Der Name Thomas von Kummant dürfte etlichen Fantasy Fans geläufig sein, aber auch jene, die gerade keine Assoziation aufbauen können, haben mit höchster Wahrscheinlichkeit schon eines seiner Werke bestaunt. Seit 1999 ist der Künstler Teil der münchener Ateliergemeinschaft Die Artillerie. Seit dem Jahr 2004 dürfte er nicht nur Wolfgang Hohlbein Lesern, sondern auch Freunden fantastischer Comics ein Begriff sein, entstammt seinem Pinsel doch der Comicband Chronik der Unsterblichen – Am Abgrund und das Portofolio, mit Kunstdrucken der spannensten Szenen, aus W. Hohlbeins Glut und Asche.

Ein beeindruckender Fantasy Künstler und Illustrator, der auch den Covern der „Kryson“ Romane von Bernd Rümmelein, ein ausdrucksstarkes und stimmungsvolles Gesicht verliehen hat. Zu seinen Arbeiten an den „Kryson“ Bänden hat Thomas von Kummant erfreulicherweise Rede und Antwort gestanden.

Viel Spass mit dem Interview mit Thomas von Kummant!

Thomas, gib uns zu Beginn doch bitte einen Einblick in dein künstlerisches Schaffen. Was gäbe es alles zu entdecken wenn man durch dein Atelier streifen würde?

Eine große Menge an Illustrationen, Storyboards und Designs für Film, Werbung und Verlage.
Momentan arbeite ich an meinem zweiten Comicband zu den „Chronik der Unsterblichen“ nach der Romanvorlage von Wolfgang Holbein, geschrieben von Benjamin von Eckartsberg und bis Ende März werde ich das Cover zu „Kryson 4 – Das verlorene Volk“ illustrieren.

Viele deiner Bilder sind in dem Fantasygenre beheimatet oder deuten einen entsprechenden Bezug an. Ist die Fantasy eine Vorliebe von dir und wenn ja, seit wann besteht diese und wie hat sie ihren Weg in dein (berufliches) Leben gefunden?

Fantasy und Science Fiction sind so spannend, weil man Dinge illustrieren kann, die es nicht gibt. Mir persönlich ist eine gut erzählte Geschichte aber um einiges wichtiger als das Genre.

Du hast verschiedene Buchcover gestaltet, neben den „Kryson“ Bänden, z.B. auch Die Orks – Blutnacht von Stan Nicholls. Wie schwierig ist es bzw. wie ist es überhaupt möglich einen kompletten Roman auf ein einziges Bild herunterzubrechen und dem Inhalt trotzdem gerecht zu werden?

Ich sehe das Gestalten eines Buch-Covers genauso, wie die Entwicklung eines Films.
Deswegen lese ich einen Roman lieber vorher, um den „Ton der Geschichte“ zu spüren und ein Design genau auf diese Geschichte zu entwickeln.
Der Leser soll beim Betrachten des Covers schon spüren, was er da zu lesen bekommt. Für das Motiv fertige ich Skizzen an, die dann mit dem Verlag besprochen werden können. Oder aber es gibt bereits eine konkrete Vorstellung Seitens des Verlags.

Nun aber zu den Covern der „Kryson“ Romane, einer High Fantasy Buchreihe von Bernd Rümmelein. Zuerst ganz allgemein gefragt. Wie ist die Zusammenarbeit zwischen dir, dem Autor und dem Otherworld Verlag entstanden?

Der Verlag hat mich kontaktiert.

Wie kann sich der Nichteingeweihte in solche Prozesse, dann die konkrete Arbeit an der Buchgestaltung vorstellen? Wie schwierig ist es vielleicht auch auf dem schmalen Grad, zwischen der eigenen künstlerischen Ausdrucksform und den Wünschen des Auftraggebers, zu wandeln?

Schwierig ist es, wenn persönliches Ego im Spiel ist. Ich versuche aber die Illustration ganz in den Dienst der Geschichte zu stellen, denn die Geschichte war zuerst da und bietet in den meisten Fällen genügend Spielraum für künstlerische Ausdrucksform. Die Buchgestaltung selbst fällt nicht in mein Aufgabengebiet. Hier muss ich auf Die Grafiker, oder Designer des Verlages vertrauen.

Die Schlacht am Rayhin, der „Kryson“ Auftaktband, überrascht den Betrachter in einem wesentlichen Punkt. Die dargestellte Figur wendet dem interessierten Leser ihren Rücken zu. Wie kam es zu dieser Abweichung von „herkömmlichen“ High Fantasy Coverfiguren, die mehr oder weniger den Blickkontakt mit ihrem Betrachter suchen?

Das basiert auf der konzeptionellen Idee – dazu komme ich später.
Ich habe beim ersten Band versucht eine Stimmung darzustellen und dem Betrachter zu überlassen, was hier geschieht.
Für mich ist es hier Lordmaster Madhrab, der vor sein Heer tritt um eine gewaltige Ansprache zu halten. Das ist der Moment kurz bevor die Kamera hoch fährt und ein riesiges Heer zu sehen ist.

In den beiden Folgebänden Diener des dunklen Hirten und Zeit der Dämmerung, bleibt der felsige Hintergrund bestehen, ebenso die einsame Figur, jedoch wendet sie sich dem Betrachter zu und scheint sich aufzurichten. Welches Konzept verbirgt sich hinter dieser Wandlung und wie sieht die Grundidee der „Kryson“ Cover aus?

Im Falle „Kryson“ gab es bereits eine klare konzeptionelle Vorstellung von Bernd und seitens des Verlages, was inhaltlich auf den sechs Covern zu sehen sein soll.

Eine banale Drehung des Characters auf den ersten Blick und eine emotionale Wandlung auf den zweiten. Der felsige Hintergrund ist kein fester Bestandteil und kann variieren.

Bis zum zweiten „Kryson“ Roman sind wohl die meisten Leser davon ausgegangen, dass der freie Magier Sapius auf den Buchcovern zu sehen ist. „Die Zeit der Dämmerung“ zeigt jedoch einen knorrigen Holzstab, dessen Ende entweder in Klingenform geschnitzt wurde, oder die Wandlung in ein Schwert vollzieht. Hand aufs Herz – welche Charaktere stecken in der Figur des Buchcovers?

Das gehört ebenfalls zum Konzept. Der Character könnte Sapius, Madhrab, oder Tomal sein. Hier bleibt Raum zur Selbstinterpretation.

Was gerade an dem Cover zu „Kryson 2“ u. a. besonders fasziniert, ist die Genauigkeit mit der du den Fellumhang gezeichnet hast. Wie viel Zeit hat es in Anspruch genommen bis eines der Coverbilder fertig war?

Ich brauche für ein Cover in etwa eine Woche. Für den Mantel habe ich mir im Photoshop einen eigenen Pinsel „gemalt“, der mir das arbeiten erleichtert.

Du hast ja den ersten „Kryson“ Roman vorab lesen können. Gab es in dem Buch eine Szene, einen bestimmten Stimmungsmoment, der ausschlaggebend für die Coverentstehung war?

Es gibt in jedem Teil eine Unmenge von tollen Szenen, die ich gerne  einfangen würde, aber nein. Das Konzept stand fest und ich habe versucht die sehr realistisch/düstere Stimmung wiederzugeben.

Nicht selten hört man ja, dass der Autor eines Buches, in Fragen nach dessen Gestaltung vollkommen aussen vor ist. Welchen Anteil hatte Bernd Rümmelein an der Entstehung deiner „Kryson“ Cover?

Bernd hatte bereits eine sehr genaue Vorstellung für die Cover niedergeschrieben, die ich vom Verlag bekommen habe.

Die vierte „Kryson“ Band „Das verlorene Volk“ steht für dieses Jahr an. Konntest du bereits einen Blick in die Geschichte werfen und was wird uns auf dem Buchumschlag erwarten? Wie haben dir persönlich die „Kryson“ Bücher von Rümmelein gefallen?

Beim vierten Cover wird es keinen felsigen Hintergrund geben. Der Charakter tritt aus dem Schatten eines Waldes ins Licht. Ein neues Zeitalter bricht an und die Waffen haben sich weiterentwickelt. Manchmal hätte ich mir beim Lesen die eine oder andere Ruheoase gewünscht, aber ich habe die Romane inhaliert wie einen herzhaften Saunaaufguss.

Woran arbeitest du, neben den letzten „Kryson“ Bänden, gerade aktuell? Dürfen sich Fantasy Fans 2010 auf weitere Werke, in Comicform oder auf Büchern, von dir freuen?

2010 kommt der vierte „Kryson“ Band und in Deutschland wird der zweite Grafik-Novel Band zu „Die Chroni der Unsterblichen“ in März 2011 erscheinen.
Danach würde ich gerne eine eigene Geschichte entwickeln.

Vielen Dank für die tollen und interessanten Antworten!

Thomas von Kummants Blog mit Einblicken in seine aktuellen Arbeiten: Von Kummant

Die Homepage des Künstlers: Thomy

Sehr schönes Making of Video zu „Die Chronik der Unsterblichen“: Kummant / Eckartsberg Feature

Interview mit dem Kryson Autoren Bernd Rümmelein: Von Eiskriegern und Todsängern