Dhampir – eine Figur aus der albanischen Folklore, die das Kind aus einer unheiligen Verbindung zwischen Mensch und Vampir meint. Ein Wesen, das in sich gespalten ist, in seine menschliche und seine dunkle Seite…

Nach Halbblut und Seelendieb präsentiert das Autorenpaar Barb und J. C. Hendee den dritten Band ihres Sechsteilers, um die Dhampir Magiere, ihren Gefährten, den Halbelfen Leesil und dessen Feenhund Chap. „Dunkelland“ führt das Dreiergespann, in Begleitung der jungen Weisen Wynn, in Magieres Vergangenheit, eine provinzielle, feindliche Tristesse. Getreu ihrem High- und Dark Fantasystil erwartet den Leser ein Abenteuer, mit alten Bekannten, neuen Gefahren, düsterer Atmosphäre, welches jedoch über die Kategorie eines Zwischenbandes nicht hinaus kommt.

Magiere und Leesil begeben sich wieder auf eine Reise mit ungewissem Ausgang. Der Halbelf hat den Entschluss gefasst, seinVolk aufzusuchen und seine Mutter, sollte diese noch leben, aus den Fängen elfischer Meuchelmörder zu befreien. Diese Zusammenkunft wird jedoch etwas aufgeschoben, denn zunächst gilt es dem Mysterium um Magieres Herkunft, ihrem Dhampirdasein, nachzuspüren. Dem Feenhund Chap missfällt dieser Entschluss jedoch deutlich und er wird vor die Entscheidung gestellt ob und mit welchen Mitteln er sich gegen sie stellen wird…

Nach den städtischen Abenteuern in Bela und Miska, entführen uns die beiden AutorInnen nun in eine rückständige Provinz und legen eine düstere Atmosphäre um diese. Dunkle Hinterhöfe und Hafenanlagen weichen schlammigen Pfaden und verfallenen Gemäuern. Die Abgelegenheit der Handlungsort entpuppt sich als angenehme Abwechselung und doch scheint es fast als sei diese dem Autorenpaar selbst nicht ganz geheuer. Zwar behält auch dieser Band seine gelungene bildliche Sprache bei, doch wagt er nicht dem Dunkelland zu voller Entfaltung zu kommen. Die düstere, bedrückende  Atmosphäre des spärlich besiedelten Landstrichs bleibt ein wohl gesäter Keim, dem die Handlungsorientierung der Geschichte, seine Blüte verweigert.

Sehr interessant in dem dritten Dhampir Buch ist die deutlich verstärkte Dosis Magie, welche sich in den Ablauf des Abenteuers überzeugend stimmig einfügt. Hier kann in doppelter Hinsicht von einer Grabesstimmung die Rede sein…
Leider vollziehen die Charaktere eine solche Fortentwicklung nicht. Die Gruppe aus Leesil, Magiere, Chap und Wynn ist in sich unstimmig und wenig harmonisch. Wynn muss weiterhin ein Dasein als „Fünftes Rad am Wagen“ fristen, auch wenn sie Gelgenheit bekommen soll der Gruppe ihren Wert zu beweisen. Diese gruppeninternen Differenzen, in einer nicht wohlgesonnen Umgebung, übertragen sich auch auf den Leser und so bekommt das Bild der beiden vertrauten Kämpfer gegen die edlen Toten ein paar feine Risse. Als einzige Figur mit einer wirklich spannenden Entwicklung kann Chap bezeichnet werden. „Dunkelland“ lässt an den Gedanken des Feenhunds teilhaben und öffnet die Tür zu seiner Welt, der Welt hinter der Realität (halb)menschlicher Wahrnehmung, um einen weiteren Spalt.

„Dhampir 3 – Dunkelland“ ist ein sich spannendes Abenteuer, mit facettenreichen Emotionen und einigen unerwarteten Ereignissen. Es bietet weitere Puzzlestücke in der Geschichte der Halbvampirin Magiere, schürft in ihrer Vergangenheit und stösst auf alte Wunden, nicht nur in der Dhampir selbst.

Als schwach können und müssen die Figuren bezeichnet werden. Zwar wiederfährt ihnen einiges Erschütterndes und Ungeahntes, ihr Bild, ihre Rollen bleiben jedoch unverändert stabil und festgeschrieben. Deutlich stärker als im zweiten Band ist die Vorahnung, das sich die Serie auf ein fuluminales Ende vorbereitet, den grossen Showdown. Mit „Dunkelland“ ist ein guter, unterhaltsamer Lückenfüller gelungen.

Weitere Infos zu dem Buch: Dhampir 3 – Dunkelland

Buchfakten:
Dhampir Band 3
Dunkelland
Barb & J.C. Hendee
broschiert, Trade Paperback
Seiten: 384
Originaltitel:  Dhampir 3 – Sister of the Dead
ISBN: 978-3-8025-8198-4

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