Mit Das Gesetz der Vampire eröffnete Mara Laue ihre neue Okkult-Krimi Trilogie im Verlag Torsten Low und verknüpfte diese mit ihrer bekannten Sukkubus Reihe. Erfreulicherweise hat sich die Autorin, trotz zahlreicher aktueller Projekte, bereit erklärt einen ausführlichen Einblick in ihre Arbeit, zukünftige Veröffentlichungen und die Entstehung ihres Vampiruniversums zu geben, sowie ein wenig über fantastische Wesen, Vampire ohne Biss, den Reiz von Phantastik Krimis, den Alltag einer Berufsautorin und vieles mehr zu plaudern.

Viel Spass mit dem Interviw mit Mara Laue!

Bevor wir uns deinen konkreten Werken widmen, erzähl uns doch bitte einleitend wie du zum Schreiben und zur phantastischen Literatur gekommen bist.

Oh, das ist eine lange Geschichte! Für meine Vorliebe fürs Fantastische ist die Grundschule „verantwortlich“, die ich besucht habe. Kaum dass wir Kinder flüssig lesen konnten (3. Klasse), war es Pflicht, dass wir uns einmal im Monat ein Buch aus der Schulbücherei ausleihen und lesen mussten. In der Woche nach der Rückgabe wurde geprüft, ob wir die Bücher auch gelesen hatten, indem jeder von uns eine Inhaltsangabe des Gelesenen vor versammelter Klasse nacherzählen musste. (PS: Diese Methode sollte man heute unbedingt in den Schulen wieder einführen!)

Die Verteilung der Bücher an uns Kinder war allerdings etwas merkwürdig. Die Lehrerin hielt ein Buch hoch, nannte den Titel und fragte: „Wer möchte dieses Buch haben?“ Wer am lautesten „Ich!“ brüllte, bekam es. Ich war damals noch ausgesprochen schüchtern (glaubt mir heute kein Mensch mehr, der mich kennt 🙂 !) und wurde daher jedes Mal bis ganz zum Schluss übersehen. An eben diesem Schluss waren dann nur noch Bücher übrig, die kein anderer haben wollte: Kategorie alte Sagen. Damals standen alle auf „Jim Knopf“ und „Das fliegende Klassenzimmer“ und so. Da die Ausleihe, wie schon gesagt, Pflicht war, musste ich eins von den Sagenbüchern nehmen, in dem Drachen, Riesen, Hexen, Zwerge, fremde Götter etc. vorkamen. Das fand ich so spannend, dass ich von da an immer freiwillig die Sagenbücher ausgeliehen habe. Und dieser Hang zum Fantastischen ist mir seitdem erhalten geblieben.

Zum Schreiben gekommen bin ich eigentlich, weil ich die Schnauze voll hatte von den Klischees, die in den zu meiner Jugendzeit verbreiteten Büchern propagiert wurden. Meine erste Geschichte schrieb ich im Alter von zwölf. Damals war ich begeisterte Reiterin und las am liebsten Pferdebücher. Daran störte mich immer zweierlei. 1. Der zweibeinige Held war immer ein Junge/Mann. 2. Der vierbeinige Held war immer ein Hengst. Mädchen und Stuten kamen allenfalls in untergeordneten Rollen als schmückendes Beiwerk oder gleich gar nicht vor. Bei uns im Reitstall sah die Realität aber ganz anders aus. Die überwiegende Mehrheit der Reiter waren „Amazonen“ (= Mädchen/Frauen) und die meisten Reitschulpferde Stuten. Also schrieb ich eine Geschichte, in der eine Stute und ein Mädchen die Heldinnen waren und die zur Abwechslung mal aus der Perspektive des Pferdes erzählt wurde. Nachdem ich einmal mit dem Schreiben angefangen hatte, konnte ich nicht mehr aufhören. Es kamen immer mehr Ideen, und dieses Leben reicht definitiv nicht aus, um die alle aufzuschreiben. J

Seit 2008 gibt es aus deiner Feder die, nun fast 20-teilige, Online Romanserie Sukkubus bei Geisterspiegel. Wie ist diese Okkult Krimi Reihe entstanden, aus der ja eine Figur auch eine Rolle in Das Gesetz der Vampire spielt?

Die Serie sollte eigentlich eine Fortsetzung des „Sukkubus-/Dämonenblut“-Mehrteilers werden, den ich 2005 für die „Schattenreich“-Serie von Bastei schrieb. Ursprünglich sollten die darin etablierten Figuren, der Sukkubus-/Inkubus-Clan Rhu’u alias MacLeod, die Hauptrolle spielen. Der damalige Lektor wollte die Idee auf Serientauglichkeit prüfen, da nach seinen Aussagen Bastei zu dem Zeitpunkt (eine) neue Heftroman-Serie(n) plante. Mit dem „Tod“ von „Schattenreich“ und dem Ausscheiden des Lektors aus dem Verlag verschwand auch meine Sukkubus-Idee dort in der Versenkung. Aber natürlich nicht für mich. Warum sollte ich ein gutes Konzept aufgeben, nur weil der eine Verlag es nicht (mehr) wollte?

Nur hatte ich dann das Problem, dass ich die Rechte an den Schattenreich-Figuren Rhu’u/MacLeod an Bastei verkauft hatte und sie nun nicht mehr für „Bastei-fremde“ Projekte benutzen durfte. Allzu deutliche Ähnlichkeiten mit den Figuren durften auch nicht mehr sein, also habe ich mir auf der Basis der damals bereits ausgearbeiteten Serienidee was Neues einfallen lassen. So ist „Sukkubus“ entstanden, deren Welt immer komplexer und weiter ausgearbeitet wird. (Die Fans können sich noch auf ein paar Überraschungen freuen!)

Für 2012 hörte man bereits von einem zweiten Sukkubus Zyklus. Kannst du schon etwas über die Fortsetzung der Reihe verraten?

Der 2. Zyklus ist eng mit der Ashton-Ryder-Vampir-Trilogie (Auftaktband „Das Gesetz der Vampire“) verknüpft, weil die Trilogie ein Crossover aus der Serie ist. Der 2. Sukkubus-Zyklus erscheint ebenfalls im Verlag Torsten Low als achtteilige Buchserie. (Und der 8. Band soll wiederum die Überleitung zu einer neuen Serie bilden, einem Sukkubus-Offspring mit neuen Protagonisten, der aber noch nicht spruchreif ist.) Deshalb wurde mit dem Verlag abgesprochen, die Handlungen der Vampir-Trilogie im Nebenplot schon jetzt teilweise mit Nebenplots aus der Sukkubus-Serie zu verknüpfen, damit die beiden Konzepte nahtlos mit Beginn von Zyklus 2 ineinander übergehen. Denn Ashton und die Vampire kommen – dann in Nebenrollen – auch im 2. Sukkubus-Zyklus regelmäßig vor.

Kurz zur Zeitrelation der Trilogie zu „Sukkubus“: „Das Gesetz der Vampire“ spielt zwischen Sukkubus 17 und 18, „Göttin der Finsternis“ zwischen Band 18 und 19 (dem Schlussband des 1. Zyklus), und „Sanktuarium“ findet zwischen dem Schluss der Haupthandlung und dem Epilog von Band 19 statt, also ein paar Monate nach der „Großen Entscheidung“, um die sich der rote Faden des 1. Zyklus dreht.

Zyklus 2 fängt – natürlich – dort an, wo sowohl Zyklus 1 wie auch der 3. Ashton-Ryder-Band aufhören. Sam muss nach 15 Jahren in Cleveland dort ihre Zelte abbrechen, weil es den „normalen“ Leuten in ihrer Umgebung (Nachbarn etc.) sonst auffiele, dass sie im Gegensatz zu denen nicht altert. Sie zieht mit ihrer Familie nach Denver in die Nähe des Lotos-Instituts, in dem Lady Sybillas Wächter residieren und eröffnet dort als „Sam Turner“ eine neue Detektei. Auch Ashton Ryder wird vom Wächterrat nach Denver versetzt und arbeitet in Sams Detektei mit. Darüber, wie sich die Beziehung dieser beiden entwickelt und wie sie am Ende zu einander stehen, verrate ich hier aber noch nichts.

Im ersten Band des 2. Zyklus, „Der Blutpriester“, taucht eben der als Antagonist auf und bleibt uns bis zum Zyklusende erhalten. Eine interessante Figur, denn obwohl er Sams Todfeind ist, erhält sie hin und wieder von ihm sogar (nicht ganz freiwillige) Hilfe und fühlt sich ihre dunkle Seite von ihm angezogen. Neben der jeweiligen Krimihandlung, die jedem Band zugrunde liegt, ist der rote Faden des Zyklus die „Krone von Pa’iron“. Näheres darüber verschweige ich noch ;-). Hauptaspekt der Serie ist Sams charakterliche Weiterentwicklung: Entscheidet sie sich am Ende fürs Licht oder doch für die Finsternis oder findet sie einen ganz anderen Weg? Es wird also wie der 1. Zyklus keine „Abenteuerserie“ werden (obwohl man sie natürlich so lesen kann), sondern ein „Entwicklungsroman“ in acht Bänden, in dem sich nicht nur Sam weiterentwickelt.

Noch eine allgemeine Anmerkung: Ich lege großen Wert auf Authentizität. Die erwähnten Örtlichkeiten in den Romanen, besonders die Restaurants, existieren tatsächlich. Wer jemals nach Cleveland kommt und den Cresthaven Drive entlangfährt, wo Sam wohnt, wird feststellen, dass dort tatsächlich in ca. 30 Metern Entfernung hinter den Häusern der Eriesee beginnt, wird in der Prospect Avenue das Restaurant „Fat Fish Blue“ finden, gibt es in Baltimore einen Eventpalast namens „Sonic“ usw.

Das Gesetz der Vampire erschien 2010 im Verlag Torsten Low und läuft dort als phantastischer / okkulter Krimi. Was reizt dich an der Kombination Krimi und Phantastik?

Die Vermischung von Realität – Krimi – und Fantastischem, die gewisse Dinge scheinbar „unerklärlich“ macht. Es gab in den Fünfziger- und Sechzigerjahren des vorigen Jahrhunderts eine Reihe von hochspannenden Filmen, die sich in gewisser Weise diesem Thema widmeten. Zum Beispiel „Wiegenlied für eine Leiche“ mit Bette Davis, der als Klassiker des Horrorfilms gilt. Der Unterschied zum Okkultkrimi ist bei Filmen und Büchern dieser Art jedoch, dass sich am Ende herausstellt, dass die scheinbar übernatürlichen Ereignisse mit technischen Mitteln, durch menschliche Intrigen und mit psychologischen Tricks zustanden kamen und ganz „normale“ Erklärungen hatten. Das fand ich immer unbefriedigend, denn ich hätte es spannender – und gruseliger – gefunden, wenn die Ursachen tatsächlich okkulter Natur gewesen wären. Deshalb habe ich genau das in meinen Okkult-Krimis umgesetzt.

Wenn man in 2010 über Vampire schreibt, wird schnell der Vergleich zu Stephenie Meyers Twilight Reihe gezogen. Wie sehr stört dich dieser Reflex und woher kommt dein Interesse an diesen phantastischen Wesen?

Mich interessieren alle mystischen Geschöpfe gleichermaßen, weil ich (siehe oben) eben ein Faible für Mystisches habe. Deshalb habe ich eigentlich auch gar kein BESONDERES Interesse an Vampiren. Ich schreibe im Gegenteil lieber über die Wesen, die weniger bekannt sind. Die finde ich viel spannender, weil sie was Unverbrauchtes sind. Über Vampire „weiß“ gerade durch die unzähligen Veröffentlichungen zu dem Thema inzwischen jeder bestens Bescheid, sodass es kaum noch möglich ist, auf diesem Gebiet was Neues zu kreieren. Das wird auf die (wahrscheinlich gar nicht mehr allzu lange) Dauer langweilig. (Aus dem Grund sind meine Vampire auch „etwas anders“ als die herkömmliche Masse.) Allerdings tummeln sich inzwischen (zumindest auf dem amerikanischen Büchermarkt, was langsam auch zu uns herüberschwappt) Werwölfe, Gestaltwandler, Gargoyles, Sukkubus und Inkubus zunehmend in der Literatur. Da wird es schwierig, etwas zu finden, das für die Leser spannend und doch unverbraucht ist.

Deshalb hätte ich normalerweise wegen des Überangebots gar keinen Vampirroman geschrieben. Aber, wie das Leben so spielt, „Das Gesetz der Vampire“ erblickte (mit einem anderen Titel) das Licht der Welt als eine für die Bastei-Serie „Schattenreich“ gedachte Kurzgeschichte, in der es aber nur um die Rache einer Vampirin am Mörder ihres vampirischen Geliebten ging. Doch die Serie wurde eingestellt, bevor die Geschichte fertig war. Da es damals die gegenwärtige Vampir-Welle noch nicht gab, wollte ich – wegen meiner Bevorzugung der „unverbrauchteren“ Spezies – die Story „irgendwann“ mal auf andere mystische Wesen umschreiben und einen Roman daraus machen. Dann kamen Vampire in Mode, und die Verlage rissen sich um sie.

Jedenfalls war dieser Trend der Grund, warum der Ashton aus der Kurzgeschichte ein Vampir blieb und kein Gargoyle wurde. Und inzwischen liebe ich „meine“ Vampire, weil sie sich eben deutlich von der Masse abheben. Ich versuche grundsätzlich immer, eine eigene, unverwechselbare Note in meine Romane hineinzubringen, mit der sie sich von anderen Werken desselben Genres unterscheiden. Im Fall der Vampir-Trilogie ist das in erster Linie das Grundthema, bei dem es ja eben NICHT um romantische Liebe geht, sondern knallhart um Schuld und Sühne und auch darum, wie ein grundsätzlich „guter“ Mensch zum Massenmörder werden kann.

Jedoch wollten die ersten Verlage, denen ich das Manuskript anbot, lieber Teenie-Vampir-Romanzen, weil die (immer noch) verkaufsträchtiger sind und lehnten dankend ab, wenn sie feststellten, dass mein Roman eben nicht auf dieser Welle schwimmt. Von so her stört es mich schon, wenn „jeder“ beim Stichwort „Vampir“ sofort die „Bis(s)“-Romane/-Filme, „Vampire Diaries“ und andere romantische Geschichten im Kopf hat. Deren Zielgruppe sind in erster Linie weibliche Teenager, aber die Leserschaft besteht nun mal nicht nur aus denen, und ich möchte mit meinen Romanen die erwachsenen Leser ansprechen, auch die männlichen.

Hier wiederum ist die „Bis(s)“-Assoziation insofern von Nachteil, dass die Leserschaft, die sich unter Umständen für meinen Roman interessieren würde, dadurch glaubt, dass mein Vampirkrimi ebenfalls in die Teenie-Romanzen-Schublade gehört und sich deshalb gar nicht erst die Mühe macht, den Covertext zu lesen. Ich denke, dass das bei den beide Folgebänden wegen der Titel anders sein wird.

Nebenbei: Bei der Premierenlesung von „Das Gesetz der Vampire“, die in einer Buchhandlung stattfand, hatte ich die Gelegenheit, mal einen Blick auf die Covertexte der einschlägigen Bücher zu werfen und fand hauptsächlich Einheitsbrei. Die Story ist immer dieselbe: (Schul-) Mädchen verliebt sich in Vampir (hin und wieder auch ein anderes mystisches Wesen), es gibt deswegen Probleme, manchmal noch einen Nebenbuhler, und am Ende löst sich alles in Wohlgefallen auf. Diesen Storys fehlt der „Biss“, das Besondere, das sie hervorhebt. Außerdem: Je mehr Bücher mit derselben Storyline auf den Markt kommen, umso schneller wird auch das Interesse der Leser(innen) daran gesättigt und der Trend in absehbarer Zeit auslaufen.

Mit Ashton Ryder hast du einem Vampirhasser und -jäger das Schicksal einer Wesenswandlung auferlegt, die für ihn schockierender nicht sein könnte. Welcher Reiz liegt für dich in dieser Figur und ihrer Zwiespältigkeit?

Grundsätzlich sind „glatte“ Charaktere sowieso langweilig. Davon abgesehen haben auch „gute“ Menschen (und andere Geschöpfe) ihre Fehler, Schwächen und eine dunkle Seite. Mich interessiert bei (nicht nur meinen) Romancharakteren aber in erster Linie ihre psychologischen Beweggründe, die gesamten Facetten ihres Wesens und nicht nur ein Teil davon. Was treibt sie an? Warum handeln sie, wie sie handeln? Wie bewältigen sie Schwierigkeiten? Wachsen oder zerbrechen sie daran? Und so weiter. Außerdem empfinde ich einen Protagonisten, der von Anfang an der „strahlende Held“ ist, als eintönig, weil er nur noch eingeschränktes Entwicklungspotenzial hat. (Es sei denn, man lässt ihn sich zum Negativen wandeln.) Mit diesem eingeschränkten Potenzial nehme ich aber den Lesern eine Möglichkeit, sich mit ihm zu identifizieren und mir als Autorin auch viele Möglichkeiten, aus dieser Thematik heraus Spannung zu erzeugen, die sich eben aus einer solchen inneren Zerrissenheit ergibt.

In Das Gesetz der Vampire stellst du das sehr mysteriös und bestienhaft geprägte Bild der Vampire, aus der Sicht von Protector, ihrer tatsächlichen Lebensweise gegenüber. Wie hast du deine Vampirgesellschaft entwickelt, die sich ja doch sehr von den menschlichen Vorurteilen abhebt?

Mit Einfühlungsvermögen und Fantasie. Ich habe mir vorgestellt: Wenn es Vampire etc. tatsächlich gäbe (und natürlich gibt es sie 🙂 !), wie sähe dann ihr Leben in der heutigen Welt aus? Bei ihrer relativen Unsterblichkeit und der Tatsache, dass sie zahlenmäßig den Menschen unterlegen sind, müssen sie sich zwangsläufig anpassen und sich „in der Menge verbergen“, wenn sie überleben wollen.

Menschen neigen dazu zu zerstören, was ihnen Angst macht. Und Wesen, die ausschließlich in der Nacht leben, unglaublich schnell und stark sind und sich obendrein auch noch von Blut ernähren (müssen), sprechen menschliche Urängste an. Deshalb ist die Wahrscheinlichkeit, dass die meisten Menschen versuchen würden, diese gefühlte Bedrohung im Keim zu ersticken (= die Vampire zu vernichten), relativ groß. In der heutigen Zeit – Globalisierung, Bevölkerungsdichte, Internet etc. – wäre es nahezu ausgeschlossen, dass die Vampire ausschließlich unter sich irgendwo im Verborgenen leben könnten. Also müssten sie sich in irgendeiner Form in die menschliche Gesellschaft eingliedern und so tun, als wären sie selbst Menschen.

Das waren meine Grundüberlegungen. Danach habe ich ausgearbeitet, welche Möglichkeiten sie dafür hätten, OHNE ihre Identität zu offenbaren und was sie unbedingt beachten/vermeiden müssten, um nicht aufzufallen. Zum Beispiel wie sie ihre Ernährungsweise verbergen könnten oder ihre „Sonnenallergie“ schlüssig erklären. „Xeroderma pigmentosum“ – die Krankheit gibt es wirklich – als Begründung dafür, warum sie nur in der Nacht leben, kam mir als Erstes in den Sinn. Und so entwickelte sich eins nach dem anderen.

Natürlich habe ich in meinem „Vampiruniversum“ auch Dinge eliminiert, die mir in der herkömmlichen Darstellung von Vampiren einfach nicht schlüssig erscheinen. Allen voran, warum Menschen zu amoralischen Bestien und Killern werden, nur weil sie in Vampire verwandelt wurden. Oder warum sie bei der Fülle an Tieren einschließlich Nutzvieh auf der Welt und damit ausreichender Menge an Blut sich angeblich auf Menschen als Nahrungsquelle stürzen, sobald sie Vampire wurden, obwohl das die Gefahr der Entdeckung und etliche Probleme doch geradezu provoziert. Oder warum angeblich nur Menschenblut einen Vampir stark macht. Blödsinn! Blut ist Blut und von seiner Grundzusammensetzung her identisch, ob es nun von einem Menschen oder (warmblütigen) Tier stammt. Wie gesagt, solche Dinge erschienen mir einfach nicht schlüssig.

Die menschlichen Vorurteile (auch die von „Protector“) sind natürlich durch die einschlägigen Klassiker in Buch und Film geprägt, allen voran Dracula. Doch muss man die auf dem Hintergrund der Zeit betrachten, in der sie entstanden sind. Das Animalische (nicht nur in sexueller Hinsicht) des Vampirs war damals eine Möglichkeit, die geheimen Begierden der Leute zu spiegeln, in der Fantasie die Zwänge der Gesellschaftsnormen abzustreifen und diesbezüglich frei zu sein. Die darin propagierten „typischen“ Vampireigenschaften passen aber einfach nicht mehr in die heutige Zeit. Also habe ich mit denen „aufgeräumt“. J

Sam dürfte mittlerweile einen festen Fankreis um sich gruppiert haben. Wie ist ihr Charakter entstanden und dürfen wir für den Nachfolger von Das Gesetz der Vampire auf weitere Einsätze der gewitzten Sukkubus hoffen?

Oh ja, Sam treibt ein gewichtiges „Unwesen“ in den beiden Folgebänden. Schon deshalb, weil, wie gesagt, am Ende der Trilogie die mit dem 2. Sukkubus-Zyklus zusammengelegt wird. Und ich garantiere, dass dabei auch der Humor nicht zu kurz kommt.

Wie die Serie entstanden ist, habe ich oben ja schon erklärt. Darüber hinaus habe ich mir einfach überlegt, welchen Charakter ein Sukkubus haben müsste, den aus heiterem Himmel im Alter von etwas sechzig Jahren das für ihre Art völlig untypische Bedürfnis überkommt, Menschen nicht nur als Nahrungsquelle zu betrachten, sondern ihnen Gutes zu tun. (Woher dieses „plötzliche Bedürfnis“ kam, wird in Band 19 aufgeklärt.) Und auch welchem Beruf sie zu dem Zweck nachgehen würde. Polizistin stand ganz oben auf der Liste. Aber da hätte sie sich ja an Vorschriften halten müssen, was ihr ganz und gar nicht passt. Also Privatermittlerin.

Und natürlich hat sie ihre dunkle Seite. Als Dämonin sowieso. Deshalb hat sie Phasen, in denen sie rücksichtslos und grausam ist und wieder andere, in denen sie zugunsten der Menschen ausgesprochen altruistisch agiert. Leider behindert die Heftromanlänge der meisten Sukkubus-Folgen eine tiefere Ausarbeitung dieses Themas.

Sam ist eine Figur, durch die ich aufzeigen wollte, dass durch bewusste freie Entscheidungen ein Wesen, das von Geburt an zum Bösen „veranlagt“ ist, trotzdem das Potenzial besitzt, sich dem „normal“ Guten zuzuwenden. Auf uns Menschen bezogen: dass wir immer die Wahl haben – auch wenn wir unter benachteiligenden, grausamen, negativen etc. Lebensumständen aufgewachsen sind –, ob wir Verbrechen begehen oder „anständig“ bleiben.

Göttin der Finsternis und Sanktuarium lauten die Titel der nächsten Romane um Ashton Ryder. Kannst du schon etwas von ihrem Inhalt preisgeben? Es deutet sich ja eine mysteriös-apokalyptische Entwicklung an…

Im Gesetz der Vampire heißt es, dass die finstere Vampirgöttin Yassarra ihre Herrschaft über die Vampire ergreifen will. Standpunkt der Wächter dazu: „Allerdings glaubt kein vernünftiger Vampir an solche Märchen.“ Nun, sie müssen zu ihrem Entsetzen feststellen, dass Yassarra verdammt real ist und „jemand“ (wer verrate ich nicht) sie aus ihrem Höllengefängnis befreit hat. Natürlich will sie sich alle Vampire untertan machen. Etliche Vampire schlagen sich opportunistisch auf ihre Seite in der Überzeugung, dass sie am Ende siegt und die Wächter unterliegen werden. Die bekommen alle Hände voll zu tun, die daraus resultierende wahre Flut an plötzlich auftretenden, von Vampiren an Menschen begangenen Verbrechen einzudämmen. Was wiederum die Allianz mit „Protector“ akut gefährdet.

Aufgrund einer buchstäblich teuflischen Intrige will Yassarra ganz gezielt Ashton korrumpieren. Was ihr auch gelingt. Warum ausgerechnet Ashton: Er ist im Grunde genommen nur der Köder, mit dem jemand ganz anderes in eine Falle gelockt werden soll. (Wer das ist, verrate ich nicht.) Ashton wird in Yassarras Domizil verschleppt und durch ihren Einfluss zum Verräter an nahezu allem, was ihm bisher heilig und wichtig war und gerät nahezu vollständig auf die Seite der Finsternis. (Die Verführbarkeit, die in uns allen steckt, egal wie „gut“ wir sonst sind, ist ein Unterthema dieses Romans.) Gegen Yassarra und ihr inzwischen riesiges Heer von Gefolgsvampiren sind die Wächter machtlos und bitten Sam um Hilfe. Doch Yassarra ist eine Göttin, und um ihr das Handwerk zu legen und Ashton im selben Zug zu befreien, müsste Sam zu einem Mittel greifen, das nicht nur sie selbst in große Gefahr bringt, sondern auch furchtbare Folgen für die Menschen haben könnte. Was wiederum Lady Sybillas Wächter auf den Plan ruft, die das verhindern wollen. Konflikte gibt es also massenweise. Wie die Probleme am Ende gelöst werden? Tja … Ashton kann zwar befreit werden, kann aber nach allem, was er inzwischen getan hat, kein Wächter mehr sein und muss erst mal mit sich selbst wieder ins Reine kommen. Was verdammt hart für ihn werden wird, da er sich seiner ruchlosen Taten zutiefst schämt, die er in Momenten tiefster Schwäche begangen hat.

Im 3. Band wird ihm vom Rat der Wächter deshalb auferlegt, zum größten Heiligtum der Vampire zu pilgern, dem „Sanktuarium“ in Russland, um quasi Buße zu tun, wo auch über sein weiteres Schicksal in der Gemeinschaft der Vampire entschieden werden soll. Dieser „Gang nach Canossa“ ist mit diversen Auflagen verbunden, deren Einhaltung von neutralen Beobachtern dokumentiert werden muss. Ashton wählt dafür – völlig unverständlich für die Vampire – Sam und ihren Partner, den Werwolf Nick. Am Ziel angekommen, müssen sie feststellen, dass das Sanktuarium von Werwölfen angegriffen und etliche Vampire umgebracht wurden. Natürlich gerät Nick in Verdacht, nicht nur weil er ein Werwolf ist, sondern weil er auch in einem sehr dunklen Teil seiner Vergangenheit maßgeblichen Anteil am Entstehen der Blutfehde zwischen den Vampiren des Sanktuariums und den in der Nähe lebenden Werwölfen hatte.

Die Sanktuariumsvampire wollen Nick sowie Sam als seine Gefährtin und Ashton als „Kollaborateur“ mit ihnen hinrichten. Die Werwölfe wollen Nick zu ihrem Anführer machen (der er früher schon mal war), um mit ihm die Vampire endgültig niederzumachen, und die drei sitzen zwischen allen Stühlen. Damit nicht genug nutzt eine dritte Partei im Hintergrund – die den ganzen Schlamassel ganz bewusst verursacht hat – die Situation nun aus, um ihr ganz eigenes und höchst finsteres Süppchen zu kochen, an dessen Ende sowohl die Vampire wie auch die Werwölfe restlos vernichtet sein sollen.

Es gibt also auch in diesem Roman jede Menge Krimi, Verrat, Intrigen und Action (zudem Eifersucht zwischen Nick und Ashton wegen Sam, was die ganzes Situation nicht gerade einfacher für alle macht). Und am Ende steht mal wieder eine Auflösung, mit der (hoffentlich!) niemand von den Lesern gerechnet hat. 😉

Vampire, ihre Parallelgesellschaft und eine kecke Sukkubus haben als phantastische Geschöpfe den Auftakt deiner okkulten Krimireihe gebildet. Werden weitere übernatürliche Wesen in den Folgebänden auftauchen und welchen können wir entgegen fiebern?

Noch mehr Dämonen, Werwölfe, Hexen, eine Uktena (indianische Schlangendämonin) und ein Satyr (die beiden Letzteren spielen allerdings nur eine winzige Nebenrolle). Wer bei der Sukkubus-Serie auf dem Laufenden ist, weiß ja, dass auch Sam einen Seelengefährten hat, den Werwolf Nick. Der mischt ebenso mit wie Sams Blutsgefährte, der Dämon Axaryn, und die Wächter um Lady Sybilla, zu denen ab Sukkubus-16 auch der Satyr Nyros gehört. Pikant: Nick und der Vampir Gwynal kennen sich von früher und waren damals Todfeinde. Ob es ihnen gelingt, ihre Feindschaft um Sams Willen beizulegen, bleibt abzuwarten.

Ich liebe es, in fantastischen Romanen die Figuren nicht nur auf eine oder zwei Spezies zu beschränken (z. B. Menschen und Vampire), sondern auch andere mit hineinzubringen. Das eröffnet noch mehr Möglichkeiten für Spannung.

Welche Figur aus Das Gesetz der Vampire würdest du gerne einmal persönlich treffen und warum?

Die muss ich doch nicht mehr treffen, die wohnen doch alle bei mir! 🙂 Aber wenn ich sie noch nicht kennen würde, wäre mir Gwynal wohl am liebsten: feinsinniger Musiker, gleichzeitig auch (wenn’s sein muss) Krieger und sexy obendrein … Ich würde wohl hingebungsvoll seiner Musik ebenso lauschen wie seinen Erzählungen aus der Geschichte der Menschheit. Was Kampftechnik betrifft, kann er mir sicher auch noch ein paar Tricks beibringen. Und alles andere … Darauf würde ich dann doch verzichten, da ich sehr glücklich verheiratet bin. 😉

Neben Göttin der Finsternis und Sanktuarium stehen für 2011/2012 noch weitere Romane und Projekte von dir in den Startlöchern. Worauf können sich deine Leser in naher Zukunft freuen?

Natürlich gibt es in diesem Jahr wieder 4 Ausgaben „Sukkubus“ (Band 14 – 17) und die beiden letzten Bände des 1. Zyklus (18 und 19) im März und Juni 2012. Voraussichtlich im Herbst/Winter 2012 erscheint dann das erste Sukkubus-Buch des 2. Zyklus („Der Blutpriester“) im Low-Verlag.

Krimifans können sich auf Schwarze Dame Tod (Ende Februar 2011) und den Thriller „Code: Smaragdjungfer“ (Oktober 2011) freuen, beide aus dem Sutton-Verlag sowie im März 2012 „Runen raunen bösen Mord“ (Arbeitstitel) und 2013 „Zapfenstreich“ (Arbeitstitel, beide ebenfalls Sutton). Mein Agent verhandelt noch über den Krimi „Schlangenmaske“ mit diversen Verlagen, der dann voraussichtlich Anfang/Mitte 2012 erscheinen wird.

Für Science-Fiction-Fans gibt es in diesem Jahr 2 – 3 neue Rex Corda Bände, die ich als Co-Autorin zusammen mit Margret Schwenkendiek schreibe.

Außerdem soll der erste Band der Dark-Romance-Trilogie „Dämonenkönigin“ dieses Jahr erscheinen („Erwachen“) und in 2012 die beiden Folgebände („Die Prophezeiung“ und „Dämonenhochzeit“). Drei weitere Einzelbände des Genres sind ebenfalls vom selben Verlag schon vorbestellt.

Zu guter Letzt hat das örtliche Theater ein Jugendtheaterstück in Auftrag gegeben („Und tschüss!“), das aber erst für die Spielzeit Winter 2012/2013 realisiert wird. Auf die Arbeit freue ich mich schon! Zu der gehört auch, dass ich bei der Einarbeitung im Theater dabei bin, um noch Änderungen am Text vorzunehmen, die sich erst während der Proben ergeben. Zu sehen, wie ein Text durch die Menschen, die ihn verkörpern, buchstäblich lebendig wird, ist ein ganz tolles Gefühl. (Die Uraufführung ist am Ende natürlich das Oberhighlight!)

Das alles sind „nur“ die schon fest gebuchten bzw. mit Vertrag besiegelten Projekte. Es kommen garantiert noch ein paar dazu. Aber alle Neuerscheinungen sind natürlich auch auf meiner Homepage www.mara-laue.de unter „Aktuelles“ gelistet, die regelmäßige Updates erhält.

Ich kann mich jedenfalls über Mangel an Arbeit wahrhaftig nicht beklagen! 🙂

Erlaube mir zum Abschluss, an dieser Stelle mit einem weit verbreiteten Vorurteil aufzuräumen, das sich hartnäckig hält in Form des Gerüchts, dass wir Berufsschriftstellerinnen/–schriftsteller munter in den Tag hinein leben und nur ab und zu mal ein paar Seiten schreiben, wenn uns die Muse küsst. Das ist ein Lebensstil, den sich allenfalls Bestsellerautoren leisten können, die mit jedem Buch so viel verdienen, dass sie nur alle paar Jahre eins schreiben müssen (wenn sie nicht schon ausgesorgt haben wie JK Rowling). Mein durchschnittlicher Arbeitstag hat 8 – 10 Stunden (wenn Abgabetermine drängeln werden es auch schon mal 12 und die Nächte entsprechend kurz) an mindestens 350 Tagen im Jahr. Das „süße Leben“ sieht definitiv anders aus. Schreiben als Beruf ist harte Arbeit und erfordert eine Menge Disziplin und „Sitzfleisch“.

Trotzdem habe ich den (subjektiv) schönsten Job der Welt und bin (nicht nur deshalb) ein sehr glücklicher Mensch! Und dasselbe Glück wünsche ich von Herzen auch allen meinen Leserinnen und Lesern!

Vielen Dank für die spannenden und ausführlichen Antworten!

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