Marry Wickford – eine junge Hexe zwischen den Fängen der katholischen Inquisition und den Häschern des sagenumwobenen Geschöpfs Cthulhu.
Als Waisenkind wächst Mary Wickford in dem Kloster „Zur heiligen Barmherzigkeit“ unter streng gläubigen aber liebenswerten Nonnen auf. Mit Erreichen des 17. Lebensjahres endet jedoch Marys behütetes Leben hinter den Klostermauern und sie muss in die Welt ziehen um in und von ihr zu lernen. Die junge Gläubige verlässt Amerikas Hauptstadt Gotham und landet in dem kleinen Küstenort Old Haven. Dieses Dorf verübt eine nahezu magische Anziehung auf die junge Frau und so entschliesst sich Mary zu bleiben. In dem beschaulichen Örtchen stösst sie, durch den Hinweis eines Baumes, auf Aufzeichnungen ihrer Ahnen.

Mary Wickford wird mit dem Umstand konfrontiert das sie die Tochter einer mächtigen Generation von Hexen ist. Doch dieses ist auch dem religiös-fanatischen Imperator Amerikas nicht entgangen und er schickt seine gefürchtete Inquisition in das Küstendorf…

Die Höhlenstadt Arkham und der Turm Gottes – Die Reise einer jungen Hexe

Drachen, Piraten, eine magische Bruderschaft, religiöser Wahn, halbmenschliche Wesen, Hexenmagie und Dämonen. Fabrice Colin brennt ein wahres Feuerwerk fantastischer Elemente ab und verliert sich in diesem. Der Schicksalsweg einer Hexe, das sich entwickeln lassen einer jungen gläubigen Frau zu einer heidnischen Hexe und der epische Kampf des Katholizismus im Namen Gottes gegen H. P. Lovecrafts Cthulhu und dessen grausige Heerscharen misslingen beide in ihrer Tiefe und Breite. Jeder dieser zwei spannenden Handlungsstränge für sich wäre schon äusserst interessant gewesen doch Colin schafft es nur sie halbherzig auszuführen, sie scheitern beide leider an ihrer Verstrickung.

Die Thematisierung von Hexenverfolgung durch christliche Religion im Rahmen eines Fantasyromanes gelingt dem Autor auf sehr eindringliche Weise. Die von ihm gezeichneten Figuren haben Tiefe und Format, wirken jedoch leider teilweise etwas unfertig und fabrizieren gelegentlich nicht nachvollziehbare Handlungen/Reaktionen. Eine Geschichte die sich streckenweise sehr hinzieht um dann in kurzweilige rasante Tempomomente zu wechseln welche jedoch konstant in einer sehr angenehmen Sprache vollführt wird.

Mary Wickford betritt die unterirdische Stadt Arkham mit ihren seltsamen, düsteren Bewohnern, wirft einen Blick auf das sagenumwobene Buch „Necronomicon“ und öffnet ein Portal zum Turm Gottes auf einer Ebene des Wahnsinns. Elemente welche für sich ein eigens Buch füllen könnten werden von dem Autor zwar bemüht beschrieben aber stets in einer sehr actionorientierten Situation. Hier kommt kaum eine Stimmung auf die diese Orte verdient hätten, die möglich gewesen wären.

Fabrice Colin will in „Mary Wickford“ zu viel des Fantastischen. Den leicht romantischen Lebensweg einer jungen Frau in Kontakt zu christlicher Göttlichkeit und Lovecrafts uraltem Cthulhu bleibt in dieser Kombination sehr weit hinter dem Möglichen zurück. Eine brillante Idee die ein Meisterwerk hätte werden können.

Weitere Infos und Leseprobe zu dem Buch: Mary Wickford

Buchfakten:
Fabrice Colin
Mary Wickford
Roman
Originaltitel: La Malédiction d’Old Haven
Aus dem Französischen von Ulrike Werner-Richter
Gebundenes Buch, Pappband, 720 Seiten, 13,5 x 21,5 cm
ISBN: 978-3-453-53288-5
Verlag: Heyne
Erscheinungstermin: Juli 2009

Advertisements