Heinrich, Sohn des Grafen Wilhelm von Kessel, soll eines Tages in die Fußstapfen seines Vaters treten. Um seine zukünftige Rolle als Landvogt auch standesgemäß und allen Erwartungen entsprechend ausfüllen zu können, reist er in die Benediktiner-Abtei zu Gladbach, um dort zu leben und zu lernen. So wird er Geselle des berühmten Kölner Dombaumeister Gerhard und hilft ihm bei dem Neubau des Münsterchors im gothischen Stil. Gladbach, wie auch Rheindahlen, Rheydt oder Wickrath, ist eine Ansammlung weniger Häuser, die Abtei bestimmt weitgehend das Bild der Umgebung und verwaltet die umgebenden Ländereien. Als die Bauarbeiten jedoch überraschend ins Stocken geraten, weil eine Steinlieferung überfallen und die Arbeiter bestialisch hingerichtet wurden, beginnt eine dunkle Vorahnung die kleine Ortschaft zu überziehen. Ein Dämon, versteckt in den Kornfeldern, geht um in Gladbach…

Um die Abtei, unter der Führung von Abt Theoderich, steht es nicht gut. Im Jahre 1256 haben sich Moralvorstellungen der Ordensbrüder und Teile der Bevölkerung gelockert, die wirtschaftliche Situation wird stetig kritischer obwohl der Abt bemüht ist, sich umliegende Ländereien zu erkaufen und somit den Weiterbestand der Abtei abzusichern. Ein paar Jahre später sieht sich das Gotteshaus sogar gezwungen einige wertvolle Bücher, seiner umfangreichen Bibliothek zu veräussern.
Als die junge Katharina sich Hilfe suchend an den Abt wendet, weist dieser sie wirsch zurück. Das ein grausamer Mord auf dem Weg entlang der Felder geschehen ist, ist ihm natürlich zu Ohren gekommen, aber das Geschwätz über ein dämonisches Teufelswesen, gar einen Pilwiz, scheint als zu lächerlich, ja beinahe blasphemisch. Als die Situation in der Ortschaft sich jedoch verschlimmert, die Knechte von Katharina und ihrem Vater aus Furcht nicht mehr die Kornfelder betreten und der Onkel der jungen Frau schwört von einem Dämonen niedergestreckt worden zu sein, ist es Heinrich, der sich der Aufklärung dieses Greuels verschreibt und es näher kennenlernt als ihm lieb ist…

Carsten Steenbergens erstes Phantastik Hörspiel aus der Reihe „Die dunklen Schriften zu Gladbach“ überzeugt durch seine gelungene Einbettung eines fantastischen Elements in die authentisch inszensierte Lebenssituation des 12. Jahrhunderts. Ein historischer Regionalthriller mit düsterer Atmosphäre, welcher trotz seines provinziellen Handlungsortes durch Spannung und Dramatik zu begeistern weiss. Wer bei dem Hörspielcover von „Der Pilwiz“ ein Horrormassaker befürchtet, sei teilweise beruhigt. Carsten Steenbergens Korndämon besticht zwar durch seine Grausamkeit, viel mehr jedoch durch die gesponnen Mythen und dunklen Sagen seiner Herkunft, sowie seiner Darstellung als solchen. Hier sind bei jedem Auftritt der dämonischen Figur, angekündigt durch Hufgetrappel und verzerrte Schreie, Gänsehaut und stehende Nackenhaare garantiert. Jedoch auch neben jenen Momenten schauriger Vorahnung, ist der „Der Pilwiz“ ein Werk mit durchgehender zwielichtiger Atmosphäre und einer kontinuierlich steigenden Spannung. Der Autor hat für den Auftakt der „Scripta Obscuritatis“ gründlich recherchiert und so taucht der Hörer nach den ersten Minuten bereits in das dörfliche Gladbach und den Zeitgeist des 12. Jahrhunderts ein. Als ebenso passend wie schaurig erweist sich der Pilwiz. Ein Korngeist der, auf einem Ziegenbock reitend, mit einer Sichel das Getreide zerschneidet und es seinem Beschwörer zukommen lässt. Sollte sich jedoch jemand dem Feld, in das er beschworen wurde, nähern, kennt er keine Gnade.

Die Sprecher des Hörspiels erweisen sich durchgehend als äusserst passend und talentiert. Besonders hervorzuheben sein jedoch Erwin Bethke als Bauer, dessen Feld unter dem Bann des Pilwiz vergeht, welcher mit Bravur, Souveränität und seiner markanten Sprache zu überzeugen weiss. Desweiteren Arno Topüth als Abt Theoderich, welcher diese Rolle so gut ausfüllt, als habe er seinen Lebtag nichts anderes getan als eine Abtei zu leiten. Die Krone setzt dem Hörspiel jedoch zweifelsfrei Bert Stevens, als Chronist der „Scripta Obscuritatis“ auf. Eine Märchenleserstimme, wie man sich keine bessere vorstellen kann und welche der Atmosphäre stets einen weiteren Höhepunkt verschafft.

Carsten Steebergens „Der Pliwiz – Scripta Obscuritatis – Die dunklen Schriften zu Gladbach 1“ entpuppt sich als spannender, geheimnisvoller und düsterer Fantasy Hörgenuss. Ein genau recherchiertes und glaubwürdig umgesetztes historisches Abenteuer mit der höchst passenden Mythenfigur des Pilwiz. Mit hervorragenden Sprechern, toller musikalischer Untermalung und wohl gewählten akkustischen Effekten, kann dieses Hörspiel jedem ans Herz gelegt werden, der ein Faible für fantastische Erzählungen hat.

Mehr zu dem Hörspiel: Der Pilwiz

Hörspielfakten:
Der Pilwiz
ISBN 978-3-981145663
Autor: Carsten Steenbergen
HaRo Verlag

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