„Mach nicht den Fehler, mir zu vertrauen!“

Tarik al-Jamal, Sohn eines bekannten Schmugglers, zählt zu den besten Fliegern bei den verbotenen Teppichrennen in Samarkand. Die Tage verbringt er in Tavernen bei billigem Wein, versucht die Bilder in seinen Erinnerungen zu ertränken, Maryams Gesicht und die anklagenden Worte seines jüngeren Bruders, als er eines Tages ohne sie aus der Wüste heimkehrte. Doch dieses illegale Wettrennen hält eine Überraschung für den gebrochenen Meister der Lüfte bereit. Kurz vor der imposanten Palastmauer, dem gefährlichsten Streckenabschnitt, taucht wie aus dem Nichts Junis, sein Bruder, auf und liefert sich mit ihm ein Duell um den ersten Platz und das Preisgeld. Das Auftauchen des hitzigen Sturkopfs ist jedoch nicht die einzige Überraschung, welche dieses Rennen zu bieten hat.

Ohne Ankündigung sieht Tarik eine junge, schöne Frau in seinen Armen liegen, während er dem Nachthimmel von Samarkand entgegen fliegt. Sabatea, eine Entflohene aus dem Palast, umschmeichelt Tariks Bruder sie nach Bagdad zu fliegen. Als ehemaliger Schmuggler weiß Tarik das die tagelange Reise durch die glühende Wüste den sicheren Tod für die beiden bedeuten wird. Eine Wüste, die nicht nur aus Sand besteht, sondern aus der vor 50 Jahren, nach dem Ausbrechen der Wilden Magie, die Dschinne kamen und mordend über die Oasen und Nomadendörfer herfielen. Eine Wüste, in der der Narbennarr haust, die verbrannten Magier sich durch die Lüfte ziehen lassen und Wesen beheimatet, die im Dunkel der Nacht zum Leben erwecken und auf die Jagd gehen. Trotz des Zorns zwischen seinem Bruder und ihm, nimmt Tarik die Verfolgung der beiden auf.
Eine Verfolgung um ihr Leben…

Das Morgenland im 8. Jahrhundert n. Chr.

Kai Meyer entführt den Leser in eine arabische Märchenwelt, in eine Stadt verbotener Teppichrennen, prunkvoller Paläste und leuchtender Zwiebeltürme, in eine Stadt mit einem selbstherrlichen Herrscher und einer hohen Mauer, die nach außen gegen die Dschinnarmeen wirkt, jedoch nach innen wie ein Gefängnis. Ohne das der Autor sich ausführlichen Landschafts- oder Kulturbeschreibungen hingibt, eröffnet sich nach den ersten Buchseiten der berauschende Flair aus 1001 Nacht, eine Exotik, die nicht verwirrend wirkt, sondern von Kai Meyer eröffnet wird, als tauche der Leser in vergessene Erinnerungen, besinnt sich wieder einer Welt, die ihm fremd und doch vertraut ist.

Diese atmosphärisch ausgereifte und auf den Punkt getroffene Welt, erfüllt der Autor, je weiter es in das Dschinnland geht, mit eindrucksvollen, überraschenden Bildern, gemischt aus Wundervollem und Groteskem. Kai Meyers Wüstenlandschaft hat eine Vielzahl von Entdeckungen zu bieten, welche nicht nur absolut beeindrucken, sondern auch das Erwartete bei weitem übertreffen. Hier sehen ganz viele Drachenhöhlen und mittelalterliche Festungen der klassischen Fantasy schlichtweg alt und belanglos aus. Neben Bildern, die den Leser fesseln und ihn staunen lassen, schafft es der Autor seine Figuren in gleicher weise überzeugen zu lassen. Facettenreich, gar abenteuerunwillig, widersprüchlich und in einem Zwist untereinander gefangen, präsentiert er lebensnahe Charaktere, die nicht mit jedem ihrer Aspekte gefallen sollen und es doch gerade deswegen tun.

In das rasante Wüstenabenteuer, webt der Autor, neben der Historie um die Wilde Magie, eine romantische Note, welche sich zwischen ehrlicher Zuneigung und abgekartetem Liebesspiel bewegt, unberechenbar bleibt, schöne Momente purer Romantik schafft und doch auch Mittel zum Zweck ist.

Kai Meyers „Die Sturmkönige 1 – Dschinnland“ – Ein eindrucksvoller Auftaktband in einer orientalischen Welt, in welcher das Wundervolle und Bizarre so nah bei einander sind, das sie in sich verschmelzen. Ein spannendes Abenteuer mit eigenwilligen Figuren, großen Überraschungen und beeindruckenden Bildern. Wer ein gutes Fantasy Buch sucht, darf hier gerne zugreifen, denn „Dschinnland“ hat ausnahmslos alles, was ein solches auszeichnet.

Mehr zu dem Buch: Die Sturmkönige 1 – Dschinnland

Buchfakten:
Kai Meyer
Die Sturmkönige 1
Dschinnland
Bastei Lübbe
Taschenbuch, 431 Seiten
Ersterscheinung: 24.04.2010
ISBN: 978-3-404-16426-4

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