Im April 2010 erscheint Thomas Plischkes neuer Fantasy Roman „Die Zombies“ bei Piper. In Zusammenarbeit mit Ole Johan Christiansen geht der bekannte deutsche Fantasy Autor, am konkreten Beispiel von „Die Zombies“, der Frage, nach der Entstehung eines Buchcovers, auf den Grund. Hierbei vollziehen die beiden Schriftsteller nach, welche Werkstätten das Cover für „Die Zombies“ durchlaufen musste und welche Gedankenspiele seine Ausformung prägten, bis es schlussendlich in fertiger Form dem Buch sein Gesicht verlieh.

Viel Spass mit Thomas Plischke und dem langen Weg eines Fantasy Buchcovers!

Wie entsteht ein Cover?
Von Thomas Plischke

Nimmt man in einem Buchladen einen beliebigen Roman in die Hand, kommt man kaum darum herum, einen Blick auf dessen Cover zu werfen. Mehr noch: Die Entscheidung, aus der Vielzahl von Büchern, die man sich greifen könnte, nun genau eines auszuwählen und näher in Augenschein zu nehmen, wird nicht selten maßgeblich davon beeinflusst, ob einem das Cover des betreffenden Schinkens anspricht oder nicht. Um genau zu sein, ist es in den meisten Fällen die das Cover zierende Illustration, die das Pendel zwischen „Oh, interessant“ und „Absolut nichts für mich“ ausschlagen lässt.
In der englischsprachigen Welt weiß man zwar schon lange, dass man ein Buch nicht nach seinem Cover beurteilen sollte, aber – Hand aufs Herz – wer könnte von sich ehrlich behaupten, noch nie auf ein Buch aufmerksam geworden zu sein, weil ihn die Covergestaltung angesprochen hat? Sie ist wie ein Spiegel, der einen Ausschnitt der phantastischen Welt zwischen den Buchdeckeln einfängt und auf sie neugierig macht. Doch wie entsteht dieser „Spiegel“ nun? Wer legt den Ausschnitt fest, den er zeigen soll? Welche Handwerker, Künstler und Kritiker sind daran beteiligt, dass die Cover‐Illustration auch zum Inhalt eines Buches passt?

Ebendieser Frage möchte ich am Beispiel meines in wenigen Tagen erscheinenden Buchs „Die Zombies“ einmal nachgehen. Schauen wir uns doch zunächst einmal das Cover als Ganzes etwas näher an: Ungefähr nach dem Grad der Auffälligkeit geordnet wäre da zunächst einmal die eigentliche Illustration, dann kommt natürlich der Titel in besonders großen Lettern und der Name des Autors; am rechten Rand hat man ein dezentes Verlagslogo untergebracht und schlussendlich findet man unter dem Titel auch noch das unscheinbare Wort „Roman“. Auf den ersten Blick erscheinen sowohl die gebotenen Informationen als auch deren Anordnung recht einleuchtend und simpel. Dahinter steckt aber einiges mehr, als man vielleicht vermuten mag. Cover werden in mühevoller Kleinarbeit und sehr kunstfertig komponiert – um genau zu sein, ist dieser Designvorgang derart komplex, dass man allein zu diesem Thema ohne Probleme einen ganz eigenen Text schreiben könnte. Beschränken wir uns daher lieber nur auf ein Teilelement, und zwar das, das in der Regel für den Leser am auffälligsten ist und über dessen Qualität sich im Übrigen auch am Trefflichsten streiten lässt: die Illustration.

Der Illustration fällt eine entscheidende und zugleich schwierige Rolle zu: Sie soll Aufmerksamkeit auf sich ziehen, Neugier wecken und dabei auch noch im Optimalfall in einer sinnvollen Verbindung zum Inhalt des Buchs stehen. Man soll das Buch allein anhand der Illustration wiedererkennen und aus der Flut anderer Neuerscheinungen herauspicken können. Eine Illustration, die all diese Funktionen erfüllen soll, kann aber nicht einfach ohne Rückfragen und ohne Nachdenken in Auftrag gegeben oder gar aus einer Bilddatenbank herausgesucht und dann holterdipolter auf das Buch gedruckt werden (zumindest macht man das unserer Erfahrung nach bei Piper nicht so). Stattdessen wird viel Mühe und Arbeit in das Bildchen hineingesteckt, bis schließlich alle Parteien mit ihm zufrieden sind.

Aber wer sind diese Parteien, die es zu befriedigen gilt? In vielen Fällen (aber nicht unbedingt immer) sprechen sich zunächst der zuständige Lektor und der Autor miteinander ab, welche Stellen oder Akteure aus dem Roman brauchbare Illustrationsvorlagen abgeben. Klingt nach einer leichten Aufgabe, ist es aber nicht. Nicht jede Szene oder Figur aus einem Buch eignet sich auch für eine gelungene Coverillustration. Kann ja durchaus sein, dass einem als Autor die kleine Episode, in der der strahlende Held sich im Finstertann ins Unterholz verdrückt, um sein Wasser abzuschlagen, besonders am Herzen liegt – aber will außer ihm tatsächlich sonst noch jemand einen strullenden Paladin auf dem Cover haben, wo der Schwerpunkt des gesamten Epos womöglich eher auf einer Schlacht zwischen wollnashornreitenden Goblins und einer Garnison thulavamensischer Pikeniere liegt? So blöd es sich anhört: Das Cover stellt auch immer den Versuch dar, den Flair eines Buchs einzufangen – und dabei muss man zwangsläufig oft auch mit Bildern arbeiten, die beim Betrachter vertraute Muster abrufen. Gleichzeitig will man aber Fehltritte, wie sie in den Achtzigern gerne passiert sind, tunlichst vermeiden (beispielsweise feuerspeiende Drachen oder an die muskulösen Schenkel eines streitaxtbewehrten Barbaren geschmiegte Damen in Kettenhemdbikinis auf dem Cover, obwohl im gesamten Buch weder ein Drache noch Kettenhemdbikinis vorkommen).
Nach dieser einleitenden Absprache werden die darin gewonnenen Ideen dann an eine Agentur weitergegeben, die sie wiederum an einen Künstler leitet, der einen ersten Entwurf erstellt. Bei „Die Zombies“ sah dieser Entwurf von Henrik Bolle dann so aus: (Siehe Bild)

Dieser Entwurf landet nicht nur bei der Agentur, sondern auch bei den Lektoren, dem Autor, der Art Direction und der Marketing‐Abteilung des Verlages. Die Art Direction ist unter anderem dafür zuständig, dass das Buch in seiner endgültigen Erscheinung auch zum gesamten Verlagsprogramm oder auch nur zu einem bestimmten Teil passt – wenn man ansonsten für seine Krimis nur fotorealistische Illus in Schwarzweiß verwendet, wirkt ein Cover im quietschbunten Comicstil nämlich etwas merkwürdig. Die Art Direktorin hat also einen sehr schwierigen und anspruchsvollen Job, wenn sie versuchen muss, so vielen Büchern, wie sie Piper oder andere große Verlage herausbringen, eine in sich stimmige Linie zu geben – insbesondere wenn sich diese Linie im Laufe der Zeit auch noch immer wieder ändert!
Außerdem meldet sich – wie schon erwähnt – in dieser Phase auch bereits das Marketing zu Wort, das ja sowohl vor als auch nach Erscheinen des Buches dafür Sorge tragen soll, dass möglichst viele Menschen es sich schnappen und mal hineinschnuppern. In den Marketing‐Abteilungen sitzen echte Spezialisten, die nicht nur den Markt selbst, sondern auch die Wünsche und Anregungen der Leser sowie viele andere Cover – nicht nur die des eigenen Verlages – ständig im Auge behalten. Bei „Die Zombies“ wiederum führten diese Rückmeldungen von Art Direction und Marketing nun dazu, dass sich die Sorge breitmachte, das Cover würde vor allem Genrefans ansprechen, die den Verweis auf den Film „Return of the Living Dead“ verstehen. Es bestanden zwei Befürchtungen: erstens die, alle anderen potenziellen Leser von vornherein quasi abzuhängen oder auszugrenzen, und zweitens die, dass der verfaulte Arm alles überlagerte, was der Roman abgesehen von der einen oder anderen Ekligkeit noch alles zu bieten hat.
Was nun? Es musste ein anderes Cover her, das einfach mehr Facetten des Buches abbildet, ohne sich dabei in Details wie Grabsteinen oder der Tower Bridge zu verlieren. In Rücksprache mit Henrik und einem mit ihm befreundeten Künstler entstand diese Skizze: (Siehe Bild)

Sie zeigt die Protagonistin Lily, wie sie sich an einer Taube gütlich tut. Schön schaurig und sehr nahe an einer Schlüsselszene des Romans, aber irgendwie immer noch nicht das Richtige. Aktuell werden die Cover im Bereich der „Urban Fantasy“ (und dort fällt „Die Zombies“ wohl hinein) von schönen, aber unheimlichen Frauen dominiert – und da im Roman eben nicht nur halbverweste Zombies ihr Unwesen treiben, sondern auch dank perverser Hausmittelchen und gesunder Ernährung recht gut erhaltene Exemplare, wurde das Motto ausgegeben: „Unser Zombie soll schöner werden!“ Also entstand noch eine dritte Illustration, mit der dann schließlich alle zufrieden waren.
Auf den ersten Blick eine attraktive, junge Frau, doch bei näherer Betrachtung zeigt sich, dass etwas mit ihr nicht stimmt: Dunkle Tränensäcke verleihen ihr etwas Verbrauchtes, ihre Haut ist leichenblass, und ein seltsamer roter Schimmer liegt in ihren Augen. Was wiederum im übertragenen Sinne ganz ausgezeichnet den Roman widerspiegelt: Lily, die Heldin von „Die Zombies“, gerät ganz unerwartet in die Welt der Untoten hinein. Auf den ersten Blick erschienen ihr die Legenden und Sagen eben nur wie Mythen ohne jeden Realitätsanspruch, doch bei näherer Betrachtung entdeckt sie die schaurige Wahrheit hinter den beunruhigenden Geschichten …
Ein langer Weg von den ersten Gedanken zur Illu bis zum fertigen Bild lag hinter uns, und jetzt können wir nur hoffen, dass ihr davon genauso begeistert seid wie wir!

Vielen Dank für die Abdruckgenehmigung, welche ausschliesslich für https://feenfeuer.wordpress.com gilt, an Thomas Plischke und Ole Johan Christiansen.

Den Beitrag von Thomas Plischke gibt es auch bebildert als PDf bei Piper: Wie entsteht ein Cover?

Mehr zu dem Buch: Die Zombies

Rezension zu dem Roman: Die Zombies

Zum Piper Fantasy Lexikon: Piper Fantasy

Am 22.03. startet im Piper Fantasy Forum eine Leserunde zu „Die Zombies“, begleitet von Thomas Plischke. Im Vorfeld gibt es zudem die Möglichkeit eines von zehn Freiexemplaren des Romans zu gewinnen.

Zu der Leserundenankündigung: Die Zombies lesen

Advertisements