Vorbei die Zeiten, in denen dunkle Tannen und grüne Wiesen im Sonnenschein die heile Welt von Heidi waren! Das Totenreich spuckt seine Bewohner wieder aus und in der schönen Alpenwelt gehen die menschenfressenden Niänenüütli um.
Da hilft nur der beherzt Einsatz eines spitzen Pflöcklis, mächtigen Füüschtligs oder scharfen Pfyffelis.
Die kleine Heide kommt aus dem Staunen kaum raus, als sie von ihrer Tante zur hoch gelegenen Hütte des alten Öhis geschleppt wird. Nach dem Tod ihrer Mutter Adelheid solle der Grossvater nun um das rotbäckige Kind sorgen, schliesslich sei die Tante geschäftlich viel zu eingespannt. Doch Heidis Mutter ist nicht tot, wie sie in dunkler Nacht erfahren soll…

Was freut sich Heidi da, als sie über grüne Wiesen laufen kann, mit Peter die Geißen zu den Weidegründen treiben darf und der Grossvater stets mit einer Schüssel frischer Ziegenmilch auf ihre Rückkehr wartet. Heidi hat sich eingelebt in der Hütte des Öhis, weit ab des Dörflis. Doch kaum hat die kleine, liebreizende Heide sich an das Leben in der Natur gewöhnt und den Grossvater tief in ihr Herz geschlossen, da taucht ihre Tante unerwartet in ihrem neuen Zuhause auf. Heidi soll mit nach Frankfurt kommen, dort hat die Tante eine Anstellung als Köchin gefunden, in wohlhabendem Hause, doch das Töchterchen des Hausherren ist an den Rollstuhl gefesselt und trübselig Tag ein Tag aus. Heidi verspricht dem Öhi und Peter schon am Abend wieder zurück in der Hütte zu sein, sich Frankfurt nur ganz kurz anzugucken, doch ihre Tante hat ganz andere Pläne.
Heidi soll in der Grossstadt bleiben, Klara unterhalten und eifrig Schreiben und Lesen lernen. Sie soll ein Stadtkind werden.
Unbemerkt von Heidi und ihrem traurig zurückgelassenen Grossvater schleicht ein Schatten durch das ruhige Dörfli, in dem er schon einmal das Blut einer Bewohnerin kostete. Doch die von ihm Gesuchte ist verschwunden. Frankfurt heisst sein neues Ziel, eine Festung gegen die wandelnden Toten…

Wer hinter dem, zum Inhalt passenden, Pseudonym Peter H. Geissen steckt ist noch nicht bekannt, aber hier ist ein Autor am Werk, der nicht nur die schräge Idee hatte den Kinderbuchklassiker Heidi mit Zombies zu versehen, sondern dies auch auf absolut gelungene Weise umsetzten konnte. Inhaltlich dicht an dem Original Heidis Lehr- und Wanderjahre von Johanna Spyri orientiert, ist hier ein Zombie Mash Up entstanden, das nur als skurril und aberwitzig beschrieben werden kann. Heidi und die Monster ist sicher kein Buch für Jedermann, man wird es lieben oder rein gar nichts mit ihm anfangen können. Wer sich allerdings auf die Geschichte einlässt, entdeckt eine tolle Zombieinszenierung, die sich harmonsich in Heidis Alpenwelt einfügt und richtig Spass macht.

Zwischen abgeschlagenen Köpfen und verwesenden Körpern stolpert Heidi in das grosse, fremde Frankfurt und gerät in einen lustigen Konflikt mit dem stocksteifen Anstand eines selbstherrlichen Haushaltes, der mit ihrer unbekümmerten Naivität und kompletten Weltfremdheit rein gar nichts anzufangen weiss. Hier ist es Peter H. Geißen wirklich gelungen eine zuckersüsse Hauptfigur erneut zu beleben, die sich eifrig tappsend tief in das Leserherz schleicht. Schon nach den ersten Seiten bangt man mit Heidis Schicksal, fühlt mit dem Kind und wird von ihrer Fröhlichkeit erwärmt. In Heidi und die Monster wird zwar eine recht simple Geschichte erzählt, aber diese sprüht vor ansteckender kindlicher Lebensfreude, in der vollständig reglementierten Erwachsenenwelt Frankfurts und den gefrässigen Niänenüütlihorden.
Ein schräges aber liebevoll umgesetztes Zombie Mash Up.

Hochdeutsch sprechende Leser werden zudem ihren Spass an dem schweizerischen Dialekt des Romans haben, wie auch die gesamte Geschichte durch altertümliche Formulierungen und Ausdrucksformen zunächst etwas verwirrt, sich dann aber als köstlicher Schachzug entpuppt. Wenn das Pfyffeli das verrottete Niänenüütli köpft, bekommt das Gemetzel in Heidi und die Monster eine humoristische Note, die perfekt in diese Alpenzombiewelt passt und aussergewöhnliche Lesestunden verspricht. Zwischen Mitbangen, Kopfschütteln und Lachen verlangt der Roman dem Leser alle emotionalen Regungen ab, ist durchaus spannend geschrieben und kurzweilige fantastische Unterhaltung, wie sie absurder und besser nicht sein könnte.

Johanna Spyris und Peter H. Geißens „Heidi und die Monster“ – Ein gelungenes, liebevoll ausgearbeitetes Zombie Mash Up, das sowohl der berühmten Kinderbuchfigur, als auch der Endzeitstimmung einer Zombie Apokalypse gerecht wird und durch diese Absurdität köstlich zu unterhalten weiss. Eine herzerwärmende Hauptfigur in einer witzigen, ungewöhnlichen und spannenden Untoten Geschichte.

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Buchfakten:
Heidi und die Monster
Johanna Spyri und Peter H. Geißen
Goldmann Verlag
Oktober 2010
288 Seiten
ISBN: 978-3442312443

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