In der krakenförmig gebauten Metropole Nophelet im Herzen Sdooms geht die Angst um, besonders unter jungen Elben, die sich einen kargen Lebensunterhalt durch den Verkauf ihres Körpers verdienen. Nicht nur in den heruntergekommenen Gassen von Foggats Pfuhl wird angsterfüllt vom Elbenschlächter gewispert sobald die Nacht ihre Schwärze über die windschiefen Hütten legt. Auch in besser gestellten Stadtteilen wird der Ruf nach baldiger Ergreifung des Mörders lauter, soll er seine Opfer doch bestialisch hinrichten und ihre Leichname ohne einen einzigen Tropfen Blut zurück lassen. Die Vampyre haben sich in ihr zugewiesenes Viertel zurückgezogen und auch das Königshaus ist besorgt um ein mögliches Aufflammen von Ausschreitungen zwischen den Völkern.

Obwohl die Stadtwache sich selbstsicher gibt und den baldigen Fang des Elbenschlächters ankündigt, zieht es das Königshaus vor ihren bekanntesten Geheimdienst ebenfalls mit der Aufklärung der Verbrechen zu beauftragen. Das „Institut für angewandte investigative Thaumaturgie“ schickt sein bestes Ermittlerduo, den Troll Jorge und Lichtadept Meister Hippolit. Obwohl dieses Paar sich als äusserst ungleich erweist, Jorge ist ein berüchtigter Kneipengänger und –schläger, Hippolit ein 107 Jahre alter Versierter und Thaumaturge der neunten Stufe, gefangen in einem schlaksigen Körper ewiger Jugend, gelten sie als unschlagbare Waffe im Einsatz gegen verbotene Magie und kriminelle Machenschaften.

Doch der Fall des Elbenschlächters entpuppt sich als ein verzwicktes Rätsel, welches sich durch die gesellschaftlichen Schichten und verschiedenen Volksgruppen Nophelets in einem düsteren Geheimnis zieht…

Das Autorenduo Jens Schumacher und Jens Lossau, welche bereits vor dem Auftakt ihrer Fantasyreihe um das Ermittlerpaar Hippolit und Jorge erfolgreich zusammen gearbeitet haben, zeichnet sich zunächst durch einen sehr angenehmen Umstand aus. Sie wissen genau was sie wollen und bringen dieses auch exakt auf den Punkt. Hier wird nicht einem aktuellen Trend hinterher geschrieben, auch geht es nicht darum zu gefallen. Die Autoren verfolgen ein individuelles Konzept, spielen mit Klischees des Fantasygenres, garnieren dies mit Witz und einem eigenwilligen Weltenbau und haben so einen Roman geschaffen, der durch Eigenständig und Unverwechselbarkeit besticht. Dieser Roman entwickelt sich als ein spannendes detektivisches Ermittlungsabenteuer, eine Sword & Sorcery Geschichte in einem Ambiente skurriler High Fantasy. Die fantastische Welt aus der Feder von Jens Schumann und Jens Lossau hält erfrischende Überraschungen, ein Augenzwinkern an festgeschrieben Rollenbilder der Fantasy und eine gehörige Priese Lesespass bereit.

Das Volk der Elben hat den Glanz von ewiger Schönheit und Weisheit längst abgestreift. Selbst in ihren Gedächtnissen finden sich kaum noch Erinnerungen an die alte Zeit und die ihre Würde, als sie die Wälder beherrschten und das Wissen der Welt auf ihren Schultern trugen. Viele bieten sich heute allnächtlich unter dem schmierigen Licht der Gaslaternen als Lustknaben an, haben die Seuche oder leiden unter Drogenabhängigkeit. Nophelets Gesellschaft hat für die Elben einen Platz auf der untersten Stufe seiner sozialen Hierarchie reserviert.

Jedoch sind nicht nur die Elben Leidtragende in einer Vielvölkerstadt. Die Vampyre mussten sich verpflichten auf tierisches Blut zur Nahrungsaufnahme zurückzugreifen und Trollen ist ein unrasiertes öffentliches Auftreten untersagt.

Dieses gilt natürlich auch für den Vertilger mindestens eines Krügerschweins täglich und den Freund einiger morgendlicher Krüge Bier – Agent Jorge. Jener Wahlpartner von Meister Hippolit, der für jede Lebenssituation ein Trollsprichwort bereit hat. So (un)passend es auch sein mag. Besonders dieses Duo ist es, welches „Der Elbenschlächter“ zu einem besonderen Leseerlebnis werden lässt. Jeglicher Versuch eines Vergleichs mit bekannten Figuren aus Film und Literatur vermag sie nur unzulänglich zu beschreiben. Die beiden Autoren haben hier ein witziges wie schlagfertiges Ermittlerduo aufgestellt, welches ihresgleichen sucht. Es wird spannende, spritzige Fantasy geschrieben und unkonventionell umgesetzt. Die Abenteuerwelt des Romans enthüllt sich als das Bild eines verzerrenden Spiegels, welcher auf altbekannte Fantasyschemata gerichtet ist. Es ist absolut erfreulich dass der Verlag Egmont Lyx dieses Buch, welches sich nicht davor scheut anzuecken, herausgebracht hat.

Jens Schumachers und Jens Lossaus „Der Elbenschlächter“ – Ein detektivischer Fantasy Roman in den Wirren einer Vielvölkermetropole, mit eigenständiger Magie und aberwitzigen Figuren. Er entwickelt ein spannendes, durchaus blutiges Abenteuer in einer facettenreichen Fantasywelt, welche sich äusserst erfrischend von bekannten abhebt. Eigenständigkeit, Individualität uns Kreativität werden hier gross geschrieben und machen diesen abgeschlossenen Auftaktband zu einem sprichwörtlichen Knüller der Fantasy Literatur.

Mehr zu dem Buch: Der Elbenschlächter

Interview mit den Autoren: Elbenschlächter-Interview

Buchfakten:
Der Elbenschlächter
Jens Schumacher, Jens Lossau
Egmont Lyx
kartoniert, Klappbroschur
Seiten: 320
ISBN: 978-3-8025-8257-8

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