Die Schwarmkriege haben begonnen – mit einem Insektenvölkerroman? Fast. Adrian Tchaikovsky führt Mensch und Insekt in eine eigenwillige, fantastische Symbiose. Seit unzählige Jahren ist die Trennung von Menschen und Insekten überwunden. Ameisen, Motten, Käfer, Spinnen, Wespen und viele mehr, bevölkern in Menschengestalt die Tieflande und ihre angrenzenden Gebiete.
Jedem Völkchen hat diese Verschmelzung Vor- und Nachteile gebracht, ihre Gesellschaftsform und ihr Denken geprägt. Das nicht immer freundlich aber friedlich geführte Zusammenleben der insektoiden Menschen erfährt jedoch eine Bedrohung aus dem Osten unter schwarz – gelbem Banner…

Stenwood war damals dabei, ist durch die Gassen geflohen mit einer Hand voll jugendlicher und enthusiastischer Gefährten, in Myna, als ihre Verteidigung verraten wurde und die Wespen über die Mauern der Stadt quollen. Damals schon hatte sein Plan erste Formen angenommen, beruhend auf der Erfahrung mit dem aufstrebenden Wespenimperium im Osten. Über die Jahre ist der Käfer beleibter geworden, ein Erfinder in der Stadt des grossen Denkens Collegium und an der Akademie in Ungnade gefallen. Stenwood gilt als Beschwörer einer eingebildeten Gefahr für die zivilisierten Tieflande, in denen Maschinen das Fliegen ermöglichen und technischer Fortschritt für ein euphorisches Gefühl allgemeiner Überlegenheit und Unantastbarkeit sorgt. Doch der alternde Käfer hielt seine Augen und Ohren über die Jahre hinweg stets nach Osten gerichtet, baute sich ein Informantennetzwerk auf und doch ereilt ihn die Invasion der Wespen so unverhofft wie sie für ihn voraussehbar war. Sie kamen nicht mit Stahl und Feuer sondern mit Verträgen und Anstand, verhalfen den Händlern der Tieflande zu hohen Profiten und versprachen Frieden.

Als die ersten Wespen nach Collegium gelangen muss Stenwood feststellen das er trotz jahrelanger Vorbereitung auf den Krieg alleine dasteht. Von den Akademikern belächelt, wählt er aus seinen wenigen treuen Studenten einige aus um für ihn im Osten der Tieflande zu spionieren und die Kriegspläne der Wespen offen zu legen. Seine Cousine, die an sich selbst zweifelnde Käferin Jubelgold, die hübsche Spinne und begnadete Kämpferin Tynisa, der exotische Prinz Salma und der fleissige Lehrling und das Halbblut Totho. Doch in der Industriestadt Helleron warten nicht nur Verbündete im Kampf gegen die Wespen auf die Ankunft von Stenwoods Schützlingen…

Insektoide Fantasy – gelungene Idee, betrübende Umsetzung

Tchaikovsky vermag mit seiner Welt, ihren Völkern und Figuren durchaus zu beeindrucken. Auch wenn sich das faktische Nichtaufklären der Verschmelzung von Mensch und Insekt den Leser diesen Völkern etwas hilflos gegenüber stehen lässt. Das Abenteuer der Vielvölker Insektengruppe ist solide High Fantasy mit Intrigen, Verrat und lauten Kriegstrommeln. Zwar erfüllt jeder Gefährte eine eigene Funktion, ist durch seine völkerspezifischen Talente eine Bereicherung, doch gerade diese Mixtur birgt auch ein Konfliktpotential. Dem Autor gelingt eine authentische und interessante Gegenüberstellung von technischer Innovation und dessen Ablehnung bei bestimmten Insektenvölkern sowie einem daraus resultierenden ‚Clash of Cultures‘. Erfreulicherweise fügt Tchaikovsky seinem Auftaktroman zu den Schwarmkriegen auch Momente einer Gesellschaft bei, die sich in einem technischen Aufschwung befindet, in ihrem Denken jedoch in Teilen noch Vorstellungen erliegt die hinter diesem, stets hoch gepriesenen Zivilisationsprozess liegen. Eine Gesellschaft, vor allem die der Käfer, zwischen alten Denkmustern und technischer, industrieller Revolution, die sich den Ansätzen des Fordismus vor dem ersten Weltkrieg nähert.
Ein spannendes und gelungenes Setting durch das Tchaikovsky seine Helden stolpern, fliegen und fliehen lässt.

Was dem Autor in seinem Fantasy Roman jedoch nicht gelingt ist einen eigenen, durchdachten und ausformulierten Schreibstil zu finden. Obwohl es durchaus gelungene Beschreibungen in „Invasion des Feuers“ gibt, bilden diese Mangelware zwischen kurzen Sätzen mit lieblosen, unkreativen und herkömmlichen Formulierungen. In seinem, 2008 in englischem Original erschienen, Insekten-Fantasy-Buch gesellt sich eine gute Idee und spannende Geschichte zu einer unbeholfenen Schreibweise.

Adrian Tchaikovsky – ein Autor mit grossem Potential. Der Weltenbau überzeugt, die Charaktere sind eine schöne High Fantasy Gruppe, die schriftstellerische Umsetzung des ersten Schwarmkriege Romanes enttäuscht jedoch.

Weitere Infos zu dem Buch und Leseprobe: Invasion des Feuers

Buchfakten:
Adrian Tchaikovsky
Invasion des Feuers
Die Schwarmkriege: Erster Roman
Originaltitel: Empire in Black and Gold, Shadows of the Apt Book 1
Originalverlag: Tor ld.
Aus dem Englischen von Simon Weinert
Taschenbuch, Klappenbroschur, 448 Seiten, 11,8 x 18,7 cm
ISBN: 978-3-453-52524-5
€ 8,95
Verlag: Heyne
Erscheinungstermin: Dezember 2009

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