Mit ihrem Debütroman „Grim – Das Siegel des Feuers“ eröffnete Gesa Schwartz ihre Fantasy Reihe um den Gargoyle Grim und seine menschliche Partnerin Mia, in einer verborgenen Welt der Wunder und Legenden. Die Autorin, welche auch im Privaten Alternativen zum Herkömmlichen sucht und einen Zirkuswagen ihr Heim nennt, beschreitet schriftstellerisch eigenständige Pfade und sprudelt vor Kreativität.
Nach ihrem ersten Roman darf sich Gesa Schwartz bereits über einen beachtlichen Fankreis freuen und gilt als eine der grossen neuen Hoffnung in der Riege deutscher Fantasy AutorInnen. Umso erfreulicher ist der Umstand das sich die Autorin bereit erklärt hat ein paar Fragen zu ihrem Roman, seinen Hintergründen und folgenden Buchprojekten zu beantworten.

Viel Spass mit dem Interview mit der „Grim“ Autorin Gesa Schwartz!

In einem Brief von Grim auf deiner Homepage schreibt der Gargoyle „Entgegen den Vorstellungen der Menschen gibt es für jede unausgesprochene Geschichte stets nur einen Geschichtenerzähler, der für eben diese Geschichte bestimmt ist“
Wie haben Grim und du zusammen gefunden?

Es war einmal in einer finsteren, stürmischen Nacht irgendwo in den Gassen einer unbedeutenden Stadt… So ungefähr könnte unsere Geschichte anfangen. Für gewöhnlich antworte ich nämlich auf diese Frage, dass mir eines Nachts ein Bild einfiel, und zwar sah ich eine Gestalt hoch über den Dächern von Paris. Die Gestalt stellte sich mir als Grim vor und so erfuhr ich seine Geschichte. Vielleicht ist diese Antwort wahr. Vielleicht trifft es aber auch zu, dass ich eines Nachts gegen die Finsternis meines Fensters schaute und sich draußen eine steinerne Klaue aus den Schatten schob, um langsam gegen das Glas zu klopfen und Einlass zu begehren. Wer kann den Moment, in dem zwei so unterschiedliche und doch so erschreckend ähnliche Geschöpfe, wie Grim und ich es sind, zusammen kamen, so festhalten, dass er ihn genau beschreiben könnte?

Seit März ist Grim – das Siegel des Feuers im Handel, das Buchcover ist großartig geworden und die Kritiken sind fast durchgehend positiv. Wie geht es dir jetzt, mit etwas Abstand zum Verkaufsstart, mit deinem Buch und seiner guten Aufnahme bei vielen LeserInnen?

Ich bin sehr froh und auch erleichtert, dass Grim bei den LeserInnen so gut ankommt. Neben den Geschichten selbst sind sie es ja, für die ich schreibe, und daher freut es mich, dass ihnen die Reise in die Schatten an Grims Seite Freude bereitet.

Wasserspeier sind wohl in jeder Stadt anzutreffen. Ist dein Roman, seine Entstehungsgeschichte, vielleicht auch dem Weg von einem konkreten Element unserer realen Welt in das Fantastische gefolgt?

Es gibt einige Wasserspeier und auch andere steinerne Figuren in der Realität, die die Geschichte um Grim beeinflusst haben. Einige habe ich sogar namentlich im Buch erwähnt, andere ziehen es vor, unerkannt zu bleiben. Und natürlich würde ich es niemals wagen, die Ruhestätte eines bestimmten Gargoyles auszuplaudern, wenn er oder sie mir dazu nicht die Erlaubnis gegeben hätte…

Wie bist du mit „Grim“ bei Egmont Lyx gelandet bzw. vorher bei Schmidt & Abrahams?

Bei Schmidt & Abrahams bin ich nach einem Agenturwechsel gelandet. Meine Agentinnen haben Grim dann bei verschiedenen Verlagen angeboten, woraufhin es zur Auktion kam, bei der Lyx schließlich den Zuschlag erhalten hat.

In „Grim“ begegnen dem Leser eine Vielzahl fantastischer Orte und Wesen mit widersprüchlichen Beziehungen zu einander. Du präsentiertest eine bunte Farbpalette des Fantastischen. Ist dein Debütroman so etwas wie ein Kristallisationspunkt deiner Fantasien, Gedankenspiele und auch Träumereien die über viele Jahre entstanden sind?

Nein, die Ideen, die in dem Buch Verwendung gefunden haben, sind alle zeitnah während des eigentlichen Schreibprozesses entstanden. Ich bin unfähig, Ideen aufzuheben, daher käme es mir nicht in den Sinn, die Einfälle aus der Vergangenheit in einer heutigen Geschichte zu verwenden – denn in den wenigsten Fällen würden sie überhaupt dazu passen, und darüber hinaus habe ich ja auch vor GRIM schon geschrieben und meine damaligen Ideen bereits in Geschichten verwendet. Grundsätzlich kann ich sagen, dass sich meine Geschichten aus sich selbst heraus entwickeln, sie bringen also sozusagen ihre eigenen Ideen mit, die ich dann aufschreibe.

Besonders die Handlungsorte wissen durch ihre Eigenständigkeit zu begeistern. Wo kommen diese ganz unterschiedlichen Schauplätze her, falls man dies so beantworten kann?

Die einzige Antwort, die ich darauf geben kann, lautet: aus der Geschichte. Ghrogonia, die anderweltliche Hauptstadt weit unterhalb von Paris, habe ich beispielsweise gemeinsam mit meiner Protagonistin Mia kennengelernt, zu anderen Orten wie Thyros haben meine Besuche in den Katakomben Roms viel beigetragen, aber letztlich plane ich diese Schauplätze nicht vorher, sondern höre auf das, was die Geschichte erfordert, und gehe dann den Weg, den sie mir eröffnet.

„Grim – Das Siegel des Feuers“ ist in sich abgeschlossen, aber die verborgenen Orte und sagenhafte Städte, neben Ghrogonia , stecken noch voller Mythen, Legenden und unerzählten Geschichten. Wird es von dir eine schriftstellerische Rückkehr an einen dieser Plätze als Haupthandlungsort geben?

Paris wird immer ein wesentliches Element der Geschichte bleiben, ebenso wie Ghrogonia. Darüber hinaus wird es Grim und Mia zunächst an neue Orte führen, die teilweise bereits in der Geschichte Erwähnung fanden. Ich kann mir außerdem gut vorstellen, noch einmal an bestimmte Orte zurückzukehren, um ihre ganz eigene Geschichte zu erzählen. Grims Kosmos hat auch für mich noch viele dunkle Flecke, die ich gern erkunden würde.

Kannst du dir vorstellen einen deiner nächsten Romane in der, für Menschen eher lebensfeindlichen, Feenwelt spielen zu lassen, welche in „Grim“ nur eine kurze Andeutung erfährt?

Da Grim in unsere Welt gehört, würde ich sie ungern für einen kompletten Roman vollständig verlassen. Allerdings kann ich mir gut vorstellen, eine andere Geschichte in der Feenwelt zu erzählen – zumal mich ihre Bewohner sehr faszinieren. Und möglicherweise erhalten eben diese Bewohner in einer der folgenden Geschichten um Grim und Mia eine größere Bedeutung.

Die Gesellschaft der Gargoylestadt Ghrogonia ist nicht frei von Unterdrückung, Rassismus und drastischen sozialen Hierarchien. Warum hast du sie erbaut wie sie in „Grim“ erscheint? Warum kein Friede-Freude-Märchenland, dessen Einklang und Harmonie von dunklen äußeren Mächten bedroht wird?

Einfach gesagt: Weil eine solche Darstellung der Geschichte um Grim nicht gerecht geworden wäre und mich in diesem Zusammenhang auch nicht gereizt hätte. Es ist mir sehr wichtig, meine Geschichten so zu erzählen, wie sie es erfordern und verdienen, und das Morbide und Uneindeutige, der Verfall aus dem Inneren zeichnet die Geschichte aus, ist sozusagen ihr Atem. Die Anderwelt mitsamt ihrer Gesellschaft hat sich aus der Geschichte selbst entwickelt, und sie ist trotz mancher märchenhaften Elemente keine idealisierte Welt, sondern auch dreckig, düster und schattenhaft mit zahlreichen faulenden Stellen. Sie ist eben – wenngleich durch den Zauber des Vergessens von unserem Bewusstsein getrennt – in jeder Hinsicht ein Teil unserer Welt.

Welche Figur aus Grim würdest du gerne einmal persönlich treffen und warum?

Alle! Ja, inklusive des Kartenmanns. 😉 Aber ganz besonders und immer wieder gerne natürlich Grim.

Zurzeit wird beinahe jeder Roman, der eine irgendwie geartete Liebesgeschichte enthält, in die Kategorie Romantic Fantasy gesteckt. Wie wohl fühlst du dich mit deinem Buch in dieser Schublade?

Ich fühle mich in Schubladen generell nicht sonderlich wohl. Darüber hinaus finde ich es sehr schade, neben der Urban Fantasy auch in der Kategorie der Romantic Fantasy eingeordnet zu werden, da Grim ihr nicht entspricht. Der Lyx-Verlag hat sich natürlich hauptsächlich mit der Romantic Fantasy einen Namen gemacht, ein Genre, das zur Zeit außerdem sehr erfolgreich ist. Da liegt der Versuch nahe, mich als Debütantin auch über dieses Etikett bekannter zu machen. Da GRIM aber mit der Romantic Fantasy nichts zu tun hat, halte ich es für möglich, dass LeserInnen dieses Genres enttäuscht sein könnten, da meine Geschichte ihnen nicht das gibt, was sie erwarten, und andere Leser durch eine Einordnung in die Romantic Fantasy abgeschreckt werden könnten. Aber letztlich sind es Marketingentscheidungen innerhalb des Verlages, die bestimmte Einordnungen verursachen und auf die ich keinen Einfluss habe. Mir bleibt nur, meine Geschichten zu erzählen und darauf zu vertrauen, dass sie trotz eines falschen Etiketts ihre Leser finden werden.

„Grim“ hat offenbart das du scheinbar ein Faible für ganz unterschiedliche fantastische Wesen besitzt und so trifft man in dem Roman auch auf eine, in dieser Zusammenstellung, ungewöhnliche Mischung jener Lebewesen.
Über welche dieser Geschöpfe würdest du nach den Gargoyles gerne schreiben, welche sind dir vielleicht auch während der Arbeit an „Grim“ weiter ans Herz gewachsen?

Das kann ich gar nicht sagen, einfach, weil eine Festlegung meinerseits da ausgesprochen ungerecht wäre. Ich habe eine Leidenschaft für all meine Geschöpfe, und es gibt keine, deren Geschichte ich nicht gern erfahren würde. Aber ob ich sie auch erzählen kann, hängt davon ab, ob sie erzählt werden möchte – und ob ich die richtige Stimme für sie bin.

Gibt es auch fantastische Wesen bei denen du dir gar nicht vorstellen könntest sie schriftstellerisch zum Leben zu erwecken?

Hm… Nein, ich glaube nicht.

Welche Bedeutung hat fantastische Literatur als Leserin und Autorin für dich?

Als Leserin bietet mir die phantastische Literatur wie kaum ein anderes Genre die Möglichkeit, fremde Welten und Wesen kennenzulernen und Außergewöhnliches zu erleben, über alle Grenzen hinweg. Das ist es auch, was mich als Autorin an diesem Genre fasziniert: Alles ist möglich. Darüber hinaus finde ich besonders in diesem Genre zwei Lebensnotwendigkeiten, die umso wichtiger werden, je weiter die blinde Rationalisierung und Ökonomisierung unserer Welt fortschreitet: Phantasie und Poesie. Und nicht zuletzt bietet die phantastische Literatur wie jede Art der Literatur die Möglichkeit, den Leser und damit die Welt zu verändern.

Grim und Mia werden aus deiner Feder ein weiteres Abenteuer erleben. Kannst du schon etwas darüber verraten?

Viel kann ich darüber noch nicht verraten, aber Grim und Mia werden in ein Abenteuer verwickelt, das noch ein wenig düsterer und rasanter wird als das vorangegangene. Denn die Gegenspieler, mit denen sie dieses Mal konfrontiert werden, treiben meine Protagonisten an ihre Grenzen – und darüber hinaus.

Vielen Dank für die tollen und ausführlichen Antworten!

Ich bedanke mich ebenfalls für die spannenden Fragen!

Rezension zu dem Buch: Grim – Das Siegel des Feuers

Homepage der Autorin: Gesa Schwartz