„Der große Basar“ ist eine Sammlung von Kurzgeschichten aus der Dämonenwelt des Erfolgsautors Peter V. Brett. In ihr finden sich unveröffentlichte Szenen, welche aus Das Lied der Dunkelheit stammen, ein Glossar krasianischer Begriffe, ein Grimoire der magischen Siegel gegen die Horclinge und persönliche Anmerkungen und Anekdoten des Autors.
Die Kurzgeschichte „Der große Basar“ fällt zwischen Kapitel sechzehn und siebzehn in „Das Lied der Dunkelheit“, Kenner des Romans dürften sich über das Füllen dieses abrupt erscheinenden Zeitfensters von drei Jahren freuen.

Als zweites Bonbon hält das Buch die Geschichte „Brayans Gold“ bereit, welche Arlens erste alleinige Reise als Kurier, mit überaus gefährlicher Fracht, schildert. Abschließend folgen zwei gestrichene, aber nicht weniger interessante, Szenen aus „Das Lied der Dunkelheit“. Zum einen veröffentlicht Peter V. Brett hier den ursprünglichen Romanprolog, welchen er Jahre zuvor im Rahmen eines Schreibkurses für Fantasy Literatur verfasste, zum anderen eine geplante Sequenz aus dem dreizehnten „Das Lied der Dunkelheit“ Kapitel, in welchem Leesha und Brianne nach dem Streit zwischen Gared und Marick wieder aufeinander treffen.

Zu „Der große Basar“:

Arlen, mittlerweile ein junger Mann, begibt sich auf eine gefährliche Expedition mit ungewissem Ausgang. Seine Suche gilt Baha kad’Everam, einem Weiler in der krasianischen Wüstenöde, welcher einst für seine meisterlichen Töpferwaren berühmt war. Vor über zwanzig Jahren war jedoch der Kontakt zu den Keramikhändlern abgerissen und ein ausgesendeter Trupp Krieger konnte nur noch die Auslöschung des Dorfes feststellen. Die Bahavaner wurden von den Dämonen des Horcs ausgemerzt. Obwohl die Preise für jene Töpferwaren enorm waren, hatte sich nach diesem Unglück niemand mehr in das verlassene Dorf gewagt. Bis ein junger abenteuerlustiger Kurier jene Reise wagt und auf die Bergung wertvoller Keramikkunst hofft.

Peter V. Brett verfasst diese Anekdote aus dem Leben von Arlen in gewohnt spannender Manier. Er führt seine Hauptfigur in die Einsamkeit der unerbittlichen Wüste und dieses Abenteuer gelingt, natürlich und erfreulicherweise, nicht ohne dämonische Begegnungen. In der Wüstensenke, in den lehmigen Behausungen der verstorbenen Töpferer, stößt der junge Kurier auf eine Dämonenart, welche ihm bis dato unbekannt ist und sich der kargen Landschaft perfekt angepasst hat.

Zu „Brayans Gold“:

Arlens Kurierausbildung schreitet voran, nun hat er endlich die Gelegenheit seine erste geheimgehaltene Fracht zu überbringen. Gemeinsam mit Cruk, einem Kurier der seine besten Jahre bereits hinter sich hat, erhält er den Auftrag explosive Ladung in die abgelegene Minenstadt Brayans Gold zu bringen. Zehn Nächte auf Reisen unter freiem Himmel in die schneebedeckten Höhen der Goldminen, von denen die Sage umgeht das Schneedämonen ihre Gipfel bevölkern. Doch diese Horclinge hat nie ein Mensch zu Gesicht bekommen…

Arlens erste Tour für die Gilde der Kuriere entpuppt sich als ein dramatisches Abenteuer für den jungen Auszubildenden. Nach dem Peter V. Brett in „Das Lied der Dunkelheit“ bereits die Dörfer in denen Arlen aufwuchs und die Wüstenstadt Krasia eröffnet hat, führt er den Leser nun in das ewig winterliche Hochgebirge. In Schnee und Eis entwickelt sich Arlens erste Kuriermission zu einem äußerst lesenswerten Abschnitt aus dessen Leben, welcher das bekannte Repertoire an Dämonen um ein weiteres Exemplar erweitert.

In beiden Geschichten darf sich übrigens auf ein Wiedersehen mit dem Felsendämonen Einarm gefreut werden.

Eine gelungene Fantasy Geschichten Zusammenstellung aus der Dämonenwelt des Peter V. Brett

Obwohl der Autor in „Der große Basar“ darauf hinweist, das dieses Buch nicht nur für Fans von „Das Lied der Dunkelheit“ gedacht ist, sondern auch als Einstieg in die Abenteuer von Arlen, käme dieser doch eher einem Sprung in kaltes Wasser, denn einer Einführung gleich. Besonders die Atmosphäre allnächtlicher Angst und ihre Auswirkungen auf das Leben der Menschen werden in dem Auftaktroman so gekonnt erzählt, das als idealer Leseeinstieg eindeutig „Das Lied der Dunkelheit“ genannt werden muss. Durch die Auswahl der Geschichten in dieser Veröffentlichung vermag zwar ein Blick auf das Leben des jungen Kuriers und Widersachers der Horclinge eröffnet werden, aufgrund des Umstands das diese Geschichten aber auf einer entsprechenden Vorgeschichte beruhen, sind sie als Folgebuch zu „Das Lied er Dunkelheit“ empfehlenswert. Für Kenner der Dämonenwelt bietet „Der große Basar“ einen sehr schönen Blick auf weitere Erfahrungen in Arlens Leben und Werdegang zum Kurier. Besonders freuen darf man sich auf zwei neue Dämonenarten, welche ihren Artgenossen natürlich in nichts nachstehen.

Ebenfalls sehr interessant gehalten ist das Grimoire der magischen Siegel mit deren Abbildung und einer Beschreibung ihrer Wirkung. Dieses umfasst elf, für jeden Bannkreis unerlässliche, Schutzsiegel gegen bekannte Horclinge. Neben den bereits, aus das „Lied der Dunkelheit“, bekannten Flammen-, Felsen-, Sand-, Sumpf-, Wind-, und Baumdämonen, finden auch Wasserdämonen, Mimikrydämonen und Seelendämonen aus „Das Flüstern der Nacht“ eine Erwähnung. Ebenfalls kategorisiert sind die Siegel gegen die Lehm- und Schneedämonen aus diesem Buch.

Peter V. Bretts „Der große Basar“ – Ein empfehlenswertes Leseerlebnis, welches für Freunde der Dämonenreihe seinen festen Platz zwischen „Das Lied der Dunkelheit“ und „Das Flüstern der Nacht“ haben sollte. Es offenbart einen weiteren äußerst interessanten Blick auf Arlen und die Welt seiner Abenteuer. Wie von dem Autoren gewohnt, erzählt er ohne große Ausschweifungen, dafür aber sehr spannend, actionreich und ohne auf charakterliche Vielfalt und Atmosphäre zu verzichten. Für Fans von Peter V. Brett eine Pflichtlektüre, die nicht nur Spaß beim Lesen macht, sondern auch eine gelungene Bereicherung im Wissen um Arlen und die Dämonen des Horcs darstellt.

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Buchfakten:
Peter V. Brett
Der große Basar
Roman
Originaltitel The Great Bazaar
Aus dem Englischen von Ingrid Herrman Nytkoko
Taschenbuch Klappenbroschur, 240 Seiten,
ISBN: 978-3-453-52708-9
Verlag Heyne

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