2012 – Weltuntergangsjahr laut dem Kalender der Mayas und wie stets bei solch vermeintlichen Anlässen werben zahlreiche Sekten und selbsternannte Propheten für ihre Flucht vor der Apokalypse. Helena hält nichts von all dem Geschwafel pseudoreligiöser Selbstinszenierer und doch begleitet sie ihre Freundin zu eben so einem Treffen von Endzeitjüngern. Der Ortsklempner erklärt sich als Auserwählter eines außerirdischen Volkes, welches genau 21 Menschen vor der nahenden Zerstörung der Erde bewahren will. Belustigt verfolgt Helena das Treffen und ist ihrer flippigen Freundin sogar ein wenig dankbar für die Abwechselung aus ihren Alltagstrott. Seit Helenas Mann verstorben ist, hat sie sich zurückgezogen und so bietet diese sonderbare Ansammlung von durchaus seriösen Bürgern eine willkommene Ablenkung von den Gedanken an ihren verlorenen Mann.

Dann jedoch geschieht etwas, mit dem weder Helena, noch ihre Freundin ernsthaft gerechnet hätten. Ein UFO landet und bittet zum Einstieg. Das Reiseziel entpuppt sich jedoch nicht als fremder Planet, sondern den neugestalteten Jenseits-Themenpark. Mit den Verstorbenen ist das schliesslich so eine Sache. Manche jenseitigen Reiche vereinsamen auf Grund von fehlenden Gläubigen und schliesslich möchte man im Kreis der Gottheiten der Menschheit ein einheitliches Konzept bieten, sollte jene ausgelöscht werden.

Mit dem Betreten des Raumschiffs begibt sich Olivia auf die Pauschalreise für Jenseitstouristen und wird Teil der Auserwählten, welche das Experiment göttlicher Themenpark betreten dürfen. Dieser probiert natürlich mit allerlei  Attraktionen zum ewigen Verweilen einzuladen…

Mit „Götterfunkeln“ präsentiert Andrea Schacht einen phantastischen Roman, der ein wenig im Stil trashiger Kulturfilme daherkommt. Die menschliche Reisegruppe darf die verschiedenen Jenseitswelten abklappern und auf ihre Vorzüge, wie Nachteile testen. Hier entwickelt sich eine abenteuerliche Wanderung zwischen Himmel und Hölle, Ewigen Jagdgründen und Walhall, Anderwelt und Eden, dem Olymp und dem Paradies,… Die Jenseitstouristen treffen natürlich auch auf allerlei sagenhafte Figuren, fiktive wie reale Tote, z.B. Jesus, Luzifer, Odin, Elfen, Banshee, Druiden, Aleister Crowley, Merkur, einen frechen Dschinn, Apollo und weitere Gottheiten der verschiedenen Zeitepochen und Kulturen. Die jeweiligen Welten stellen sich kurz vor, umwerben die Gäste und lassen so zu einen kurzen Einblick in sie zu erhaschen.

Die Autorin schreibt flüssig und den Roman prägt eine gewisse Leichtigkeit. Mit den Jenseitsschilderungen eröffnet sich dem Leser ein buntes fantastisches Potpourri, welches durchaus auch zum Schmunzeln einläd und die eine oder andere Überraschung bereit hält.

Die Figuren des Romans wirken authentisch, auch wenn das fehlende große Staunen bei ihnen zunächst etwas befremdlich wirkt. „Götterfunkeln“ ist eindeutig ein Unterhaltungsroman und genau dies leistet er auch. Kurzweiliger Lesespaß, ein witziger Jenseitstrip bei dem die Seiten nur so dahin fliegen. Wer auf ein großes apokalyptisches Epos gehofft hat, dürfte enttäuscht sein, denn Andrea Schacht bietet ein flottes Weltenbummeln, in dem aber auch nachdenkliche Töne ihren Platz haben. Den zweiten Strang des Romans bilden die Zurückgebliebenen. Verwandte und Bekannte probieren das plötzliche Verschwinden ihren Geliebten zu enträtseln und stoßen bald auf die Spuren einer mysteriösen Mayasekte.Diese parallele Handlung bietet durchaus den interessanten Aspekt weiteres über die Jenseitsreisenden zu erfahren und so ein vervollständigtes Bild von ihnen zu erhalten, der Spannungsfaktor der Erdgeschichte tendiert aber abwärts. Dem Leser ist schlichtweg bekannt wo sich die Verschwundenen aufhalten, was sie gerade tun und welche göttliche Marketingstrategie gerade Anwendung bei ihnen findet. In Anbetracht dessen weiß die Spurensuche der Hinterbliebenen über weite Teile wenig zu überzeugen und erscheint eher als sinnlos. Trotz diesem Umstand hat Andrea Schacht einen lesenswerten Roman verfasst, mit interessanter Idee und leichtfüßiger Umsetzung.

Andrea Schachts „Götterfunkeln“ – Ein fantastischer Jenseitstrip, eine Entdeckungsreise in die Lebenswelten nach dem Tod mit skurrilen Erscheinungen,witzigen Momenten und einer Prise Erotik. Verfasst in einer flotten Geschichte, die nicht nur Endzeitprophezeiungen, sondern auch Götterwelten zwinkernd auf die Schippe nimmt.

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Buchfakten:
Andrea Schacht
Götterfunkeln
Sieben Verlag
Broschiert, 392 Seiten
ISBN: 978-3-941547-01-8

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