In Nilfgaard wird die Verlobung des Kaisers mit Cirilla, der Thronerbin von Cintra, proklamiert. Ciri scheint unwiderruflich in die Hände des Imperiums gefallen zu sein, jedoch tauchen erste Zweifel auf ob es sich bei frisch Verlobten tatsächlich um das legendäre und von allen Königreichen und ihren Geheimdiensten gesuchte Löwenjunges von Cintra handelt. Das Magiertreffen in Thanned endete in einer Katastrophe, ausgelöst durch Verrat und Machthunger, einer magischen Schlacht der Verschwörer und nur Tris Merigold ist es zu verdanken das Geralt von Riva, der weisse Wolf, mit knapper Not überlebt hat…

In Duén Canell, der Tiefe des Brokilon Waldes wohnt Eithné, die Anführerin der Dryaden und erlaubt es dem schwer verletzten Hexer in ihrem Waldreich zu genesen. Die Menschen meiden längst die Nähe des Waldes, die Zeiten in denen die Dryaden noch Warnschüsse aus ihrem Dickicht abgegeben haben sind längst vorbei. Vom Broklion, an der Grenze Cintras, bricht Geralt in Begleitung von Milva, einer exzellenten Bogenschützin, und dem Dichter Rittersporn auf um seine Suche nach der in Thanned verlorenen Ciri aufzunehmen. Das Trio reist dem Krieg entgegen. Unterwegs treffen sie auf eine Flüchtlingsgruppe unter zwergischem Kommando. Zoltan Chivay und seine Gefährten reisen ostwärts um der sich schliessenden Zange des Krieges zu entrinnen. Jedoch soll diese kampferprobte, fluchende Zwergentruppe nicht die einzigen Begleiter des Hexers stellen.

An Geralts Fersen heftet der schwarze Ritter mit geflügeltem Helm aus Ciris Albträumen. Ein Soldat Nilfgaards, dem der Hexer schon einmal das Leben geschenkt hat. Als sich der Flüchtlingstrek gezwungen sieht an dem Rand eines alten Elfenfriedhofs sein Nachtlager zu beziehen, machen die Worte „Ghul“ und „Vampir“ schnell die Runde. Und tatsächlich scheint es zwischen den verwitterten Grabsteinen „Leben“ zugeben. Ein Barbier der seiner Leidenschaft dem Kräutersammeln nachgeht, treibt sich auf dem Totenacker herum. Regis beschliesst auf Grund des ausufernden Krieges sich der Reisegruppe und ihrer Suche anzuschliessen. Geralt bleibt jedoch misstrauisch und dieses Misstrauen wird bestärkt als Regis das erste mal seine medizinischen Fähigkeiten an der offenen Wunde eines Verletzten beweist. Das Blut riecht gut…

Feuertaufe – ein sehr gelungenes Zwischenspiel

Der dritte Geralt Roman und das fünfte Hexerbuch ist alles andere als ein Lückenfüller geworden. Zwar schreitet die Handlung nur bedingt voran, dafür widmet sich der Autor jedoch sehr anschaulich und ungeschminkt der Realität des Krieges und dem Aufbau einer Gruppe um den Hexer Geralt von Riva. Parallel zu Geralts verzweifelter Suche, seinem Aufbruch in das Herz des Nilfgaarder Imperiums, reitet Ciri mit den Ratten, einer schillernden Diebes- und Mörderbande und sie scheint Gefallen an diesem Dasein zwischen Jäger und Gejagtem zu finden…

Der dritte Handlungsstrang umfasst die Zauberin Yennefer und den Versuch sie als Teil eines neuen magischen Geheimbundes zu gewinnen. Unter der Führung von Philippa Eilhart nehmen auserwählte Überlebende der Thanned Verschwörung erstmalig mit nilfaarder Zauberinnen Platz an einem gemeinsamen Tisch um die Zukunft der Magie und ihre eigene Stellung als Zauberinnen zu sichern.

Drei Geschichten die jeweils für sich ein Glanzstück fantastischer Erzählungen darstellen. Wie von Sapkowski gewohnt ohne Effekthascherei aber mit eindringlichen und auch humoristischen Beschreibungen. Andrzej Sapkowski weiss was er tut wenn er den Leser durch seine Welt schweifen lässt, ihm Gräuel und Verlockungen präsentiert. Gerade die sich um den Hexer formierende Gruppe um den Nilfgaarder (der vehement behauptet gar keiner zu sein), die spitzzungige Bogenschützin und den mysteriösen Barbier, dessen Kräutergeruch selbst die Pferde scheuen lässt, gibt dem dritten Hexer Roman eine ganz besondere Würze.

Im Vergleich zu den ersten beiden Geralt Romanen Das Erbe der Elfen und Die Zeit der Verachtung legt der Autor in „Feuertaufe“ ein grösseres Augenmerk auf die nicht immer konfliktfreie Interaktion der Figuren und präsentiert sie in authentischer Breite. Besonders der Zwergentrupp erweist sich als genialer Streich. Mit ihnen schraubt Sapkowski den Faktor Spass ein gutes Stück in die Höhe, ohne in einen humoristischen Abklatsch des Zwergenstereotypes zu verfallen. Auch wenn die lautstarken, glücksspielenden und in Menschenaugen wohl ungesitteten Zwerge Geralt nicht über alle Seiten begleiten, stellt sich auf denen die sich ihrer widmen recht schnell die Frage nach dem Sinn von sog. Völkerromanen, welche sich dieser Gattung fantastischer Lebewesen zuwenden. An Sapkowskis Zwergen und der Leichtigkeit ihrer Präsentation kommt wohl kein Zwergenroman heran.

Andrzej Sapkowskis „Feuertaufe“ – ein Fantasy Roman der seinem Titel gerecht wird. Jede Figur beschreitet den Weg durch die Flammen, allen voran Geralt von Riva, erlebt die eigene Feuertaufe. Ein eindrucksvoller Kriegsroman, der nicht das Volumen grosser Schlachten braucht um zu beeindrucken. Fast greifbar ist die Frage nach Hoffnung, für Geralt ganz persönlich aber auch für eine Welt die ihre Feuertaufe erlebt, in diesem Band. Sapkowski überzeugt wie gewohnt durch eigenwillige Fantasy in Idee und Stil. Gerade das Herausnehmen des Tempos in der Handlungsentwicklung eröffnet Spielräume für die Breite der Welt und die Tiefe der Charaktere. Andrzej Sapkowski weiss diese eindrucksvoll zu nutzen.

Sapkowski steht für unverwechselbare, polarisierende Fantasy und bleibt seinem Namen treu.

Mehr Infos zu dem Buch und Leseprobe: Andrzej Sapkowski – Feuertaufe

Rezension zum ersten Hexer Roman: Andrzej Sapkowski – Das Erbe der Elfen
Rezension zum zweiten Hexer Roman: Andrzej Sapkowski – Die Zeit der Verachtung

Buchfakten:
Andrzej Sapkowski
Feuertaufe
Roman
dtv premium
Aus dem Polnischen von Erik Simon
432 Seiten
ISBN: 978-3-423-24755-9

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