2005 hat der Verlag Torsten Low das Licht der Welt erblickt und stellt seitdem mit seinen Veröffentlichungen nicht nur eine Bereicherung im Bereich der phantastischen Literatur dar, sondern hat sich auch vom Image des Selbstverlegers zu einem angesehenen Kleinverlag gemausert, in dessen Anthologien längst bekannte Autoren des Fantasy Genres zum festen Bestandteil gehören.
Torsten Low berichtet über die Entwicklung seines Verlages, die Entstehung der Buchprojekte, Zusammenarbeit mit Autoren, kommende Veröffentlichungen, uvm.

Viel Spass mit dem Verlags-Interview mit Torsten Low!

Gehen wir einen Moment lang davon aus, dass noch nicht jedem Leser der Verlag Torsten Low etwas sagt. Wie bist du zum Verleger geworden und welche Literatur findet sich in deinem Verlag?

Angefangen hat es damit, dass ich irgendwann meinen ersten Roman geschrieben hatte und ziemlich unschlüssig war, was ich nun damit anstellen sollte.
Ich rechnete mir keine großen Hoffnungen aus, bei einem Publikumsverlag unterzukommen – ein unbekannter Jungautor, der mit einem Fantasy-Vierteiler daherkommt, von dem aber nur der erste Teil bisher geschrieben wurde. Noch dazu, wo mein Roman von etwas – nennen wir es mal sperrigen – Protagonisten dominiert wird. Dazu kam ein Interview mit einer Lektorin, welches ich gelesen hatte und welches mir völlig den Mut nahm.
Dienstleisterverlage erschienen mir suspekt – eigentlich wollte ich ja kein Geld dafür ausgeben, veröffentlicht zu werden. Im Gegenteil –ein kleines Honorar wäre schon ganz nett.
Und BoD hatte damals noch recht teure Preise.
Am Ende war ich der Meinung, dass sich eh keiner für das Buch interessieren würde und gab die Suche auf, noch bevor sie begonnen hatte. Ich habe nicht einmal mein Manuskript herumgeschickt.
In der Überzeugung, dass es ja eh nur für mich und eine gute Freundin sei, produzierten meine Frau und ich 2 Exemplare von Hand. Dann kam der Größenwahn hinzu – ich kaufte eine ISBN, produzierte 4 Pflichtexemplare und lieferte sie an die Bibliotheken.
Danach – so meinte ich – wäre die Sache gegessen.
Aber das Gegenteil war der Fall. Es hatten ein paar Leute mitbekommen, ich bekam ein paar Bestellungen und weil ich immer alles richtig machen will, bin ich aufs Gewerbeamt gegangen und habe einen Verlag angemeldet.
So ist der Verlag 2005 entstanden – und mittlerweile hat er das Korsett des Selbstverlages abgestreift. 2008 erschien mit »Lichtbringer« die erste Anthologie, 2010 mit »Im Zentrum der Spirale« der erste Roman, der nicht aus meiner Feder stammt.
Wir verlegen Phantastik in allen Spielarten, also Fantasy, Dark Fantasy und Horror – und demnächst vielleicht auch SF.

Deine bisherigen Anthologien hatten stets einen externen Herausgeber. Wie sind diese Zusammenarbeiten entstanden und warum beziehst du Menschen außerhalb des Verlages in deine Projekte mit ein? Zu viele Köche können ja bekanntlich auch den Brei verderben…

Gegenfrage: Hast du den Eindruck, dass dies bei einer der Anthologien der Fall sei? Ich hole mir natürlich externe Herausgeber ins Boot, bei einem 1-Mann-Unternehmen macht man es entweder selber oder man sucht sich externe Unterstützung. Mir war aber sehr wichtig, dass ich das Selbstverleger-Image hinter mir lasse.
Bei »Lichtbringer« hatte ich die Idee, etwas mit den Jungautoren des Schreibforums »Verlorene Werke« auf die Beine zu stellen. Diese Idee habe ich dann mit der Forumseignerin Daniela Höhne diskutiert und wir haben ein gemeinsames Konzept und eine Jury auf die Beine gestellt. Die Zusammenarbeit mit der Jury war auf jeden Fall für mich recht lehrreich – aber es war auch eine spannende und interessante Zeit. Und es wird sicher eine weitere Zusammenarbeit mit Daniela geben.
Bei den »Metamorphosen« war ich gar nicht involviert – ich bekam quasi das fertige Projekt angeboten und entschied mich, es herauszugeben. Aber auch da war die Zusammenarbeit bis zum fertigen Buch sehr gut, so dass die Geschichtenweber mich auf einen Nachfolger angesprochen haben.
Fabienne Siegmund habe ich 2009 auf der FeenCon kennengelernt. Kurz danach hat sie mich wegen den »Grotesken« gefragt. Dazu muss ich sagen, dass sie wirklich ganz großartige Arbeit geleistet hat. Ich musste nur noch mein OK zu den Geschichten geben. Auch da ist bereits das nächste gemeinsame Projekt in Planung. Bald, schon sehr bald …
Beim »Weltenbaum« wurde ich vom Eigner des Fantasy-Forums angesprochen, ob ich mir eine Forumsanthologie vorstellen könnte. Ich bin seit vielen Jahren ein häufiger Gast in diesem Forum und so sagte ich zu, unter der Voraussetzung, das die Qualität der Geschichten passt.

Der Verlag Torsten Low ist ein Kleinunternehmen d.h. es ist noch nicht davon auszugehen, dass er dir ein Leben in Saus und Braus beschert. Wofür also machst du diese aufwändige Arbeit, was ist dein Antrieb?

Ich habe ja vorhin erzählt, wie schwer ich mich mit den ersten Schritten getan habe. Ich bin überzeugt davon, dass es viele gute Autoren gibt, die sich ähnlich schwer tun. Für diese ist es vielleicht von Vorteil, sich schon die ersten Sporen in einem seriösen Kleinverlag verdient zu haben.
Außerdem liebe ich gute Bücher. Und ich liebe es, Bücher zu machen. Ich produziere nur das, wovon ich überzeugt bin. Nur das, wo ich auch selber mit ganzem Herzen dahinterstehe.

Lichtbringer, Weltenbaum, Metamorphosen, Grotesken,… Wie entwickelst du den inhaltlichen Rahmen für die Anthologien in deinem Verlagsprogramm?

Meist erhalte ich ja eine Nachfrage, ob ich mir etwas zu einem bestimmten Thema vorstellen könnte. Natürlich muss das noch verfeinert werden, so dass man nicht auf Weiden grast, die schon von x Verlagen vor einem abgegrast wurden. Wenn man eine Ausschreibung über den Cthulhu-Mythos macht, kommt halt was komplett anderes heraus, wie bei einer Ausschreibung über Metamorphosen, die im Cthulhu-Universum spielen.

Du hast bis dato für alle Anthologien öffentlich zu Kurzgeschichteneinsendungen eingeladen. Das erzeugt natürlich eine gewisse Vorfreude auf die Veröffentlichung bei den Lesern. Es wird davon ausgegangen, dass nach Sichtung aller eingereichten Geschichten dann eine druckfrische Anthologie im Verlagsprogramm zu finden sein wird. Andererseits kannst du nur mit dem Material arbeiten was auch eingereicht wurde.

Mal ganz offen gefragt: Was macht der Verlag Torsten Low, wenn am Ende einer Ausschreibung nur Mist auf dem Schreibtisch liegt, der deinen Ansprüchen absolut nicht gerecht wird?

Ganz offen geantwortet: Wenn wirklich nur Mist auf meinem Tisch landen würde, würde ich die Ausschreibung einstampfen.
Ich habe für jedes Buchprojekt eine nette vierstellige Summe vorzuschießen, die ja irgendwann mal wieder eingespielt werden muss. Und selbst wenn es sich verkaufen ließe, weil der Leser ja eine gewisse Qualität von uns gewohnt ist und damit nichts Schlechtes erwartet, würde sich dieses Verhalten spätestens beim nächsten Projekt niederschlagen – egal, ob gut oder schlecht.
Wenn das Buch so mies werden würde, dass ich nicht mehr von einem Erfolg überzeugt bin, sage ich das Buch lieber ab, als Dreck zu produzieren.

Vampire sind seit Stephenie Meyers Bestsellererfolgen in den Programmen beinahe sämtlicher Verlage zu finden. Warum hat der Verlag Torsten Low bislang keine spitzen Eckzähne in Form einer bissigen Veröffentlichung gezeigt?

Weil der Verlag Torsten Low bis vor Kurzem ausschließlich in der Freizeit betrieben wurde. Neue Projekte dauern bei uns halt etwas länger, als bei Verlagen, die hauptberuflich betrieben werden. Passende Manuskripte hätte ich – und in diesem Jahr werden wir definitiv noch mindestens einen Vampirroman herausbringen, wahrscheinlich sogar zwei.

Dein Weg führte vom Leser zum Verleger, du hast quasi die Seiten gewechselt vom Konsumenten phantastischer Literatur zu dessen Anbieter. Was hat sich, für dich persönlich, in deinem Blick auf das Genre der Phantastik und der Verlagsarbeit geändert?

Ich habe seit Bestehen des Verlages sehr viel gelernt. Wenn ich vor der Verlagsgründung noch davon überzeugt war, dass Lektoren und Verleger ignorant sind, weil sie sich auf Lizenzausgaben und Stammautoren verlassen, weiß ich heute viel mehr über die Hintergründe. Ich erlebe am eigenen Leib, in welcher Form Autoren sich beispielsweise bei einem Verlag bewerben. Da werden Exposes auf Schmierpapier (Rückseite beschrieben) ausgedruckt. Da werden Anschreiben mit fünfzehn Zeilen und vierzig (!) Fehlern verfasst. Da wird lieber Zeit in ein selbst erstelltes „Titelbild“ gesteckt, als das Manuskript ein zweites Mal zu überarbeiten.
Ich weiß mittlerweile: Lektoren schicken nicht etwa eine Ablehnung, weil sie die Genialität des Autors nicht erkennen. Lektoren schicken eine Ablehnung, weil der Autor oftmals nicht versteht, dass er sich mit seinem Manuskript um einen Job bewirbt. Und zwar gleichzeitig mit mehreren hundert anderen Jungautoren pro Woche.
Ansonsten hat sich im Hinblick auf die Phantastik für mich nur eines geändert. Ich kaufe nach wie vor phantastische Bücher. Aber es ist etwas ganz wunderbares, den Probedruck eines Projektes in die Hand zu nehmen und darin zu blättern und zu lesen. Das ist einfach unvergleichlich.

Du gibst regelmäßig Lesungen aus deinem Verlagsprogramm, reist mit dem Lesemobil durch die Republik, bist aber auch in Onlinegemeinschaften sehr aktiv. Welche Bedeutung hat dieser Kontakt zu den Lesern für dich und warum ist er dir so wichtig?

Der Kontakt zu den Lesern ist mir sehr wichtig. Ich meine, natürlich habe ich meinen eigenen Geschmack. Aber wer, wenn nicht die Leser unserer Bücher, könnte mir sagen, ob ich mit meiner Auswahl auch den Geschmack der Leser treffe.
Außerdem macht es einfach wahnsinnig viel Spaß, eine Lesung zu halten, das Publikum zum Erstaunen oder zum Toben zu bringen.

Gib uns doch bitte mal einen Einblick in den Arbeitsaufwand, den eine Anthologie mit sich bringt. Wie viel Zeit hat Geisterhafte Grotesken verschlungen? Wie viele Einsendungen mussten gelesen werden und welche Arbeitsschritte mussten vollzogen werden?

Nun, der Arbeitsaufwand ist sehr unterschiedlich. Bei den Geisterhaften Grotesken wurde mir sehr, wirklich sehr viel Arbeit von Fabienne abgenommen. Sie hat quasi fast die komplette Vorbereitung, die Ausschreibung und das Anschreiben der bekannten Autoren alleine in die Hand genommen. Das sind normalerweise schon mal ein paar Tage. Danach kommt das Auswählen der Geschichten, bei weit über 100 Geschichten ist man auch damit ein paar Wochen beschäftigt. Dann das Verschicken der Verträge, das Lektorieren und Korrigieren und zuletzt das Setzen des Textes. Prüfen des Probedrucks, eventuelle letzte Korrekturen und dann geht der Auftrag an die Druckerei.
Das können schon mal gute 3 Monate Zeit fressen (wobei man immer davon ausgehen muss, dass ich den Verlag nebenher betreibe – bei Vollzeit wäre es einiges weniger).

Mit Metamorphosen hat sich bereits angekündigt das auch düstere Phantastik und Horror einen Platz in dem lowschen Verlagsprogramm haben. Sind zurzeit weitere Veröffentlichungen in diesem Bereich in Planung?

Nun, die erste ist sogar bereits erschienen. Mit »Im Zentrum der Spirale« von Cecille Ravencraft ist ein richtig heftiger Kannibalen-Horror erschienen. Desweiteren sind, wie schon mal erwähnt, noch ein bis zwei Veröffentlichungen mit »Biss« geplant. Und die nächste Cthulhu-Ausschreibung ist ja auch bereits angekündigt.

So gern sie auch als schwarze Schafe der Verlagswelt betitelt werden, es gibt, auch im Fantasy Bereich, nicht gerade wenige „Verlage“, die von ihren Autoren eine finanzielle Beteiligung an einer Buchveröffentlichung erwarten, sein es die kompletten Druckkosten, die Finanzierung des Lektorats, einen Zuschuss bei der Erstellung des Covers, eine Mindestabnahme der Bücher,… Dein Verlag stellt sich konsequent gegen solche Praktiken und entblösst all jene als Lügner, die behaupten es sei als Kleinverlag nicht anders möglich, als beim Autoren zu kassieren. Warum diese klare Linie in deiner Verlagsarbeit?

Ganz klar – ich möchte irgendwann mal vom Verlag leben können. Aber mein Hauptanliegen ist es, gute Bücher herauszubringen.
Ehrlich gesagt haben wir wirklich ganz am Anfang daran gedacht, die Autoren um einen Zuschuss zu bitten. Aber ich habe mir mal überlegt, wie es wohl wäre, wenn mein Arbeitgeber (bei meinem Hauptjob) von mir im voraus Miete für seine Büroräume oder anteilige Finanzierung der Energiekosten der Firma oder einen anteiligen Zuschuss zum Lohn des Pförtners und der Sekretärin verlangt. In keiner Branche ist es üblich, dass jemand eine Leistung oder Arbeit erbringt und dafür bezahlen muss. Wäre ja auch nicht fair, oder?
Also habe ich mir gesagt, ich bringe entweder Bücher auf den klassischen Weg heraus – oder gar nicht. Fair verlegen halt. Und das funktioniert bisher eigentlich ganz gut.

Nach vier tollen Anthologien, verrate uns doch bitte, welche deine persönlichen Lieblingsgeschichten aus ihnen sind. Welche liest du selbst immer wieder gerne?

Erst einmal – ich mag alle Geschichten. Sonst wären sie nicht in den Anthologien gelandet.
Bei »Lichtbringer« sind meine Favoriten »Das Lied des Barden« und »Duell bei Nacht«. Bei den »Metamorphosen« ist es ganz klar »Die Schokolade des Herrn Bost«- und die trage ich auch gerne bei Lesungen vor –, dicht gefolgt von »Der Veränderte«. Bei den »Geschichten unter dem Weltenbaum« mag ich den »miesesten Job der Welt« sehr gern. Auch die Ragnarök-Geschichte ist meiner Meinung nach sehr gut gelungen. Und bei den »Geisterhaften Grotesken« haben sich so viele Geschichten einen Lieblingsplatz bei mir im Herzen erkämpft, dass ich sie gar nicht alle aufzählen kann.

2005 hast du Dunkel über Daingistan herausgebracht und seitdem dürfte sich auch einiges jenseits der öffentlichen Wahrnehmung, in Bezug auf deinen Verlag, ereignet haben. Was waren die schönsten, skurrilsten und interessantesten Momente in deiner Verlagsarbeit?

Die schönsten, skurrilsten und interessantesten Momente sind wohl immer die ersten Male. Die erste Lesung war einfach großartig – und mit Heide Solveig Göttner saß eine renommierte Autorin im Publikum. Das erste Mal Werbezettelverteilen – was einem da so alles passieren kann, hätte ich nie geglaubt, wenn ich es nicht selber erlebt hätte. Die erste Ausschreibung – das fast verzweifelte Warten auf die Geschichten und dann die Erleichterung am letzten Tag, als die ganzen Storys eintrudelten. Die erste Live-Buchbindevorführung – man glaubt gar nicht, was alles schief gehen kann, wenn man aufgeregt ist und fremde Leute zuschauen. Und wenn man es dann trotzdem schafft, dass das Publikum es nicht mitbekommt und doch noch ein Buch daraus wird – das ist schon fast Kunst.
Und jedes Mal, wenn ein neues Buch aus der Druckerei kommt.

Wo siehst du, erträumst dir vielleicht auch, den Verlag Torsten Low in, sagen wir, 10 Jahren?

Mit einer dicken Zigarre und einem Glas Sherry im Ledersessel, während Hunderte Angestellte die Arbeit machen … Nein, Quatsch – das wäre nicht ich.
Ich würde mich freuen, wenn ich in ein paar Jahren den Verlag auf so stabilen Füßen habe, dass er mir und meiner Familie ein gutes Auskommen bietet – selbst, wenn mal ein Projekt nicht so gut läuft.

Danke für die tollen und ausführlichen Antworten!

Ich danke für das Interview. Ach ja, noch eins für die Leser dieses Interviews.
Leute, lest mehr!

Danke.

Homepage des Verlags: Torsten Low