Alexey Pehov ist neben Sergej Lukianenko der erfolgreichste phantastische Schriftsteller Russlands. „Schattenwanderer“ wurde zu einem millionenfach verkauften, mit mehreren Preisen ausgezeichneten Publikumsrenner.
Nach Jahrhunderten des Friedens wandeln in den Schatten der Stadt Awendum die Vorboten des aufziehenden Schreckens aus den Öden Landen. Riesen, Oger, Orks und weitere Diener des Unaussprechlichen, es wird gar von Sichtung der vergessenen Drachen berichtet, ziehen sich zusammen, um mit Frühlingsbeginn den Sturm auf die Menschen- und Elfenreiche zu beginnen. Awendums König und der Orden der Magier beschließen ihre letzte Hoffnung auf eine Abwendung des Krieges in die Hände einer Abenteurergruppe zu legen, deren Mittelpunkt der meistgesuchte Meisterdieb der Stadt bildet…

Als Garrett von der Stadtwache überrumpelt und in den königlichen Palast gebracht wird, ahnt er noch nicht das auf ihn nicht die berüchtigten Folterkammern, sondern ein Auftrag von weitreichender Bedeutung erwartet. Nach mehreren gescheiterten Expeditionen von ausgezeichneten Kriegern und mächtigen Magiern, soll der Meisterdieb Garrett einen Weg in die uralten Tiefen von Hrad Spine, das Gewirr unterirdischer Katakomben in denen tausende von Elfen-, Menschen-, Oger- und Orkgebeinen ruhen, finden. Dort beim Kriegergrab von Grok soll das „Horn des Regenbogens“ ruhen und seine magische Kraft einbüßen. Einst von den Schamanen der Oger erschaffen, soll dieses Artefakt den Kronk-a-Mor, den magischen Machtquell des Unaussprechlichen, eindämmen. Doch die Kraft des Horns schwindet und jener den es bannen soll, greift erneut zu Schwert und Magie, um aus dem Öden Land mit einem gigantischen Heer hervorzuquellen.

Der Auftaktband der „Chroniken von Siala“ entpuppt sich weniger als Aufbruchband in das viele Ebenen tiefe Katakombenlabyrinth von Hrad Spine, denn eher als eine, für Garrett ungewollt chaotische, Vorbereitung zu dieser Reise mit geringen Chancen auf Erfolg und Rückkehr. Kaum ist der Dieb den Kontrakt mit dem Königshaus eingegangen findet er sich in einem Komplott von Verschwörern und Widersachern, die seiner Mission ein vorzeitiges Ende bescheren wollen. Obwohl sich diese Einführung in das Diebesleben von Garrett und die Vielvölkerstadt Awendum mit seinen unterschiedlichen Interessengruppen doch etwas hinzieht, vermag der Autor hier bereits einen deutlichen Hinweis zu geben, was seine Hauptfigur auf ihrer anstehenden Reise erwartet. Alexey Pehov lässt eine Meute aus Dämonen, den ziegenmenschlichen Doralissern, Meuchelmördern, Untoten und Geisterwesen auf den Meisterdieb einstürzen und führt den Leser von heruntergekommen Stadtteilen über luxuriöse Villenanlagen bis in das magieverseuchte Verbotene Viertel Awendums. Action, Abenteuer und gekonnt formulierte Kampfszenen sind es die Alexey Pehov als Fantasy Autor offensichtlich auszeichnen.

Die Hauptfigur bleibt erfreulicherweise ihre Rolle als schurkischer Dieb treu und so endet die Suche nach einem strahlenden Helden in diesem Roman ergebnislos. Etwas Frische und Witz bringen die Gefährten des Meisterdiebs mit sich, insbesondere der Koboldnarr Kli Kli mit seinem Hang zum Schabernack und das streitsüchtige Duo um den bärtigen Gnom Hallas und den Kochtopf behelmten Zwerg Deler. Ebenfalls sehr interessant umgesetzt ist das Konzept von zwei verschiedenen Magieformen, dem ursprünglichen Schamanismus und der neuzeitlichen Magie. Als sehr gelungener Kniff erweist sich zudem das gelegentliche Rückblicken in verschiedene Situationen der Welthistorie. Hier erzählt der Autor nicht von Vergangenem, sondern wechselt komplett in jene Momente und präsentiert diese Abschnitte als eine Art Kurzgeschichten innerhalb des Romans.
Trotz dieser eigenständigen Aspekte bleibt „Schattenwanderer“ High Fantasy wie sie im Buche steht. Ein episches Abenteuer mit starken Erinnerungen an Tolkiens „Herr der Ringe“ in actionreichem und turbulentem Gewand.

Alexey Pehovs „Schattenwanderer – Die Chroniken von Siala 1“ – Epische Fantasy mit starkem tolkienschen Einschlag, einem spannenden Magiesystem und actionorientierter Ausrichtung, welche jedoch auch Platz für weitreichende Verschwörungen und unterhaltsame Anekdoten aus den Leben der Helden zulässt.

Mehr zu dem Buch: Schattenwanderer

Buchfakten:
Alexey Pehov
Schattenwanderer
Die Chroniken von Siala 1
Piper
Erschienen:April 2010
560 Seiten
Kartoniert
ISBN: 9783492701860

Advertisements