Die Literaturagentur Schmidt & Abrahams zählt zu den renommiertesten im Bereich der Phantastik. Seit 2005 arbeiten Natalja Schmidt und Julia Abrahams mit einer Fülle deutscher, wie internationaler AutorInnnen und haben deren Werke nicht nur in den Buchhandel, sondern auch in die Bestsellerlisten begleitet. Zu den von ihnen vertretenden Fantasy AutorInnen gehören u.a. bekannte Genregrössen wie Oliver Plaschka, Christoph Hardebusch, Peter S. Beagle, Bernd Perplies, Daniela Knor,…

Es ist davon auszugehen das jeder Fantasyleser bereits einen Roman in den Händen hielt, der in einer Zusammenarbeit mit Schmidt & Abrahams entstanden ist.

Umso erfreulicher ist es daher, dass die beiden hochkarätigen Agentinnen sich bereit erklärt haben, einen Blick in ihre Arbeit zu geben.

Viel Spass mit dem Interview mit der Literaturagentur Schmidt & Abrahams!

Erzähl doch zu Beginn bitte, wie es zur der Gründung der Literaturagentur Schmidt & Abrahams gekommen ist und welchen Reiz die Arbeit einer Literaturagentin für dich hat.

Julia Abrahams: Als wir 2005 unsere Agentur gründeten, herrschte gerade im Zuge der „Herr-der-Ringe“-Verfilmungen ein Boom in Sachen Fantasyliteratur. Deutsche Autoren verkauften sich mit zunehmend großem Erfolg. Zu diesem Zeitpunkt waren wir schon eine Weile für verschiedene Verlage als freie Lektorinnen und Gutachterinnen tätig, und als wir dann von einem Verlag gefragt wurden, ob wir nicht talentierte Autoren in diesem Genre kennen würden, haben wir uns entschlossen, unsere Kontakte zu nutzen, um Autoren und Verlage zusammenzubringen.

Seitdem haben wir vielen Autoren zur Veröffentlichung verholfen. Das ist absolut phantastisch: Großartige Bücher entstehen zu sehen und einen Anteil daran zu haben. Zudem ist der Beruf als Agentin natürlich sehr vielseitig und kommunikativ – auch das ist sehr reizvoll.

Welchen Aufgaben übernimmt, für den gänzlich Unwissenden, eure Agentur, für Autoren und Verlage?

Julia Abrahams: Wird ein Autor von uns vertreten, dann begleiten wir ihn oder sie vom Konzept bis zur Veröffentlichung. Wir besprechen mit unseren Autoren, welche Projekte die größten Erfolgschancen haben, arbeiten gemeinsam an Exposé und Leseprobe, die wir dann den Verlagen anbieten, holen Angebote ein und führen Auktionen durch, wenn es mehrere Interessenten gibt. Wenn dann ein Verlag den Zuschlag bekommen hat, regeln wir alles Vertragliche. Und auch im Anschluss stehen wir als Ansprechpartner und Vermittler zur Verfügung, wenn es um das Lektorat, die Covergestaltung, das Marketing und Dergleichen geht.

Die Verlage profitieren von unserer Arbeit, indem wir ihnen ganz gezielt zum Verlagsprogramm passende Angebote unterbreiten, die qualitativ einem hohen Standard entsprechen. Zudem suchen wir immer wieder nach passenden Projekten, wenn ein Verlag konkrete Wünsche in eine Richtung hat.

Eure Schwerpunkte liegen in den Bereichen Phantastik, Krimi, Thriller und Historischen Romanen. Wie ist diese Schwerpunktsetzung entstanden und was verbindet dich persönlich mit diesen Genres?

Julia Abrahams: Unsere Spezialisierung entstand erst einmal aus unseren eigenen Interessen heraus. Und das hat sich schnell als große Stärke unserer Agentur herausgestellt, da wir die Genrekonventionen kannten und wussten, was auf dem Markt ankommt. Darüber hinaus haben wir uns natürlich auch Gedanken gemacht, welche Genres bei den Lesern beliebt sind, und uns bewusst für unterhaltende Belletristik entschieden.

Wenden wir uns der Fantasy zu. Du hast eine Magisterarbeit über Frauenbilder in der Science Fiction geschrieben. Wie würdest du das Frauenbild in der Fantasy Literatur und seine Entwicklung bis heute beschreiben? Wo siehst du positive und negative Aspekte?

Natalja Schmidt: Fantasy ist ja allgemein ein Genre, das – und nicht immer zu Unrecht – in dem Ruf steht, eher konservative Werte zu tradieren. Eine freundliche Tyrannei als Staatsform, das ungebrochene Recht des Stärkeren und eben auch eine gehörige Portion Machismo finden sich bis zum heutigen Tage in nicht wenigen Fantasy-Büchern, und nicht selten ärgere ich mich auch darüber, dass selbst in intelligenter Fantasy das Frauenbild oft fade und klischeebehaftet ist. Andererseits ist Fantasy auch ein Land der unbegrenzten Möglichkeiten, und Autorinnen und Autoren haben das immer wieder genutzt, um erfrischend andere Frauenbilder und -rollen zu beschreiben. Christoph Hardebuschs „Sturmwelten“ ist so ein Fall, Patricia Briggs „Mercy Thompson“ oder die Heldinnen von Kai Meyer.

Seit 2005 gibt es eure Literaturagentur. Welche Wandlung hat die Fantasy in diesem halben Jahrzehnt, deiner Meinung nach, vollzogen?

Julia Abrahams:Die letzten Jahre haben vor allem bewiesen, dass sie nicht nur Fantasy allgemein, sondern insbesondere auch deutsche Fantasy sehr gut verkaufen lässt. Längst fristet die Phantastik kein Nischendasein mehr; in den meisten Buchhandlungen finden sich mittlerweile mehrere Regale voll mit spannenden Titel. Und vor allem die Romane, welche sowohl jugendliche als auch erwachsene Leser ansprechen, die so genannten All-Age-Titel, sind als eigenes Subgenre ein recht neues Phänomen.

Dem drängt sich natürlich ein Ausblick in die Zukunft des Genres förmlich auf. Wohin geht die Fahrt der Fantasy Literatur?

Julia Abrahams: Die Frage stellen wir uns natürlich ebenso wie jeder Verlag, und mancher Lektor wünscht sich, einen Blick in die Zukunft werfen zu können. Im Bereich Romantasy kommen noch einige Engel-Titel auf uns zu, und die ersten davon lassen sich ja auch bereits auf der Bestsellerliste finden. Ansonsten wird gerade viel über Steam-Punk als neues, erfolgversprechendes Sub-Genre diskutiert, ob sich dieses durchsetzt, muss sich allerdings erst noch erweisen. Die klassische Fantasy hat natürlich immer ihren Platz in den Verlagsprogrammen. Und ‚grim & gritty’ hat sich in letzter Zeit durchgesetzt.

Fantasy Literatur von deutschen Autoren ist gefragter denn je, aber nicht jede Idee ist auch markttauglich. Wie stark hängt die Chance einer Buchveröffentlichung von aktuellen Lesetrends und zukünftig prognostizierten ab?

Julia Abrahams: Natürlich ist es wichtig für einen Autor, der veröffentlicht werden möchte, nicht völlig am Markt vorbei zu schreiben, dennoch sollte man sich von existierenden Trends auch nicht zuviel diktieren lassen. Die Verlage planen ihre Programme 1-2 Jahre im Voraus – es kann also sein, dass der Trend längst wieder vorbei ist, wenn ein Autor sein Werk fertig hat und dieses dann im Verlag erscheinen würde. Eine ausgewogene Mischung aus innovativen Ideen und bewährten Storykonstrukten hat meiner Ansicht nach – wenn kompetent umgesetzt – die größten Chancen. Allerdings hört sich das einfacher an, als es ist.

Wie viele Manuskripte landen eigentlich monatlich auf euren Schreibtischen?

Julia Abrahams: Inzwischen bekommen wir täglich Angebote, in der Summe ca. 50-60 im Monat.

Oha. Wie filtert ihr aus dieser Menge dann jene Werke heraus, die wirklich gute Chancen auf eine Veröffentlichung haben? Welche Kriterien gilt es zu erfüllen, um euch von einer Romanidee zu überzeugen?

Julia Abrahams: Eine ganze Reihe von Angeboten lassen sich recht schnell aussortieren, weil sie entweder thematisch nicht in unser Portfolio passen oder qualitativ nicht unseren Wünschen entsprechen. Die besten Chancen haben Autoren, die sich sachlich und professionell bei uns bewerben und zeigen, dass sie sich über unsere Vorgaben informiert haben und etwas vom Handwerk schreiben verstehen. Prinzipiell geben wir aber jedem Bewerber eine Chance, uns mit seiner oder ihrer Idee und Schreibe zu überzeugen.

Die Befürchtung manch eines jungen Autors mag es ja sein, dass ein Lektorat, eine ihm gegenüberstehende Instanz ist, welche mit Adleraugen sein Werk zerlegt, bis es am Ende kaum noch etwas von seinem Ursprung besitzt. Wie arbeitet das Lektorat von Schmidt & Abrahams?

Julia Abrahams: Erst einmal vorweg: Als Lektorat im eigentlichen Sinne kann man uns nicht verstehen. Beide lektorieren wir zwar immer noch freiberuflich für Verlage, diese Tätigkeit ist aber von unserer Arbeit als Agentur losgelöst. Natürlich ist es uns wichtig, unsere Autoren bestmöglich bei den Verlagen zu präsentieren, weswegen wir ausgewählte Leseproben vorlektorieren. Das geschieht selbstverständlich in Zusammenarbeit mit dem Autor, der als Urheber eines Textes alle Korrekturen absegnen muss. Ebenso läuft es später übrigens auch im Verlag, es kann also keine Rede sein von einer ‚gegenüberstehenden Instanz’. Alle Beteiligten, die am und ums Buch mitarbeiten, wollen am Ende das optimale Ergebnis erzielen – das sollte man immer im Blick behalten.

Was sollte ein angehender Autor, in Bezug auf sein Anschreiben, Manuskript, etc., auf jeden Fall beachten, wenn er sich mit seiner Arbeit an euch wendet?

Julia Abrahams: Das Anschreiben sollte möglichst sachlich und professionell gehalten sein. Dabei ist natürlich wichtig, dass alle spannenden Informationen enthalten sind: Wie heißt der Roman, zu welchem Genre gehört er, hat der Autor schon Veröffentlichung oder Preise vorzuweisen? Welche Freunde und Bekannte den Roman schon gelesen und für gut befunden haben, gehört hingegen nicht ins Anschreiben. Dann brauchen wir natürlich ein Exposé mit einer vollständigen Inhaltsangabe, also keine Cliffhanger, sowie ein ca. 20-seitige Textprobe in Standardmanuskriptformat (30 Zeilen pro Seite, ca. 60 Anschläge pro Zeile). Weitere Angaben finden sich auf unsere Website www.schrift-art.net unter den ‚Autoreninfos.

Ganz interessant dürfte für viele Leser die Entstehungsgeschichte eines Fantasy Romanes sein. Ihr habt ja, neben vielen anderen tollen deutschen Autoren, auch Oliver Plaschka und sein brillantes Buch „Die Magier von Montparnasse“ unterstützt. Vielleicht könntest du ja anhand dieses Buches, den Weg vom eingereichten Manuskript zur Veröffentlichung bei Klett Cotta / Hobbit Presse ein wenig nachvollziehen? Wie sind „Die Magier von Montparnasse“ in den Auslagen der Buchhandlungen gelandet und wie sah ihr Weg bis dorthin aus?

Natalja Schmidt: Oliver hat sich zunächst bei uns mit seinem Roman „Fairwater oder die Spiegel des Herrn Bartholemew“ beworben. Von diesem Roman waren wir gleich begeistert, ahnten aber auch schon, dass er durch seine Episodenhaftigkeit nicht leicht zu vermitteln sein würde. Schließlich fand sich mit Feder & Schwert ein kleiner Verlag, bei dem „Faiwater“ sehr gut aufgehoben war. Als Olivers Debut dann den deutschen Phantastikpreis gewonnen hatte, wurden auch andere Verlage auf ihn als Autor aufmerksam. Als er uns seine „Magier“ vorstellte, haben wir sofort an Klett-Cotta gedacht und bei einem Treffen mit Lektor Stephan Askani gesagt: „Das ist das ideale Buch für euch“. Stephan hat das Manuskript noch im Zug angelesen, und dann hatten wir auch recht schnell eine Zusage.

Warum unterstützt ihr Fairlag – Das Aktionsbündnis für faire Verlage?

Natalja Schmidt: Wir denken, dass Fairlag einen wichtigen Beitrag dazu leistet, dass Debutautorinnen und -autoren nicht aufs Glatteis geführt werden. Auch in unserer Branche gibt es schwarze Schafe, seien es Agenturen oder Verlage, die die Unerfahrenheit  von Autoren ausnutzen, und diesen oft horrende Summen abnehmen für eine Veröffentlichung, die höchstens dazu dient, der eigenen Eitelkeit zu schmeicheln. Ein Autor sollte aber eigentlich für eine Vermittlung oder Veröffentlichung niemals zur Kasse gebeten werden.

Fairlag informiert hier und klärt auf, und das finden wir wichtig.

Welche der vielen Romane, die eure Begleitung erfuhren, haben am meisten Arbeit, Freude oder auch Frust bereitet?

Julia Abrahams: Alle Bücher, die es in die Programme der Verlage und von dort in die Buchhandlungen und zum Leser schaffen, bereiten einem natürlich Freude. Frustmomente, die es selbstverständlich auch hin und wieder gibt, sind da schnell vergessen. Traurig machen mich Manuskripte, die es trotz großartiger Story und gutem Stil dennoch nicht zur Veröffentlichung schaffen, weil die Zeit nicht reif ist oder gerade andere Themen von den Verlagen gesucht werden.

Vielen Dank für die tollen und ausführlichen Antworten!

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