutschsprachiger Roman“ wird ja so langsam langweilig, vielleicht sollte man sie auch gleich in die Heitz-Kategorie umbenennen? 😉 Überhaupt fand ich es seltsam, dass er da gleich zweimal zu finden war. Das würde ich mir anders wünschen, wo bleibt beispielsweise Bernhard Hennen?
Bei „Bestes deutschprachiges Romandebüt“ war ich etwas zwiegespalten. Einerseits habe ich den Preis Ju Honisch sehr gegönnt (die damit in die Fußstapfen von Oliver Plaschka tritt, der ebenfalls in der origin-Reihe von Feder & Schwert veröffentlicht hat), aber ich hätte mich auch für Bernd Perplies gefreut.

„Bester internationaler Roman“ war mehr als vorhersehbar, vielleicht lese ich das Buch ja trotzdem irgendwann und lasse mich nicht von den Begeisterungsstürmen abschrecken.
Und bei „Beste Original-Anthologie/Kurzgeschichten-Sammlung“ habe ich mich wieder sehr für Christoph Marzi gefreut – gerade weil ihm Kurzgeschichten am Herzen liegen und ich durch ihn da auch auf den Geschmack gekommen bin.

Der Winter steht vor der Tür. Gibt es ein Buch, unabhängig von seinem
Erscheinungstermin, welches du für verschneite Abende empfehlen würdest?

Auch auf die Gefahr hin, dass es etwas langweilig wird, muss ich da wieder meine beiden deutschen Lieblingsautoren nennen. Ins Rennen schicke ich
Elfenwinter von Bernhard Hennen (man sollte allerdings „Die Elfen“ kennen)
und Lycidas von Christoph Marzi. In beiden Büchern tauchen Schnee und
Kälte auf, zudem sind es echte Wohlfühlbücher, in denen man so richtig
versinken kann.
Wem diese beiden Titel zu umfangreich sind, würde ich Fantastische
Weihnachten
empfehlen – eine Anthologie mit Weihnachtsgeschichten, die von Wolfgang Hohlbein herausgegeben wurde, und die viele tolle Storys bietet – u.a. von Christoph Marzi, Katja Brandis, Monika Felten und Susanne Gerdom.

Hast du bereits einen Blick in die Verlagsprogramme für 2010 geworfen und wenn ja auf welche Veröffentlichung im nächsten Jahr freust du dich am meisten?

Da bin ich schon sehr gespannt auf „Die Magier von Montparnasse“ von Oliver Plaschka, der Titel erscheint wahrscheinlich im Februar in der Hobbitpresse. Zauberer, Paris, die wilden Zwanziger…<

Wie wirst du die Weihnachtsfeiertage verbringen?

Wie immer mit der Familie, also ruhig und (hoffentlich) mit
Gesellschaftsspielen. Einen Tag davon habe ich vielleicht nur für mich, da
kann ich dann gemütlich lesen und sicher auch die eine oder andere DVD
schauen.

Ganz herzlichen Dank für die ausführlichen und interessanten Antworten!