Eine kleine Ortschaft in der Nähe Londons an der Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert, im erlesenen Zirkel adeliger, angesehener und wohlhabender Familien residiert auch Familie Bennet auf ihrem Gut. Doch das endende Jahrhundert hat eine Plage mit sich gebracht, welche England in eine Insel der Seuche verwandelt hat. Zombies. Und so gewinnt eine Weisheit an Bekanntheit, die Englands Bevölkerung vor noch einige Jahren mit Ungläubigkeit quittiert hätte.
Ein Untoter, der noch einen Rest Hirn in seinem Schädel trägt, verlangt vor allem nach einem – mehr Hirn.

In diesem Wissen hat das Familienoberhaupt seine fünf Töchter in asiatischen Kampfkünsten geschult und sie zu gnadenlosen Zombiejägerinnen formen lassen. Diese Anstrengung erlebt jedoch eine permanente Torpedierung seitens Mutter Bennet. Ihr grösster Lebenswunsch liegt in einer vorteilhaften Vermählung ihrer Sprösslinge und so zählen Dinner, Teerunden und Bälle zwecks Anbändelung an einen ehrenwerten, wohlhabenden Mann, zu den Lieblingsbeschäftigungen der wankelmütigen Mutter. Zu oft führte die Sorge um das Wohl ihrer Töchter und den Stand ihrer Familie schließlich schon zu Nervenzusammenbrüchen und tagelangem Erbrechen.

So sieht sich auch die älteste Tochter und meisterliche Kämpferin Elizabeth nicht nur inszenierten Verkuppelungsversuchen, sondern auch den Liebesbekundungen einiger Herren gegenüber. Doch Elizabeths Herz gehört dem Kampf, Männerherzen bricht sie bevorzugt mit einer scharfen Klinge und genießt einen Biss in das warme Lebensorgan ihrer unterlegenen Gegner. Ähnliche Gedanken hegt sie auch Mr. Darcy gegenüber, der zwar ein talentierter Kämpfer gegen die untote Plage zu sein scheint, des weiteren jedoch vor allem durch seine Arroganz besticht. Als sich das Familienleben der Bennets jedoch unerwartet verkompliziert und Zombiehorden um das Familiengut streifen, ist es Mr. Darcy, der Hilfe in grösster Not anbietet…

Ein Klassiker der Weltliteratur mit rollenden Zombieköpfen

Den Mittelpunkt von „Stolz und Vorurteil und Zombies“ bildet die persönliche Entwicklung der Hauptfigur Elizabeth, verknüpft mit einem Einblick in das Familienleben der Bennets und garniert mit der Plage untoter Umtriebe. So ist dieser Roman kein Splatterschocker, obwohl durchaus eifrig geköpft und niedergeschossen wird, sondern ein Entwicklunsgroman, mit einer Parodie auf das Leben der englischen Adelsgesellschaft. Geprägt von Herrenhäusern, Intrigen, taktischen Schmeicheleien, strategischen Freundschaften und einer standesgemässen Sprachweisen entwickelt sich das Abenteuer der jungen Elizabeth, welches nicht nur die Herausforderung aufdringlicher Zombies bereit hält.

Wer ein Faible für Familiendramen oder ein historisches Setting hat, darf bei diesem Roman beherzt zugreifen, denn genau dieses bietet er, mit höchst amüsanten Zwischenspielen. Die Symbiose Jane Austen und Seth Grahame-Smith gelingt auf ganzer Linie und hat einen einmaligen Lesegenuss geschaffen. Wo Jane Austen bereits den englischen Landadel parodiert hat, setzt Seth Grahame-Smith noch einen drauf. So bilden nicht nur die Zombies und ihr Hirnhunger einen bizarren Kontrast zur bemüht schillernden Welt der Wohlhabenden, auch die Überspitzung von Mutter Bennet, welche die Sorge um das Familienglück des öfteren zu exzessivem Übergeben führt, sind eine schlichtweg köstliche Unterhaltung gewitzter Skurrilität. Daneben zwinkert zwischen den Buchseiten auch Quentin Tarantinos „Kill Bill“ hindurch, sobald es um die fernöstlichen Kampferfahrungen der Töchter geht, deren Ausbildungsmeister und dessen strafenden Bambusstock. Auch hier überspitzt der Autor merklich und gekonnt, wenn die Töchter die verschiedenen absurd betiteln Kampfstellungen durchexerzieren. Sobald es dann zu Kämpfen mit Zombies kommt, beweist Seth Grahame-Smith sein Können durch rasante und actionreiche Beschreibungen, welche aufgrund ihrer Qualitäten gerne länger hätten sein können.

Das i-Tüpfelchen des Romans bildet zweifellos die, aus heutiger Sicht völlig realitätsfremde, naive Lebensvorstellung und Weltsicht der beiden jüngsten Bennet Töchter, deren favorisierte Gemütslage das Verliebtsein ist, gefolgt vom Liebeskummer. Mit überschwänglichen, schon aufdringlichen Glücksausbrüchen, inszenierten Freudenmomenten und der steten Verfolgung ansehnlicher Offiziere, bieten die beiden pubertierenden Damen eine amüsante Bereicherung des Romans, die den Leser schon mal zum unwillkürlichen Augenrollen führen wird, welche man aber nicht missen möchte.

Jane Austen & Seth Grahame-Smiths „Stolz und Vorurteil und Zombies“ – Die großartige Familiengeschichte der Jane Austen trifft auf Quentin Tarantino und eine verfressene Zombieseuche. Eine brillante Idee in einem brillanten Roman.

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Buchfakten:
Jane Austen, Seth Grahame-Smith
Stolz und Vorurteil und Zombies
Roman
Originaltitel: Pride and Prejudice and Zombies
Originalverlag: Quirk Books
Aus dem Englischen von Carolin Müller
Taschenbuch, Broschur, 480 Seiten, 11,5 x 18,3 cm
ISBN: 978-3-453-53351-6
Verlag: Heyne