Feenfeuer Blog für fantastische Angelegenheiten, Kategorie Interviews, 03. Dezember 2009: Aufzeichnungen der abenteuerlichen Geschichte der Magischen Bestseller Autorin Victoria Schlederer.

Der Heyne Fantasy Wettbewerb 2009 hat den Debütroman der gebürtigen Wienerin Victoria Schlederer das Licht der Öffentlichkeit erblicken lassen und die Leserschaft Fantastischer Literatur um eine hochkarätige Autorin bereichert. Mit „Des Teufels Maskerade“ ist bei Heyne ein historischer Krimi mit fantastischen Elementen erschienen der den Titel „Magischer Bestseller“ wahrlich zu Recht führen darf. Die Autorin hat sich erfreulicherweise bereit erklärt ein paar Fragen zu ihrem Abenteuer um das Bureau für Okkulte Angelegenheiten zu beantworten.

Viel Spass mit dem Interview zu „Des Teufels Maskerade“ mit Victoria Schlederer!

Im März 2009 standest du als Gewinnerin der Heyne Ausschreibung um den Magischen Bestseller fest. Unter 1402 eingereichten Manuskripten wurde Des Teufels Maskerade als bestes Werk geehrt und im November 2009 als Roman, als der Magische Bestseller, veröffentlicht.
Wie war deine Reaktion damals auf die Juryentscheidung und wie hat es sich angefühlt das erste Exemplar deines eigenen Buches in den Händen zu halten?

Ich glaube mich erinnern zu können, als die Juryentscheidungen verkündet wurden, und schlußendlich nur noch ein erster Platz, und mein Name übrig waren, hatte ich den tiefschürfenden Gedanken „Solltest du in näherer Zukunft vorhaben, in Ohnmacht zu fallen, wäre jetzt ein ausgezeichneter Moment“; erfreulicherweise habe ich diese Überlegung dann doch nicht in die Tat umgesetzt…

Des Teufels Maskerade in Buchform den Händen zu halten war natürlich ein wunderbares Gefühl; wobei mich die Post ganz entschieden nicht leiden konnte, und meine Autorenexemplare erst ankamen nachdem weite Teile meines Umfelds schon im Besitz des Romans waren, was dem ganzen vielleicht ein bisschen den dramatischen Effekt genommen hat.

Magischer Bestseller – ein Titel der nicht nur Neugier sondern auch Erwartungen weckt, gerade da er aus einer unglaublich großen Konkurrenz gewonnen hat.
Wie gehst du mit diesem plötzlichen öffentlichen Interesse an dir und deinem Roman um, ist für dich eine solche Erwartung spürbar und eventuell sogar Neid?

Ich fürchte, die Frage kommt ein bisschen zu früh – noch kann ich da gar keine Antwort darauf geben. Momentan ist alles einfach noch sehr neu, sehr spannend und ungeheuer aufregend – seien es nun die Erwartungen an den Roman, oder die Tatsache, dass ich plötzlich bei Lesungen auf der anderen Seite sitze.

Die Möglichkeit eventueller Neider möchte ich eigentlich, offen gesagt, ganz bewusst ausblenden: ich will wirklich nicht Gefahr laufen, irgendwann Kritik, oder ganz herkömmliche Antipathien als Neid abzutun.

„Des Teufels Maskerade“ ist kein klassischer Fantasy Roman. Er bedient sich verschiedener Genreelemente. Wie kam dieser Mix zustande?

Der Mix entstand aus einem Mißverständnis: ganz zu Beginn, als die Geschichte noch in ihren Kinderschuhen steckte, war ich der Meinung, ich würde hier einen rein historischen Krimi planen – später, einen historischen Krimi mit ein paar Mysteryaspekten; die Handlung war anderer Meinung, die Fantasyelemente stahlen sich gewissermaßen durch die Hintertür herein und beanspruchten einen deutlich größeren Stellenwert, als ich anfangs angenommen hatte. Und nachdem es Spaß machte, mit ihnen zu spielen, und sie eine willkommene Bereicherung darstellten, war es mir ein Vergnügen, den Fokus zu verschieben.

Prag und Wien sind Orte des Geschehens in deinem Buch. Wieso hast du diese beiden Städte auserwählt?

Zwei Gründe: erstens kenne ich beide Städte ziemlich gut – Wien ist meine Heimat, und auch in Prag habe ich ziemlich viel Zeit verbracht, seit ich die Stadt vor bald zehn Jahren gewissermaßen „für mich entdeckt“ hatte.

Zum zweiten boten sich für die Handlung, das Genre, die beiden Schauplätze quasi an: Prag, die als Stadt der Mythen, Sagen, des Okkulten in die Literatur und das kulturelle Bewusstsein eingegangen ist; und Wien als Zentrum der Habsburgermonarchie, in dem sämtliche Fäden zusammenlaufen.

Wie viel Zeit es hat in Anspruch genommen den Roman von einer ersten Idee bis zum fertigen Bestseller zu erschaffen?

Lange. Schon allein die Schreibphase hat sich – mit lebensumstandsbedingten Unterbrechungen und Verzögerungen – über mehr als zwei Jahre gezogen; erste Ansätze und Ideen zur Geschichte gibt es sogar noch länger; ebenso wie einige der Charaktere. Und ich wage die Vermutung, dass ich immer noch – ohne Ende in Sicht – daran schreiben würde, hätte ich letzten Dezember nicht zufällig von der Heyne-Ausschreibung gelesen. Das war für mich der Moment wo ich mir, unabhängig von allen kühnen Wunschträumen, selbst die Rute ins Fenster stellte: da war ein Termin, und eine Motivationsquelle, die Geschichte endlich fertig zu schreiben, und ausnahmsweise davon abzusehen, mich in unzähligen Nebenhandlungen und Hintergrundgeschichten, von denen ich ganz genau wusste, dass sie ohnehin nicht direkt in diesen Roman gehörten, zu verlieren.

Wie ist die grandiose Figur des Lysander Sutcliff entstanden und warum fiel deine Wahl auf Otter?

Zunächst: vielen herzlichen Dank!
Lysander nahm eigentlich in einem ganz anderen Projekt – einem Fantasy-Jugendroman, wo er ebenfalls als tierischer Detektiv in der Welt der Menschen hätte ermitteln sollen – seinen Ursprung; nachdem diese Geschichte die Planungsphase nicht überstand, mir der Charakter aber sympathisch war, und ich die Diskrepanz zwischen der gebildeten und kultivierten Persönlichkeit und der Tiergestalt interessant zu schreiben fand, wurde er in Des Teufels Maskerade transferiert.

In den ersten gedanklichen Entwürfen war Lysander eine Ratte; später habe ich mich umentschieden, nicht zuletzt, weil ich Otter faszinierend finde, und ich mit den Ausdrucksmöglichkeiten, der Körpersprache mehr anfangen konnte.

Werden wie je erfahren was zwischen Lysander und Aleister Crowley geschehen ist? Möglicherweise in einem anschließenden Roman?

Möglicherweise, ja. Aber ich denke, ich werde keinen großen Schaden anrichten, wenn ich hier in dürren Worten die Hintergrundgeschichte erzähle: der Gedanke war, dass Lysander sich – noch körperlos, als Geisterwesen – zu einer Art Lehrmeister des jungen Crowley aufschwingen will; ein magisches Experiment missglückt, und der Rest ist pelzige Geschichte.

Zur Inspiration dafür dient eine Anekdote, über die ich irgendwann gestolpert bin, dass Aleister Crowley im Zuge einer Debatte einen Kontrahenten in ein Dromedar verwandelt haben soll… se non è vero, è ben trovato.

Gab es Momente während des Schreibens in denen eine Figur eine Art Eigenleben entwickelt, sich verselbständigt hat und du vielleicht sogar ein wenig von ihr überrumpelt wurdest? Ich denke da z.B. an Dejan Sirco (auch) in seinem Verhältnis zu der charmanten Bordellbesitzerin Esther?

In den Anfangsstadien hat die Handlung immer wieder Wendungen genommen, mit denen ich von vorne herein nicht direkt gerechnet hatte, ja. Wie erwähnt, schon die Tatsache, dass der Roman im Lauf der Planung und Konzipierung immer deutlicher in Richtung Phantastik strebte, war eine Überraschung für mich.

Die Beziehungsgeflechte zwischen den Hauptfiguren waren allerdings etwas feststehender: das ergibt sich daraus, dass die ganze Idee eigentlich mit Dejan, und dessen Lebensgeschichte, ihren Ausgang nahm. Ich sage gerne, er ist mir eines Tages geistig zugelaufen, komplett mit Hintergründen und Erzählstimme… besser lässt sich das nicht beschreiben. Somit hatte ich zumindest einen groben Verlauf der Beziehungen zwischen den unterschiedlichen Charakteren vor Augen, an den ich mich weitgehend gehalten habe. Was nicht bedeuten soll, dass nicht im Detail noch ausreichend Platz für Überraschungsmomente gewesen wäre: das Verhältnis zwischen Dejan und Trubic war zu Beginn als enge Freundschaft mit erotischen Untertönen gedacht gewesen – womit beide Charaktere, ganz offensichtlich, nicht sehr einverstanden waren.

Du hast bei mehreren Anlässen deinen Roman als „augenzwinkernde Hommage an die frühe deutschsprachige phantastische Literatur“ bezeichnet. Was meinst du damit konkret? Wann zwinkert „Des Teufels Maskerade“ und an welche Werke gerichtet?

Als ich das Projekt, das letztlich Des Teufels Maskerade werden sollte, in Angriff nahm, hatte ich gerade eine Phase, in der ich – wieder einmal – die Klassiker der früheren deutschsprachigen Phantastik, von Meyrink bis Perutz verschlang, gleichzeitig ein bisschen in der „gothic literature“ des späteren 19.Jahrhunderts stöberte, und nicht zuletzt ein gewisses Interesse für die Trivialliteratur der Zeit entwickelte. Woraufhin die Idee, etliche „tropes“, sujets, zuweilen auch Klischees herauszufiltern, und damit ein bisschen zu spielen, entstand.

Von Aspekten der Charakterisierungen, Erzählformen, und nicht zuletzt der verwendeten Sprache, hat da alles eine gewisse Färbung bekommen.
Darüber hinaus war es – ich gestehe – ein großes Vergnügen, die eine oder andere winzige Detailanspielung in der Geschichte zu verstecken: ein paar der Offensichtlicheren gibt es gerade zu Perutz’ Werken.

Zum Ende hin vielleicht ein Abgleiten in das private Leben von dir, soweit es gestattet ist. Wie sieht ein Tag im Leben der Victoria Schlederer aus, küsst dich morgens oder mittags die Muße wach und ein Strom von Ideen und Inspirationen trägt dich durch deinen Alltag?

An einem idealen Tag wäre das wohl so; aber wie oft hat man schon ideale Tage?
Wenn ich es mir aussuchen kann, bin ich eine entschiedene Nachtschreiberin – wobei Nacht unter Umständen auch am späten Vormittag enden kann, wenn gerade eine Szene unbedingt fertig geschrieben, eine Idee weiterverfolgt werden wollte.

Ansonsten bewahrheitet sich momentan gerade meine Theorie, dass die Ströme von Ideen und Inspirationen sich am liebsten dann einstellen, wenn sie gerade nicht erforderlich wären: die Ideen für die unterschiedlichsten Geschichten, Charaktere, Hintergründe sprudeln derzeit nur so, wenn ich versuche, zur Abwechslung meiner Diplomarbeit die ihr zustehende Aufmerksamkeit zu widmen.

Vielen Dank für interessanten und spannenden Antworten!

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