Liam Satander arbeitet in dieser gewitterumtobten Nacht wieder alleine. Über Bradost geht ein Hagel von Blitzen nieder und der junge Blitzsammler fängt die zerstörerische Entladungen des Himmels ein. Erst am nächsten Morgen kehrt sein Vater nach Hause zurück und verweigert wie so oft, eine Erklärung für seine nächtlichen Umtriebe. Doch jemand ist ihm auf die Schliche gekommen, denn an diesem Morgen dringen die Spiegelmänner der Lady Sarka in sein Heim ein und Liams Vater schafft es gerade noch seinem Sohn seinen letzten Willen mitzuteilen.
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Jackon ist ein dünner, ausgehungerter Junge, der seinen kargen Lebensunterhalt in den Abwasserkanälen der Metropole Bradost verdient. Als Schlammtaucher fischt er in der trüben Brühe einer Gesellschaft, die auf solche wie ihn verächtlich hinabspuckt. Jackon ist selbst bei den anderen Schlammtauchern unbeliebt, denn sie haben Angst vor ihm. Angst vor den Nächten und ihren Träumen, in denen Jackon auftaucht. Nach einem anstrengenden Tag und einem mageren Fang in den Kanälen taucht eine Krähe in seiner engen unterirdischen Nische auf. Seit Tagen wird er von den Tieren verfolgt und beobachtet, in Bradost ist es längst kein Gerücht mehr, das die Krähen im Dienste von Lady Sarka stehen, einer magisch begabten Herrscherin, die sich auf den Thron geputscht hat. Doch bevor Jackon das Federvieh verscheuchen kann, wandelt es sich in die Gestalt eines Menschen und den jungen Schlammtaucher packt die Angst, als er erkennt wer sich in seinen Kanal begeben hat…

Nach zwei historischen Romanen begibt sich Christoph in das Genre der Fantasy und hat mit dem Trilogie Auftakt Der letzte Traumwanderer eine eigenständige und spannende Geschichte entworfen. Bradost als Handlungsort des Romans enthüllt sich als eine Verquickung aus Elementen der klassischen Fantasy und einer angenehmen Steampunk Note, die an das viktorianische Zeitalter erinnern lässt. Gespickt mit eigenen Interpretationen und Ausformungen wird dieses sehr gelungene Zusammenspiel zu einer eigenständigen Welt, die erfrischend daherkommt und ungewöhnliche Züge ausweist.

Gestaltwandler, Alben, die über das Reich der Träume wachen, augenlose Spiegelmänner, Flugschiffe, geheimnisvolle Magie und das Traumreich der Seelenhäuser sind nur ein paar Bestandteile dieses Romans, welche für eine eindrucksvolle, durchdachte und kreativ inszenierte Welt sorgen.  Bereichert wird diese durch die eiserne Herrschaft von Lady Sarka, welche sich den Thron von Bradost durch einen blutige Putsch erkämpft hat. In den Strassen der Stadt gärt der Unmut der Bevölkerung, Rebellengruppen bereiten Attentate und Anschläge vor und Gelehrte schmieden Pläne zur Wiederherstellung der einstigen Ordnung. Strassenschlachten und öffentliches Aufbegehren gehören in den Armenvierteln ebenso zur Tagesordnung wie das Verschwinden von Rädelsführern und die Ermordung einfacher Bürger, die zu laut gedacht oder bei einem Bier zu deutlich gesprochen haben, durch die gefürchteten Spiegelmänner. Wen die Krähen melden, ist meist des Todes.

Bradost steht vor einem historischen Umbruch, die alten Völker und Wesen verlassen die Gestade der Menschen, der flammende Phönix wacht nicht mehr über die Stadt und mit den Alben geht das letzte noch recht weit verbreitete Volk. In diese Situation von Neuordnung der Welt und Aufruhr in den Strassen der Stadt, platziert Christoph Lode sein Abenteuer um Liam und Jackon, deren Motivationen widersprüchlicher nicht sein könnten. Zwar liegt hier eher schon eine typische Abenteuer Queste vor, ein Junge auf der Suche nach einem mysteriösen Buch und ein weiterer, der von einer schicksalhaften Begabung gezeichnet ist, aber Christoph Lode weiss die Pfade der beiden jungen Helden eigenständig zu formen und zu einer spannenden Geschichte zu spinnen. So enthüllt sich der Pandaemonia Auftakt als solides Fantasy Abenteuer, mit einer eindrucksvollen Ausstaffierung, die bekanntes neu interpretiert und eigene Akzente setzt.
Eine tolle Welt, deren Beschreibung manchmal leider ein wenig zu Lasten ihres Flairs geht, in der das Wirken zweier unscheinbarer Jugendlicher den Lauf des Schicksals möglicherweise zu verändern mag. Fantasy in erfrischender Gewandung und einem Abenteuer, das ein grosses Epos ankündigt.

Christoph Lodes „Der letzte Traumwanderer – Pandaemonia 1“ – Moderne Abenteuer Fantasy in einer magischen, viktorianisch angehauchten, Welt, die zu beeindrucken weiss. Hier geht es eigenständig und kreativ zu, mit schön gezeichneten Charakteren, Hintergründen und einer spannenden Entwicklung der Geschichte. Wer das „Andere“ sucht ohne auf Liebgewonnenes zu verzichten, ist bei Christoph Lode genau richtig.

Mehr zu dem Buch: Der letzte Traumwanderer

Nachgefragt bei dem Autoren: Pandaemonia-Interview mit Christoph Lode

Buchfakten:
Christoph Lode
Der letzte Traumwanderer
Pandaemonia
Paperback, Broschur, 400 Seiten, 13,5 x 20,6 cm
ISBN: 978-3-442-47173-7
Verlag: Goldmann
Erscheinungstermin: 15. November 2010

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