© Andre Weimar

Mit „Splitterherz“ hat Bettina Belitz einen wundervollen romantischen und spannenden Jugendroman, inklusive fantastischer Note, verfasst. Die 17 jährige Ellie Sturm zieht mit ihren Eltern von Köln nach Kaulendorf im Westerwald und stösst dort auf Geheimnisse, die nicht nur ihre Familie zu zerreissen drohen, sondern auch eine Welt hinter der unseren eröffnen.

„Splitterherz“ aus dem Jugend-Imprint Script5 des Loewe Verlags, zieht den Leser nicht nur durch eine unfreiwillige romantische Begegnung in seinen Bann. Bettina Belitz weiss ihre Figuren authentisch und facettenreich darzustellen, ihnen Leben einzuhauchen und somit ihren Auftaktband zu einem wunderbaren Leseerlebnis zu formen.

Viel Spass mit dem Interview mit der „Splitterherz“ Autorin Bettina Belitz!

Hallo Bettina, schön das du bei diesem Interview mitmachst. Da „Splitterherz“ dein Romandebüt ist, kann es unter Umständen sein, das noch nicht jeder Leser von dir gehört hat. Stell dich, wenn du Lust hast, doch bitte vor. Wer verbirgt sich hinter dem Namen Bettina Belitz?

Ein Mensch mit einer manchmal recht furiosen Mischung aus bodenständigem Realismus und überschäumender Fantasie – und diese beiden Seiten verhalten sich nicht immer friedlich zueinander. Beim Schreiben aber finden sie in Harmonie zusammen. Deshalb schreibe ich vermutlich für mein Leben gerne – und wenn ich nicht schreibe, stromere ich mit meiner kleinen Familie in der Natur herum, schaue dem Wetter zu oder befinde mich auf dem Rücken eines Pferdes.

Erzähl doch einmal wie du überhaupt zum Schreiben gekommen bist und, Hand aufs Herz, wie es war als du das erste druckfrische „Splitterherz“ Buch in den Händen gehalten hast.

Das mit dem Schreiben kündigte sich zwar an, da ich gute Aufsätze schrieb und viel las, gerne auch eigene Geschichten gesponnen habe, doch die Entscheidung, ein Buch zu verfassen, fällte ich binnen Sekunden. Ich sah plötzlich Tom vor mir, den Protagonisten meines Pferdeabenteuers „Sturmsommer“ (Thienemann), und wusste, dass ich in sein Leben eintauchen und es aufschreiben muss. Damals war ich zwölf Jahre alt, und seitdem haben die Buchstaben mich nicht mehr losgelassen.

Als ich „Splitterherz“ zum ersten Mal in den Händen hielt, wurde mir mit einem Mal bewusst, was für eine Wuchtbrumme dieses Buch ist – in punkto Umfang, aber auch in punkto Zeit, Arbeit und Herzblut, das hineingeflossen ist.

Wie lange hat die Entstehung von „Splitterherz“ gedauert, von deiner ersten Idee bis zum fertigen Buch?

Es gab ein Fragment von wenigen ersten Kapiteln, das ich nur für mich und zum Spaß an der Freude geschrieben hatte – und zwar im Frühjahr 2008, als ich weder Agentin noch Verlag hatte. Diesem Fragment liegen die Protagonisten und das Setting von „Splitterherz“ zugrunde – aber mit der jetzigen Geschichte habe ich erst im Januar 2009 begonnen und die Rohform Mitte April beendigt. Frühsommer und Sommer gingen dann für Lektorat und Finetuning drauf.

„Splitterherz“ ist seit Januar 2010 im Handel erhältlich und einer der ersten Titel des Loewe Imprints Script5. Wie ist diese Zusammenarbeit entstanden?

Eigentlich sollte ich eine neue Fantasy-Pferdereihe für Loewe schreiben, vermittelt durch meine Agentin – der Türöffner dafür war das Fragment von „Splitterherz“ gewesen. Im ersten Gespräch mit meiner Lektorin kristallisierte sich jedoch schnell heraus, dass wir beide gute Möglichkeiten sahen, aus dem Fragment ein Buch für junge Erwachsene zu stricken. Zeitgleich wurde „Script5“ ins Leben gerufen – das war wahrscheinlich das berühmte Quäntchen Glück. Es passte alles zusammen. Also verfasste ich ein wasserdichtes Exposé und bekam den Auftrag für „Splitterherz“. Ich bin Script5 sehr dankbar für diese große Chance.

„Splitterherz“ ist ein Jugendroman bzw. ein Buch für junge Erwachsene. War diese Zielgruppe bereits vor dem Schreiben bewusst gewählt oder stand zuerst die Geschichte mit ihrer sympathischen jungen Heldin?

Beim Schreiben des Fragments habe ich mir darüber keine Gedanken gemacht; das kam erst später in der Zusammenarbeit mit dem Verlag. Ellie sollte nicht älter als 17 sein und ist damit natürlich vor allem eine Identifikationsfigur für Mädchen in ihrem Alter. Doch für mich persönlich gibt es beim Lesen keine Altersgrenzen, und ich habe inzwischen auch schon etliche positive Rückmeldungen von erwachsenen Leserinnen (und auch Lesern) erhalten. Ich glaube, bei „Splitterherz“ zählt das gefühlte Lesen – und die Bereitschaft, sich zurück ins Jugendalter entführen zu lassen.

Wie ist Ellie Sturm entstanden? Und (wir kommen wohl um diese „übliche Frage“ nicht herum) wie viel Bettina Belitz steckt in ihr?

Die erste Figur, die in meinem Kopf entstand, war Colin, und ihm folgte rasch Ellie. Ich wollte eine starke Heldin, die sich nichts vormachen lässt, die agiert und nicht nur reagiert. Ellie hat einen sehr regen Forschergeist, aber auch eine dünne Haut. Diese dünne Haut vereint uns, doch Ellie setzt die daraus rührenden Konsequenzen anders um. Das birgt Vor- und Nachteile. Ich sehe nicht mich mit 17, wenn ich Ellie betrachte, aber ich kann sie in allem verstehen, was sie tut.  Ich glaube abgesehen davon nicht, dass es besonders geschickt wäre, eine Romanfigur autobiografisch anzulegen.

Was macht für dich persönlich die Faszination eines Colin Blackburn aus?

Ich fürchte, sein dunkler Blick würde auch meine Knie im Nu weich werden lassen. Aber was mich wirklich an ihm fesselt, ist seine Fähigkeit, in Ellies hinein zu sehen und ihr dennoch ihre Eigenständigkeit zu belassen. Er versucht nicht, sie zu lenken oder für seine Zwecke zu gebrauchen, und dennoch gibt er unumwunden zu, dass er an ihrer Seele interessiert ist und nicht zuletzt auch an ihrer Hülle. Das ist eine sehr frappierende Mischung aus Raubtier und purer Intimität.

In „Splitterherz“ existiert ein Fantasy oder Fabel Element, welches in unterschiedlichen abergläubischen Formen, im Laufe der Zeit, für Angst und Schrecken gesorgt hat. Hast du einen gewissen Hang zur Mythologie und zum Phantastischen?

Einen Hang wäre zu viel gesagt. Ich lese nur wenig Fantasy und bin bei Filmen die erste, die sich über Logikfehler und haarsträubende Wendungen mokiert. Doch all die kuriosen und geheimnisvollen Zwischenwelten des Traumes haben mich schon immer interessiert und fasziniert. Ich träume selbst viel und lebhaft, und ich glaube, dass in Träumen eine Kraft schlummert, die wir für unsere Seele nutzen können. So war auch im Deutschunterricht und im Germanistikstudium die Epoche der Romantik meine liebste. Ich glaube, das merkt man „Splitterherz“ an.

Welche Figur aus deinem Roman würdest du am liebsten einmal persönlich treffen?

Oh, welch unmoralische Frage … natürlich Colin! Aber das würde bedeuten, dass ich mit meinen 36 einem 20-Jährigen gegenüberstehe, den ich erfunden habe. Ich wäre also quasi eine Art Mama für ihn, und ich glaube, das würde mir nicht behagen und jegliche Erotik im Keime ersticken. Also lasse ich ihn besser da, wo er ist – in meinem Kopf.

Gab es während des Schreibens von „Splitterherz“ Momente in denen sich eine der Figuren verselbstständigt hat? Möglicherweise die leicht impulsive Ellie?

Ellie hat ziemlich schnell ihr eigenes Ding durchgezogen und fing ebenso schnell an, wie ein Holzfäller zu fluchen. Manchmal halte ich beim Schreiben inne und muss amüsiert grinsen über das, was sie wieder anstellt. Dann geht es mir ähnlich wie Colin … Grundsätzlich entwickeln sich bei mir fast alle auf dem Reißbrett skizzierten Figuren irgendwann von alleine weiter, und das genieße ich sehr, auch wenn ich sie manchmal zurückpfeifen muss.

Pferde spielen in „Splitterherz“ und in deinem zweiten aktuellen Roman Sturmsommer eine Rolle. Welches Verhältnis hast du zu diesen Tieren?

Ich war schon immer vollkommen pferdeverliebt, durfte aber in meiner Jugend keine Reitstunden nehmen. Das habe ich als Erwachsene nachgeholt. Wenn ich längere Zeit nicht auf einem Pferd sitzen kann, werde ich unleidlich. Pferde erden mich, entspannen mich, bringen mich in Schwung und zeigen mir meine Grenzen auf – manchmal aber helfen sie mir auch, innere Grenzen zu sprengen. Sie sind ein wichtiger Bestandteil meines schreiberischen Lebens, da sie mich in hohem Maße inspirieren und dabei fast den gleichen Stellenwert haben wie Musik.

Besteht auch eine ähnliche Nähe zu Spinnen? Ellie Sturm hat da ja so ihre ganz eigene Sicht…

Nein! Niemals! Meine Spinnenphobie ist zwar mit dem „Alter“ schwächer geworden, doch ich werde immer noch leicht hysterisch, wenn sich eine dieser dicken haarigen Kellerspinnen in meine Nähe wagt. Spinnen sind für mich absolut bizarre Wesen, unkontrollierbar und unberechenbar. Meine Nackenhaare stellen sich auf, wenn ich eine sehe. Und trotzdem schaue ich mir im Fernsehen jede Dokumentation über Spinnen an, in die ich hinein zappe. Die Faszination des Grauens eben …

„Splitterherz“ ist ein Auftaktband. Auf wie viele Folgewerke können wir uns freuen?

Die Reihe ist als Trilogie angelegt; momentan schreibe ich den zweiten Band und bin wieder mitten im Ellie-und-Colin-Fieber. Und ich freue mich jetzt schon auf den dritten Band.

Gibt es schon Buchideen für die Zeit nach den Abenteuern von Ellie Sturm?

Ja, obwohl es sicher schwierig wird nach Beendigung der Trilogie. Und ich glaube, dass man die Leere, die aller Wahrscheinlichkeit nach eintreten wird, als Zäsur und Erholungspause betrachten sollte. Dann muss ich erst einmal kräftig durchatmen, und der Abschied von Colin und Ellie wird mir schwer fallen. Doch daran will ich jetzt noch nicht denken.

Vielen Dank für die tollen und interessanten Antworten!

Rezension zu dem Buch: Splitterherz

Aktuelle Infos und Leseproben zu Splitterherz: Splitterherz – Blog

Weitere Infos zu dem Buch auf der Verlagsseite: Script5

Zum Buch Trailer: Splitterherz