Über Chicago wütet der heftigste Wintersturm, den diese Stadt je erlebt hat und Sarah rennt um ihr Leben. Obwohl sie selbst indianische Wurzeln hat, schenkt sie dem alten Mythos von einem Wintergeist keinen Glauben. Doch im wirbelnden Schnee und reissenden Wind wispert eine Stimme ihren Namen.
Auf Sarahs Flucht versucht der unheimliche Sprecher von ihren Gedanken Besitz zu ergreifen. Für einen kurzen Moment gelingt dies ihm auch, als Sarah mitten auf einer viel befahrenen Strasse steht. In letzter Sekunde reisst ein fremder Mann sie auf den Gehweg, doch als Sarah in seine Augen blickt, glühen diese in einem unheilvollen Rot.

Der Wendigo geistert durch Chicago und hinterlässt eine blutige Spur in der hohen Schneedecke. Jetzt hat er es scheinbar auf Sarah abgesehen und sie muss sich einem Aberglauben stellen, dessen Ursprung an jenem Ort liegt, von dem sie einst fliehen musste…

Thomas Jeier, der diesen Jugend Mystery / Urban Fantasy Thriller, unter dem Pseudonym Josh Ericson verfasste, dürfte manch einem jugendlichen Leser auch als Christopher Ross bekannt sein, besonders durch dessen romantische Abenteuerromane. Winterkill entpuppt sich als spannendes und mysteriöses Großstadtabenteuer, das mit dem Ursprünglichen und Geheimnisvollen der indianischen Kultur Amerikas spielt. Mit dem Wendigo greift der Autor die Mythologie eines Wesens der Anishinabe Indianer auf und führt es in das moderne Chicago.
Äusserst angenehm und durchaus sozialkritisch gewährt Josh Ericson einen Einblick in die Geschichte und den Aberglauben der nordamerikanischen Ureinwohner, sowie ihre Entwicklung, geprägt durch Verdrängung in Reservate, bis zur heutigen Zeit. Dieses geschieht jedoch nicht mit erhobenem Zeigefinger und in Oberlehrermanier, der Leser nimmt durch Sarahs Augen ein kleines Stück an dem Schicksal und den Widersprüchen der indianischen Gesellschaft in dem Amerika des 21. Jahrhunderts teil.

Winterkill ist durchgehend mysteriös gehalten, nicht nur durch die nebelige Beschreibung des Wendigo, sondern auch durch den Umstand, das Sarahs Rolle in dem Roman lange eher unklar bleibt und sie, in mehrerer Hinsicht, in einer verzweifelten Opferrolle steckt. Die Geheimnisse um das Auftauchen des Wintergeistes und Sarahs verschwiegene Vergangenheit enthüllen sich nur langsam, auf dem Weg dorthin geht es jedoch turbulent und halsbrecherisch zu.
Neben diesen gekonnt eingefädelten Actionsequenzen und atemberaubenden Verfolgungsjagden, ist es vor allem der allgegenwärtige Winter, welcher zu überzeugen weiss. Hier hat Josh Ericson einen ganz eigenen, sehr atmosphärischen Fluch der Natur erschaffen und sein Jugendabenteuer zu einem frostig-fantastischen Thriller reifen lassen. Die Charaktere in Winterkill haben den sympathischen Charme von Figuren aus dem alltäglichen Leben, so das der Leser sich Sarah auch problemlos als Bekannte von nebenan vorstellen kann.

Winterkill zielt auf ein jugendliches Publikum ab und dürfte dieses auch entsprechend zu fesseln wissen. Ältere Leser sollten sich eventuell darauf gefasst machen ein wenig unterfordert zu werden. Mit seiner stürmischen und frostigen Atmosphäre ist Josh Ericson ein fantastischer Thriller gelungen, der ein schauriges kurzweiliges Lesevergnügen bereitet, welches sich am besten unter warmen Decken vollziehen lässt.

Josh Ericsons „Winterkill“ – Ein Mystery Thriller für jugendliche Leser, mit einer stürmischen Winteratmosphäre, einem geheimnisvollen Hauch indianischer Mythologie und rasanter Spannung. Wer es gerne schaurig-frostig mag, sollte hier zugreifen und sich den Stimmen des Windes stellen.

Mehr zu dem Buch: Winterkill

Buchfakten:
Josh Ericson
Winterkill
Ueberreuter
ab 14 Jahren
13,5 x 21,5 cm
304 Seiten
ISBN: 978-3-8000-5310-0

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