Es geschah über Nacht, ohne Ankündigung, ohne Vorwarnung und niemand wusste wie das, was sich jetzt auf den Strassen Amerikas abspielt, geschehen konnte.
Die Toten sind zurückgekehrt, um sich an den Lebenden zu laben.
In den grossen Städten ist das Chaos ausgebrochen, die Armee bombardiert wahllos Stadtteile, Massenpanik regiert die Einkaufsmeilen, an eine planvolle Evakuierung ist nicht zu denken.
Wohin soll auch evakuiert werden?

Harris Suche beginnt am Tag des Ausbruchs, als der Vizepräsident noch beruhigende Reden im Fernsehen hält und in patriotischer Manier versucht zu beschwichtigen, den Feinden Amerikas werde man schon habhaft werden, das Militär habe alles unter Kontrolle, den Schauergeschichten sensationsorientierter Journalisten solle kein Glaube geschenkt werden. Doch dann fallen Nachbarn über Nachbarn her, Leichen stehen wieder auf und verbeissen sich in den nächstbesten Lebenden, Menschenmassen überrennen in Panik Polizeiabsperrungen, die Armee fliegt Giftgaseinsätze über Wohngebiete. Harris muss seine Frau finden. Sie hat sich retten, in ihr Büro einschliessen können, da ist er sich sicher und bricht aus dem beschaulichen Vorort auf, in den Krisenherd der City. Mit Buddy an seiner Seite, einem unterwegs aufgelesenen Gefährten, finden sie Harris Frau zwar nicht, dafür aber Eden.
Ein kleiner Stadtteil in New York, umzogen mit einer hohen Mauer, ist der letzte Zufluchtsort der Menschen. Hier hält eine Gruppe Männer eine Tyrannei aufrecht, die auf Sadismus und Angst basiert. Vor den Toren Edens lauern die Zombies, schlurfen umher oder kreischen wie besessen, zu Hunderten, Tausenden belagern sie die letzte menschliche Bastion, einen Mikrokosmos, in dem sich Trauer, Wut und Verzweiflung aufstauen zu einem Leben, an dessen Hülle der Wahnsinn nagt. Eden ist sicher, die Mauern hoch, die Wachposten aufmerksam und  kaum ein Mensch unbewaffnet, doch eines Nachts öffnet Eden seine Pforten den Untoten…

Bei Tony Mochinskis „Eden“ steht nicht nur Zombies drauf, es sind auch Zombies drin. Keine emotional handelnden Halbtoten, keine humoristischen Untoten Anekdoten, hier findet das grosse Fressen statt. Sei es die halbverweste Nonne, die nette Oma mit offener Bauchdecke von nebenan, die fleischgierige Tochter im Kinderzimmer, der Kiffer mit blutverkrusteten Dreadlocks, oder der fettleibige Abteilungsleiter, der sich ohne Beine durch die Gassen schleift, Mochinski zeichnet eine umfassende Zombie Apokalypse, in der die Lebenden auf dem Speiseplan ganz oben stehen und entsprechend reichlich vertilgt werden.
Dem untoten Ansturm stellt der Autor den Überlebenswillen einiger Menschen gegenüber, welche ganz unterschiedliche Lösungsmöglichkeiten für diese ausweglose Situation geschaffen haben. So begegnen Harris und Buddy Einsiedlern, auf den Dächern ihrer verschanzten Häuser, aber auch wagemutigen Suchern, nach einem entlegenen Ort ohne Untote. Harris und Buddy zählen zu keiner dieser beiden Gruppen, sie schiessen, hacken, sprengen und schlitzen sich durch Strassen und Hinterhöfe, so das hier von einem wahren Action Feuerwerk die Rede sein kann und dies ohne jemals eintönig zu werden. Als erfreulich stellt sich der Umstand heraus, das Buddy und Harris keine Übermenschen sind, sondern normale Bürger, die sich in einem sehr klar skizzierten Charakterbild bewegen, welches durch den allgegenwärtigen Tod geformt wurde.
So kann bei „Eden“ auch nicht von einer Art Egoshooter-Geschichte gesprochen werden, obwohl Mochinski das Gemetzel in bildhafter Darstellung bravourös beherrscht und beinahe jede menschliche Innerei einmal Erwähnung findet, sondern von Überlebenswegen interessanter Figuren, in einer Welt am Abgrund.

Der Autor verzichtet in seinem Zombie Roman auf einen geradlinigen Verlauf der Geschichte, sondern formt das Gesamtbild der Geschehnisse durch Zeitsprünge, welche sich über ein paar Tage erstrecken. So wechseln die Handlungsorte und Stadien der Untotenschwemme mit jedem Kapitel, in deren Zentrum jedoch stets Eden und das Schicksal von Harris und Buddy stehen. Diese Vorgehensweise entpuppt sich als gelungener Zug, der mit Leservorahnungen und Andeutungen zu spielen weiss, jedoch nicht  zu verschachtelt oder unübersichtlich wird.
Ein blutiges Zombiemassaker, welches sich durch seine rasanten Momente, bildhafte Sprache und bewahrter Menschlichkeit als Filmvorlage förmlich aufdrängt.

Tony Mochinskis „Eden“ – Ein Überlebensdrama in einer Welt der wandelnden Toten, mit reichlich Blutverlust, zerschossenen Zombieköpfen und fliegenden Innereien, welches sich eine spannende Geschichte mit interessanten Figuren bewahrt hat. Packende Action und eindrucksvolle Bilder eines Endzeitszenarios, in dem der Wahn zur Wirklichkeit geworden ist.

Mehr zu dem Buch: Eden

Buchfakten:
Tony Mochinski
Eden
Roman
Originaltitel: Eden – A Zombie Novel
Originalverlag: Permuted Press
Aus dem Amerikanischen von Reinhold H. Mai
Paperback, Broschur, 480 Seiten, 13,5 x 20,6 cm
ISBN: 978-3-453-52665-5
Verlag: Heyne