Summer ist auf der Flucht. Vor einem Jahre wurde die junge Frau aus den Trümmern eines zerstörten Hauses geborgen, doch ihre Erinnerungen ließ sie in jener Schicksalsnacht zurück. Doch beängstigend regelmäßig dringen Erinnerungsfetzen in ihre Gedanken, überlagern die Realität mit unbegreiflichen Bilder.
Der schrecklichste Traum handelt von dem Blutmann, seinen dunklen Handschuhen und seinem langem Schwert. Bei einem von Summers Bühnenauftritten in dem kleinen Zirkus sitzt er plötzlich da. Der Blutmann. Summers Flucht beginnt von Neuem, wie so oft zuvor streift sie ihre Identität, wie eine überalterte Hülle ab und flieht vor dem fleischgewordenen Alptraum ihrer bruchstückhaften Erinnerungen.

Völlig überraschend taucht Anzej in Summers düsterem Versteck auf. Der Mann ist nackt, aber in einen grauen Schleier aus Staub gehüllt, ihrer Sprache nicht mächtig und doch bietet der Fremde seine Hilfe an. Mit dem mysteriösen Blutmann an den Fersen hastet das scheinbar ungleiche Paar davon, dem Vorsatz folgend ein Schiff in den Norden zu bekommen. Das weite Land der Fjorde ist Andzejs Heimat und den Narben an seinem Körper nach zu urteilen, eine Grausame.
Doch der Norden wird vom Krieg erschüttert. Ein Bündnis aus Baronen stellt sich Lady Tod, einer kriegslüsternden Herrscherin, deren Name nur geflüstert ausgesprochen wird und die über dunkle Kräfte verfügen soll. Auch Summer und Andzej treffen in dem chaotischen Hafenviertel auf Anwerber für den Feldzug gegen die dunkle Lady des Nordens. Summer weigert sich strikt in diesen blutigen Konflikt hineingezogen zu werden, da zieht sich die Falle des Blutmanns und seiner Gehilfen zu. Summer wird schlagartig vor eine unbarmherzige Wahl gestellt. Entweder tritt die junge Frau dem Mann gegenüber, vor dem sie sich panisch fürchtet oder sie ergreift die Chance auf eine Flucht über das Meer, in den kriegserschütterten kalten Norden…

Mit Ascheherz lässt Nina Blazon, ihre Leser erneut in die Welt des Erfolgsromans Faunblut eintauchen und erzählt eine Fortsetzung, mit einer unerwarteten Geschichte. Leser die Faunblut kennen dürfen sich auf einige äusserst interessante Wiedersehen mit bekannten Figuren einstellen und sich an dem einen oder anderen Zwinkern an das vorherige Werk erfreuen. Wer Faunblut nicht kennt, kann aber absolut bedenkenlos zu Ascherherz greifen, da hier eine eigenständige Geschichte erzählt wird, die keinerlei Vorkenntnisse erfordert und auch einen deutlichen zeitlichen Abstand zu der spannenden Handlung in Faunblut aufweist.

Nina Blazon ist nicht nur eine der Top AutorInnen des fantastischen Genres, sie schafft es auch, dies mit jedem neuem Roman erneut unter Beweis zu stellen. So webt sie auch in Ascheherz einen mitreissenden Zauber, in eine ungewöhnliche und romantische Geschichte. Nina Blazon ist eine Malerin, deren Bilder gefühlvoll von ihr niedergeschrieben werden und so ist auch Ascheherz ein Buch mit verschlungenen Farben und sich kräuselnden Linien. Es erzählt eine sehr schöne Liebesgeschichte, die sich in den Wirren von Summers Erinnerungsbruchstücken nur widerstrebend auffinden lässt und eröffnet zugleich einen wesentlich grösseren Horizont, vor dem diese Romanze besteht. Ascheherz ist ein Abenteuer, um verlorene Erinnerungen, (alp)traumhafte Ereignisse und das unschuldige Spiel mit dem Tod.

Nina Blazon schreibt äußerst feinfühlig und in gleichem Masse sind auch ihre Figuren gezeichnet. Summer überzeugt durch Tiefe und Facettenreichtum und doch birgt sie in sich ein fremdes, undurchsichtiges Wesen, dass aus dieser jungen Frau eine äußerst spannende Akteurin macht. Wenn Nina Blazon von Gefühlen, großen Abenteuern, faszinierenden Landschaften und Wesen schreibt, beherrscht sie dies nicht nur tadellos, es ist es stets anders, tiefgründig und vergleichslos. Auch in Ascheherz geht die Autorin, für einen Romantasy Roman, ungewöhnliche Wege und enthüllt eine liebevoll gestaltete Welt, die nicht nur zu beeidnrucken weiss, sondern auch einer Reise zu neuen Ufern gleich kommt.
Das Spannende in Ascheherz findet sich durchaus auch in actionreichen Momenten wieder, Fluchten, Kriegshandlungen und der Jagd des Blutmannes, in viel stärkerem Masse jedoch, in den leiseren Situationen, die Geheimnisse enthüllen und an der Oberfläche von Summers vergessenen Erinnerungen kratzen. So wird diese Geschichte zu einem sogförmigen Strudel, in die dunklen Tiefen von Summers Gedächtnis, auf dessen Grund das Unvorhersehbare, Faszinierende und Tödliche liegt.

Mit einer Welt, in der Dampflokomotiven rauchend verkehren, das Gewehr seinen Siegeszug auf den Schlachtfeldern antritt, Tiermenschen in der Wildnis jagen, Schmetterlinge wenigen Auserwählten Flügel leihen und riesige Hai ihre kleinen, fast menschlichen, Schwestern durch die eiskalten Meere führen, begibt sich Ascheherz in einen untypische und zugleich wundervollen Schauplatz für seine Geschichte. Inhaltlich wird kein Schwarz-Weiss Muster präsentiert, sondern authentische Figuren, auf ihrer verzweigten Suche nach einem Platz in der Welt, ihrem Leben und dem Tod. Höchst einfühlsam geschrieben und brillant ausgeformt, ist Ascheherz ein spannender Roman, mit einer romantischen Note zwischen vergessener Liebe und gewonnenem Tod. Ungewöhnlich, gefühlvoll, fesselnd.

Nina Blazons „Ascheherz“ – Romantische Fantasy jenseits des Erwartetem, ein Abenteuer, dass ungewöhnliche Wege geht, sich spannend entwickelt und eine Geschichte entzaubert, die sich in jedes Leserherz schleichen wird. Wundervoll geschrieben, packend erzählt, mit fantasievollen und erstaunlichen Geschöpfen, ist dieser Roman ein außergewöhnliches und meisterliches Leseerlebnis.

Ascheherz erscheint am 10. Januar 2011.

Mehr zu dem Buch: Ascheherz

Buchfakten:
Nina Blazon
Ascheherz
Ab 13 Jahren
Gebundenes Buch mit Schutzumschlag
544 Seiten, 15,0 x 22,7 cm
ISBN: 978-3-570-16065-7
Verlag: cbt

Advertisements