In den sieben Königreichen geht ein mörderischer Schatten um, ein unbekannter, gesichtsloser Meuchler, dessen Klinge nach den Kehlen der Könige giert. Der Schnitter und sein Gefolge drohen den Frieden der Reiche zu erschüttern, kaum ein Palast scheint vor seinem Blutpfad sicher zu sein, selbst den spektakulären öffentlichen Königsmord, vor den Augen tausender Untertanen, scheut der nebulöse Assasine nicht.
Als Angst und Verfolgungsfurcht die Könige der sieben Länder heimsuchen, brechen alte Rivalitäten hervor und übereilte Entscheidungen lassen die Kriegstrommeln in den Reichen erschallen…

Wolf von Tanár hat den Kriegsdienst an den Nagel gehängt und sich, aus Liebe zu seiner Streunerin, einer handwerklichen Profession zugewandt. Das Arbeiten mit Holz füllt ihn nicht nur mit Befriedigung, sondern weckt nach einem langen Tag auch den Durst der Fleissigen. Als Streuner wird er seinem Ruf als Trinkgeselle mehr als gerecht, denn in diese Nacht lässt er die Kasse des Tavernenwirtes gut gefüllt zurück, als er Hals über Kopf in den nahen schmutzigen Fluss geschmissen wird. Frustriert von diesem Ausgang seiner Zecherei und reichlich wackelig auf den Beinen, bettet sich der Schwarzfell Streuner von Tanár an die Trümmer des alten Verteidigungswalls in Axthill.
Kaum niedergelassen wird Wolf jedoch Zeuge einer geheimen Zusammenkunft in den Schatten der brüchigen Mauerreste und kann ein geflüstertes Gespräch belauschen, dass ihm das Fell zu Berge stehen lässt. In dieser Nacht wird der Streuner keinen Schlaf mehr finden, denn beduselt von noch mehr Wein berichtet er einer gebannt lauschenden Scherenschrecke von der geflüsterten Verschwörung. Bevor Wolf jedoch, wieder nüchtern, einen Entschluss fassen kann, was mit dem Wissen anzufangen sei, prangert das, mit Blut geschriebene, Symbol des Schnitters in seiner Hütte…

Mit „Streuner“ von Manuel Charisius ist, nach Victoria Schlederers Des Teufels Maskerade, ein weiterer Gewinnerroman aus der „Magische Bestseller“ Ausschreibung von Heyne erschienen. Der Debütroman des jungen Autoren entpuppt sich als eine abenteuerliche Fantasy Queste im Gewand einer undurchsichtigen Verschwörung. Mit den Streunern begegnet dem Leser ein Volk, welches am ehesten als aufrecht gehenden Wolfs- bzw. Hundemenschen beschrieben werden kann. Zusammen mit Elben, Menschen und Scherenschrecken bilden sie die Völker im Land der Sieben Königreiche. Diese Völkerschöpfung kann nur als gelungen beschrieben werden, garantiert das Auftauchen eines Streuners doch eine gewisse Wildheit im Lauf des Geschehens. Manuel Charisius ist es hier gelungene eine eigene Spezies zu kreieren, die sich vor den klassischen Fantasyvölkern nicht zu verstecken braucht und sich sehr passend in das Weltgefüge des Romans integriert hat.

Das Abenteuer der Streunergruppe, eine Reise zwischen Jagd und Flucht, entwickelt sich als spannende Unternehmung eines Quattros, das durch seine unterschiedlichen Charaktere zu einem hitzigen Unterfangen wird. Freunde etwas raubeinigerer Helden, dürften an dem Jäger und begeisterten Krieger Zilber äussersten Gefallen finden. Zudem besticht die Gruppe durch eine innere Rangordnung, welche dem Tierischen der Streuner geschuldet ist, und kann sich hierdurch von Abenteurern anderer Romane ein Stück abheben. Auch bei seiner Hauptfigur Wolf geht der Autor einen eigenständigen Weg und so entblösst sich unter dem schwarzen Fell nicht nur ein intrigenumspinnter Krieger für das Wohl der Reiche, sondern auch eine Figur, die sich dem Glanz eines sympathischen Helden stückweise verweigert.
Wolf von Tanár ist das Opfer und der Jäger des Schnitters, ein Rächer dessen Morde, aber auch ein Macho mit überquellenden Besitzansprüchen an seine Frau und albische Geliebte. Nicht immer nachvollzieh- und empfindbar.

In der Entstehung des Abenteuers und bei Schlüsselbegegnungen innerhalb der Geschichte setzt der Debütautor leider auf das Element des Zufalls. Hier wird nicht geschickt eingefädelt oder sorgsam aufgebaut, der Zufall arrangiert die wesentlichen Romanmomente und lässt die Streuner auf ihr Abenteuer bzw. dessen nächste Instanz stossen. Dies mag bei manch einem Leser durchaus Enttäuschungen hervorrufen, jedoch schafft Manuel Charisius es, durch das Rasante seiner Geschichte und überraschende Enthüllungen, ein turbulentes Abenteuer zu entfesseln, in dem der Geruch von verschwitztem Fell förmlich aus den Seiten hervorquillt. Mit einer Feder der Abenteuerlust geschrieben, folgt „Streuner“ den Fussabdrücken eines Markus Heitz und entfaltet sich als Fantasy Action, die alles hat, was solche braucht.

Manuel Charisius „Streuner“ – Abenteuer-Fantasy a la Markus Heitz, in dem das Volk der Streuner ein Garant für rasante Wildheit ist. Ein „Magischer Bestseller“, der eine waghalsige Queste und kantige Figuren bietet, mit einem Schuss Magie garniert und in die bedrohliche Hülle einer Königsmörderverschwörung geschlungen wurde.

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Buchfakten:
Manuel Charisius
Streuner
Taschenbuch
Klappenbroschur, 576 Seiten, 11,8 x 18,7 cm
3 s/w Abbildungen
ISBN: 978-3-453-52702-7
Verlag: Heyne