Paris im Jahre 1926, Sammelpunkt zahlreicher Künstler und Abenteurer, eine brodelnde Stadt voller aufstrebender junger Talente und gescheiterten Selbstverwirklichungen. In diese pulsierende Stadt, die niemals ruht, entführt uns Oliver Plaschka mit „Die Magier von Montparnasse“. In ausschweifende Absinth Runden, zwielichtige Etablissements, auf die herausgeputzten Boulevards mit ihren kleinen Cafes und in die feuchten Katakomben, zwischen Rattenscharen und vergessenen Gebeinen. Der Flair der französischen Hauptstadt vermischt sich mit der verbotenen Magie eines Bühnenzauberers, zu einem facettenreichen Abenteuerstrudel, dessen Knotenpunkt das beschauliche Hotel „Le Jardin“ in dem Künstlerviertel Montparnasse bildet.

Der Zauberkünstler Ravi und seine reizende Assistentin Blanche haben es geschafft, mit Verhandlungsgeschick gelang es ihnen ein Engagement im Bobino zu erlangen, die Krönung ihrer bisherigen Laufbahn als Bühnenzauberer. Die ersten Vorstellung laufen durchweg erfolgreich, bis eines Abends der verborgene Mechanismus des Glassargs nicht funktioniert. Vor den Augen des staunenden Publikums füllen sich die durchsichtigen Behältnisse mit einem Sandstrom, welcher das gefangene Zaubererduo zu ersticken droht. Das geplante und gut getarnte Entrinnen Ravis durch die Seitenwand des Sarkophags und die anschliessende heroische Befreiung seiner, um Atemluft ringenden, Assistentin, droht durch den defekten Öffnungsmechanismus des Sargs in einer Katastrophe zu enden. Ravi bleibt nichts anderes übrig als wirkliche Magie einzusetzen um sein, und das Leben von Blanche, zu retten. Doch dieser Bruch mit den Regeln der Magierzunft war nicht unbemerkt geblieben…

Nach diesem riskanten Abschluss des Bühnenzaubers ist Blanche zu einer Entscheidung bereit, welche sie viele Jahre nicht gewagt hat. Hinter den Kulissen des Bobino beisst sie in einen Apfel, eine verbotene Frucht, und fällt augenblicklich in einen tiefen magischen Schlaf.

Kurz nachdem Ravi seine regungslose Assistentin in das Jardin gebracht hat, tauchen die ersten seltsamen Gäste auf und quartieren sich mit dem Zaubererpaar in dem kleinen Hotel ein. Die Société hat ihre Koffer ausgepackt und die Zeit der Welt steht still.

„Autoren nähren sich von der Verwirrung des Lesers wie Vampire von der Unschuld ihrer Opfer.“

Eine Aussage in Anlehnung an den Klapptext von „Die Magier von Montparnasse“ wie sie wohl kaum passender für dieses Buch sein könnte. In Oliver Plaschkas zweiter Romanveröffentlichung vollzieht der Autor selbst den Wandel zu einem Wortzauberkünstler mit gut bestückter Trickkiste. Täuschen, tarnen, verwirren – Plaschka inszeniert ein schriftstellerisches Kunststück der optischen Täuschungen, gezielten Ablenkung und grossen Enthüllungen, zu einem fulminanten Finale. Stilistisch bleibt das Buch stets in der Ich-Erzählung, wechselt diese jedoch munter zwischen den beteiligten Figuren. Ein interessantes wie schwieriges Vorgehen, erlebt der Leser doch die Sicht der Dinge in verschiedenen Interpretation mit unterschiedlichen Eigeninteressen. So „zappt“ Plaschka zwischen der jungen, verträumten Kellnerin des Jardin, dem Besitzerpaars des Hotels, mit ihrer eingerosteten Ehe, dem Zauberer Ravi und seiner schlummernden Assistentin und weiteren charakterlichen Skurrilitäten. Dem Autoren gelingt dieser stätige Sichtwechsel jedoch hervorragend und gibt dem Roman eine hochinteressante Nähe zu seinen Akteuren und eine absolut spannende Würze in der Handlung. Hinzu streut Plaschka eine handvoll fantastischer Figuren, wie Gnome, Engel, weisse Mäuse und schwarze Ratten, Dämonen, beschworene Geistwesen und einige mehr, zu einem bunten, höchststimmigen Kuriosum.

„Die Magier von Montparnasse“ ist ein Kreisel, der immer engere Bahnen zieht. Mit jedem Anbruch des neuen, gleichen Tages enthüllt sich ein Puzzlestück im Mysterium der Geschehnisse mehr, bis Plaschka die Ereignisse auf die Spitze, zu ihrem Grand Finale, treibt. Mit vielschichtigen Charkteren, einem authentischen Flair des Paris in den 1930er Jahren und einer höchst eigenständigen Fantasygeschichte, weiss dieser Roman zu beeindrucken und zu begeistern. Oliver Plaschka formuliert als er hätte er jede Silbe auf die Goldwaage gelegt und entlockt seinen Figuren, in teilweise schon fast sensiblen Vorgehen, ihre Träume und Gedanken.

„Die Magier von Montparnasse“ – ein anspruchsvoller, facettenreicher und qualitativ hochwertiger Fantasy Roman, mit feinster Feder geschrieben und detailliert durchdacht. Mit diesem Werk hat sich Oliver Plaschka einen Spitzenplatz in der Riege deutscher Fantasy Autoren erarbeitet.

Mehr zu dem Buch: Die Magier von Montparnasse

Ausschnitt einer Buchlesung mit Oliver Plaschka: Klett Cotta Blog

Interview mit Oliver Plaschka: Montparnasse-Interview

Buchfakten:
Oliver Plaschka
Die Magier von Montparnasse
Klett Cotta / Hobbit Presse
Gebunden mit Schutzumschlag, Vorsatzkarten
Seiten: 427
ISBN: 978-3-608-93874-6

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