„Mein Name ist John Cleaver. Ich bin 16 Jahre alt und lebe in Clayton County. Ich habe eine Mutter, eine Schwester und eine Tante. Ich mag Lesen, Kochen und ein Mädchen namens Brooke. Ich möchte das Richtige tun, um jeden Preis. Ich möchte ein guter Mensch sein.
Doch das ist nur die eine Hälfte von mir.
Mein Name ist Mr. Monster. Ich weise alle Anzeichen eines Serienkillers auf. Ich fantasiere über Feuer, Gewalt und Tod. Im Beisein von Toten fühle ich mich wohler als in der Nähe der Lebenden. Ich habe einen Dämon besiegt. Doch es gibt viele Dämonen da draußen. Und jeden Tag verspüre ich den Drang, erneut zu töten.“

Im beschaulichen Clayton Country ist wieder die Ruhe eingekehrt, doch unter ihrer dünnen Oberfläche sitzt der Schock noch tief. Der Serienmörder scheint von der Bildfläche verschwunden und allen Befürchtungen zum Trotz hat es keine weiteren Opfer mehr gegeben. Die wiederhergestellte Alltäglichkeit, der Gang des normalen Lebens beruhigt die Gemüter der Einwohner, doch an einem unscheinbaren Jungen nagt sie unnachgiebig. John Cleaver, der den Dämon besiegt hat, welcher in der Kleinstadt als der Serienmörder gefürchtet war, fällt es schwer sich der Ruhe zu ergeben nachdem er einmal Blut geleckt hat.
Er ist 16 Jahre, ein braver Schüler den man übersieht, ein artiger Sohn und Bruder, ein Soziopath, den jede Nacht genussvolle Mord- und Folterfantasien heimsuchen, der Ruhe in der Arbeit mit Leichen findet oder hier und da etwas abfackelt. John Cleaver ist verliebt. Brooke ist ihr Name und selbst von seinem Schulfreund Max wird sie als zweit heißestes Mädchen der Schule gehandelt. Doch Johns selbst auferlegte Lebensregeln verbieten ihm einen tieferen Kontakt mit ihr zu knüpfen.

Die Arbeit im Bestattungsunternehmen seiner Mutter, die Balsamierung der Toten, die Entleerung und Reinigung ihrer Körper, sind es die John Ruhe geben. Momente in denen er das Dämonische beiseite schieben kann und sich nicht mit seinen Mitmenschen beschäftigen muss. John nennt seinen Dämon Mr. Monster. Er wispert ihm zu, drängt ihn dem Nächstbesten ein Messer in den Bauch zu rammen, überflutet seine Gedanken mit blutigen Bildern und mörderischen Verlockungen. Mr. Monster weiß von Brooke. Er ist ein unauslöschbarer Teil von John und auch ihn interessiert das hübsche, freundliche Mädchen von nebenan.
Was man wohl alles mit einem Messer, nur einem ganz kleinen, an ihrer zarten Haut ausrichten könnte?

Dann erschreckt ein neuer Leichenfund die kleine Ortschaft und Johns / Mr. Monsters Interesse ist geweckt. Doch dieser Mörder geht anders vor, als der Dämon, welcher seinen Opfern Körperteile entwendet hat. Dieser Killer ist ein perfider Folterer der grausamsten Art, ein Chirurg und kein Henker. John ist gebannt von der Tat des Unbekannten und weiß das nur er ihn aufhalten kann. Es könnte ein neuer Dämon sein der sein Unwesen in Clayton Country treibt, denn die Leichname scheinen Botschaften zu enthalten.
Botschaften an John Cleaver und Mr. Monster…

„Zum sechzehnten Geburtstag bekam ich eine Leiche, mit der ich spielen konnte.“

Dan Wells ist ein Meister, wenn es darum geht mit der simplen Sprache eines Jugendlichen tiefe Eindringlichkeit herzustellen. Die Fortsetzung des Erfolgsromans Ich bin kein Serienkiller entpuppt sich als ein Werk, dass gekonnt mit allen Facetten des Emotionalen spielt und sie aus der verstörenden Gedankenwelt eines höflichen Soziopathen mit Mordlust erleben lässt. John innerliche Zwiespältigkeit weiß zu fesseln und entzieht dem Leser immer wieder die Möglichkeit, die Hauptfigur als einen reinen Sympathieträger zu sehen. Der rasante Thriller kommt in Jugendbuchsprache daher und besonders diesem Umstand verdankt er seinen besonderen Reiz und seinen unvergleichlichen Stellenwert in der phantastischen Literatur. Authentisch erlebt der Leser alterstypische Probleme eines Jugendlichen, das erste Verliebtsein, Ärger mit der Mutter usw. um sich dann in der selben, leicht naiven Sprache, mit einer Folterfantasie konfrontiert zu sehen. So etwas wie distanziertes Beschreiben tritt nur auf, wenn es um die fachmännische Arbeit in der Leichenhalle geht, mit einer Erläuterung der notwendigen Arbeitsschritte. Gerade die Sprache des Autors macht diesen Roman zu einem außergewöhnlichen Werk, welches den Leser nicht mehr loslässt und in seine bizarren Abgründe zerrt.

Obwohl „Mr. Monster“ der zweite Band um John Cleaver ist, kann dieser Psycho-Phantastik Roman auch ohne Kenntnisse von „Ich bin kein Serienkiller“ gelesen werden. Der Autor klärt die Hintergründe und das Geschehen im ersten Buch ausreichend auf.

Dan Wells beherrscht das feine Spiel des Grauens, taucht ein in die Tiefen seiner Hauptfigur und entblättert ihre Schatten, wie liebenswerten Seiten. So hat er eine Roman geschaffen, der trotz seiner Unglaublichkeiten höchst lebensnah wirkt und einen Bannsog auf den Leser ausübt.

Dann Wells „Mr. Monster“ – Ein packender Thriller mit pulsierender Spannung, erschreckenden Bildern und zartfühligen Momenten. Ein Roman, der mit den Kategorien Gut und Böse spielt, feinsten Horror serviert und seine Hauptfigur weit ab jeder Oberflächlichkeit zum Leben erweckt. Wer dieses Buch aufschlägt, wird nicht ruhen können bis er es zu Ende gelesen hat.

Mehr zu dem Buch: Mr. Monster

Buchfakten:
Mr. Monster
Thriller
Aus dem Amerikanischen von Jürgen Langowski
400 Seiten
Kartoniert
Rough Cut
ISBN: 9783492267267

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