James könnte auf den ersten Blick für einen ganz normalen Teenager gehalten werden. Der Zweite lässt daran jedoch bereits zweifeln, denn es zieren eine Unzahl von Kugelschreibernotizen seine Hände und Arme. Ein weiteres Kennenlernen, das nur von wenigen gewollt ist, offenbart einen begnadeten Dudelsackspieler und einen Klugscheisser, wie er im Buche steht, mit stets einem frechen Spruch auf der als zu losen Zunge und einer demonstrativen Ignoranz jeglicher Form von Autorität gegenüber. Doch hinter dieser Hülle verbirgt sich weit mehr und dieses gilt es vehement zu schützen. James ist verliebt und diese Liebe schmerzt. James ist ein Seher und hat ein Gespür für Ereignisse und Wesen, jenseits der normalen menschlichen Vorstellungskraft.

Mit seiner besten Freundin Deirdre, die seine wahren Gefühle nie erkannt und berücksichtigt hat, tritt James den Schuljahresanfang in dem Konservatorium Thornking-Ash an. Eine Musikschule für hochbegabte junge Talente, die doch kaum in der Lage sein wird, James in musikalischer Hinsicht zu fordern. Die Unterrichtstage plätschern dahin, bis der Teenager das erste mal das Lied hört. Zunächst nur die Andeutung einer Melodie, dann Worte und Klänge, so fremdartig, das sie ihm schon bekannt vorkommen. Auf dem waldigen Hügel hinter der Schule singt eine dunkle Erscheinung mit schwerem Geweih, doch ist ihr Lied nicht für James bestimmt und ein Näherkommen an den Singenden verspricht den Tod.

Was Deirdre in ihrem Mädchenwohnheim treibt interessiert James nicht mehr wie früher. Körperliche und seelische Narben zeugen von ihrer gemeinsamen Vergangenheit, doch eine Nähe, so wie einst, vor Luke, bleibt ein schmerzender Herzenswunsch. Dee ist es also nicht, die James vor dem Mädchen warnen kann, das seinen Musikunterricht belauscht hat. Doch auch ohne den Hinweis seiner Freundin, überzieht sich James Körper bei ihrem Anblick mit einer Gänsehaut. Eine Fee. Nuala, eine Leanan Sidhe, das niederste Geschöpf unter den Feenwesen, konnte sich der Anziehungskraft seiner musikalischen Perfektion nicht entziehen und unterbreitet James einen Pakt, der vor Verlockung und Bedrohung sprudelt. Nuala, das schönste Wesen, welches James je erblickt hat, nach der Feenkönigin, schmiegt sich dicht an seine Fersen und taucht in seinen Träumen. Doch Deirdre ist weit weg und das Fest der Toten naht…

Nach „Lamento – Im Bann der Feenkönigin“ eröffnet Maggie Stiefvater nun ein zweites Kapitel im turbulenten Leben von Dee und James. Dieses eigenständige Abenteuer, welches zwar eine Fortsetzung der Feen Reihe ist, aber absolut problemlos als einzelnes Buch gelesen werden kann, enthüllt sich als magischer Mix der ganz besonderen Art. „Ballade – Der Tanz der Feen“ ist ein wundervoller Fantasy Roman für jung und alt, in dem Maggie Stiefvater ihr einmaliges Talent deutlich macht. Mit James und Dee hat die Autorin zwei Figuren erschaffen, wie sie eigenständiger und individueller nicht sein könnten. Durch die Ich-Perspektiven von James und Nuala, aber auch die Kurznachrichtenabschnitte von Dee, zieht Maggie Stiefvater den Leser förmlich in ihre Charaktere hinein und baut eine äusserst seltene Nähe zu ihnen auf. Hier kann schlichtweg nur von einer grandios einfühlsamen Autorin die Redesein, die ihre Figuren bis in den letzten Gedankenwinkel kennt und versteht.

Wer aufgrund des Buchcovers und des Titels an pure Romantik denkt, wird eines besseren belehrt. Zwar baut Maggie Stiefvater eine filigrane Liebesgeschichte, voll Sehnsucht und Schmerz, auf, welche für sich schon unvergleichlich ist, in diesem Roman geht es aber höchst abenteuerlich zu. Die Feen stellen sich sehr schnell als äusserst unangenehme Gesellen heraus, die sich schlichtweg einen Dreck um die Menschheit scheren und rein gar nichts mit ihren glitzernden Verwandten aus Kinder- und Märchenbüchern gemein haben. Doch die Feen, in ihren unterschiedlichen, sehr interessanten Existenzen und durchaus aggressiven Verhältnissen zueinander, sind nicht die einzigen fantastischen Geschöpfe, die in „Ballade“ lauern. Haushoch hervorzuheben sei hier der Hüter der Toten, als eine begeisternd eindrucksvolle Gestalt, wie man sie sich in jedem Fantasy Roman wünschen würde.

Diese gekonnte und unverwechselbare Mischung aus kreativen Fantasyelementen, facettenreichen und unglaublich nahen Figuren, einem spannenden Abenteuer und einer schriftstellerischen Brillanz in allen Bereichen des Romans, machen aus „Der Tanz der Feen“ ein wundervolles Buch, das es jedem Leser leid tun würde, es nicht gelesen zu haben.

Maggie Stiefvaters „Ballade – Der Tanz der Feen“ – Ein höchst spannender und gefühlvoller Lesegenuss, der weit aus der Masse der Fantasy Veröffentlichungen heraussticht und von einer Autorin verfasst wurde, die nur als exzellent bezeichnet werden kann. Ein fesselndes und vielschichtiges Abenteuer, das durch seine Schöpferin vergleichslos auf weiter Flur steht.

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Buchfakten:
Maggie Stiefvater
Ballade. Der Tanz der Feen
PAN
Originaltitel: Ballad. A Gathering of Faerie
Seitenzahl 368
Ausstattung: HC + SU HC
ISBN 978-3-426-28311-0

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