Nach der Abenteuerreise in die Stadt der Regenfresser hat Carl Friedrich von Humboldt der Universität und ihrem konservativem Wissenschaftsanspruch den Rücken gekehrt. Die freie Wirtschaft soll künftig sein Auftraggeber sein und bereits eine Woche nach Wiederankunft aus der verborgenen Stadt, tritt ein griechischer Interessent an Humboldt und seine Crew heran. Der Sohn eines bekannten Reedereibesitzers und ein zitternder Kapitän berichten von verschwundenen Schiffen, vor der Inselgruppe Santorin. Der langjährige Kapitän und Überlebende eines dieser Seeunglücke schildert gar den Angriff eines riesigen Seeungeheuers, mit leuchtenden Tentakeln, welches das schwer beladenen Frachtschiff der Reederei in die Tiefe gezogen haben soll.

Humboldt, Oskar, Charlotte, Eliza und Wilma nehmen ohne zu zögern den dargebotenen Auftrag an und reisen per Luftschiff an die griechische Küste, um dem Mysterium des Seeungeheuers und der versunkenen Schiffe nachzuspüren. Diese Ermittlungen stossen jedoch nicht überall auf Freude und ohne das die Abenteurer es ahnen, hat sich ein kaltblütiger Assasine an ihre Fersen geheftet.

Eingerahmt in den mediterranen Flair Griechenlands und seiner Inselgruppen, beginnt für die Forschergruppe ein Küsten- und Unterwasserabenteuer, wie es sich selbst Oskar, mit seiner Vorliebe für Abenteuerromane, nicht erträumt hätte. So stöbern die Entdecker in den Machtspielen des Schifffahrtswesens, erkunden die Gewässer um Griechenland und erleben den ersten Tauchgang, der aufregendsten Erfindungen des ausgehenden 19. Jahrhunderts. 300 Meter unter dem Meeresspiegel sollen die Entdecker der Wahrheit um die verschollenen Schiffe auf beängstigende Weise näher kommen…

Thomas Thiemeyer liefert seinen zweiten Weltensucher Roman um die humboldtsche Forschergruppe ab und ihm gelingt wieder ein hochspannendes Abenteuer, gespickt mit wissenschaftlichen Visionen und historischen Fakten, in einer authentischen Darstellung des 19. Jahrhunderts. Es grüsst Jule Vernes Nautilus aus „20000 Meilen unter dem Meer“ und die Legende um das versunkene Atlantis. Obwohl der Autor das selbe Grundgerüst für seinen Roman verwendet, wie in dem ersten Weltensucher Buch und die Entstehung der Abenteuerreise auffallend schlicht gehalten ist, verfügt „Der Palast des Poseidon“, neben seinen simpel gehaltenen wissenschaftlichen Aspekten,  über die zwei Thiemeyer-typischen Elemente, mit denen der Autor bereits in „Die Stadt der Regenfresser“ begeistern konnte. Die Abenteurergruppe ist absolut gelungen und unterhaltsam, die Figuren sind aus dem Leben gegriffen und facettenreich geschildert. Die Entdeckungsreise entpuppt sich wieder als Thiemeyers leidenschaftlich gepflegtes Steckenpferd und weiss entsprechend zu erstaunen, begeistern, und in ihren Bann zu ziehen. Äusserst charmant stellt sich zudem der Umstand dar, das die liebenswerte Kiwi Wilma, auf der Reise zum Meeresgrund, eine merklich bedeutendere Rolle spielt.

Thiemeyer erschafft Helden, die diesen Weg nicht des plumpen Heldentums wegen eingeschlagen haben, sondern ihn aus individuellen Motivationen heraus beschreiten. Dieser Umstand macht aus Oskar, Humboldt und den anderen, Charaktere aus der Nachbarschaft, die so greifbar erscheinen das sie selbst ein fesselndes Moment des Romans werden. Mit Erinnerungen an Abenteuerklassiker wie Indiana Jones und gewürzt mit einer Prise Science Fiction, hat Thomas Thiemeyer einen Jugendroman (keinen Jugenroman) geschrieben für jung und alt. Seine leichte Sprache und teils kantigen Akteure bescheren dem Leser ein phantastisches Abenteuer in filmreifer Qualität. Der Autor versteht es eindrucksvolle Bilder zu zeichnen, ohne die Bedeutsamkeit kleiner Details zu verlieren, gefühlvolle Momente zu erzeugen und jugendtypische Unsicherheiten und Probleme absolut nachempfindbar darzustellen. Ältere Leser werden sich hier u.a. deutlich an ihre eigene Schamesröte und weichen Beine des frühen Verliebtseins erinnern. Thomas Thiemeyer lädt Leser aller Altersklassen ein, sich mit einer Taschenlampe unter der Bettdecke zu verkriechen und sich der fesselnden Lektüre zu ergeben.

Thomas Thiemeyers „Der Palast des Poseidon – Chroniken der Weltensucher 2“ – Die spannende Fortsetzung der Abenteuer um Humboldt und seine Gefährten, deutlich technischer als der erste Roman, mit leichten phantastischen Momenten, einer feinen Sozialkritik und eindrucksvollem Kopfkino. Ein Jugendroman mit wissenschaftlichen Aspekten, lebensnahen Figuren und einer packenden Geschichte, in der der Begriff Abenteuer gross geschrieben wird. Ein Abenteuer-Jugendroman wie er sein muss.

Mehr zu dem Buch: Der Palast des Poseidon – Chroniken der Weltensucher 2

Mehr zu der Reihe: Weltensucher Chroniken

Rezension zum ersten Weltensucher Roman: Die Stadt der Regenfresser

Buchfakten:
Thomas Thiemeyer
Chroniken der Weltensucher
Der Palast des Poseidon
Loewe Verlag
ab 12 Jahren
Hardcover
480 Seiten, 14.0 x 21.5 cm
ISBN 978-3-7855-6576-6