Anfang Januar 2011 ist er erschienen, der neue Roman von Nina Blazon, welcher in ihrer bekannten Faunblut Welt angesiedelt ist und ein Wiedersehen mit einigen liebgewonnen Figuren ermöglicht. Erfreulicherweise hat sich die Autorin bereit erklärt ein paar Fragen zu Ascheherz, seiner Entstehungsgeschichte und den Verbindungen zu Faunblut zu beantworten, sowie ein wenig über ihre Charaktere, fantastische Welten jenseits einer mittelalterlichen Kulisse, zukünftige Projekte und vieles mehr zu plaudern.

Viel Spass mit dem Interview mit Nina Blazon!

Mit Ascheherz begibst du dich zurück in die Welt deines Faunblut Romans. Wie kam es zu diesem zweiten Besuch und dem Widersehen mit der Jägerin Moira und Lady Mar?

Schon als ich Faunblut schrieb, dachte ich mir, dass ich viel mehr Raum bräuchte, um die Geschichte um Lady Mar aufzurollen. Und zum Glück sah mein Verlag das genauso.

Liebe und Tod gehen in Ascheherz eine ungewöhnliche, fast innige und liebliche, Verbindung ein und es ist nicht das erste mal, dass du diese Themen einfühlsam miteinander verknüpfst. Welchen Reiz übt dieses Zusammenspiel auf dich aus, das ja über die Schilderung eines herkömmlichen Ablebens hinausgeht?

Liebe und Verlust sind ja ohnehin eng miteinander verknüpft, wir sind nun mal alle sterblich und alles endet für uns irgendwann. Aber gerade das Wissen um diese Vergänglichkeit kann den Momenten Wert und Schönheit geben. Und in Anbetracht der großen Sehnsucht nach Unsterblichkeit und ewiger Jugend, die gerade in sehr vielen Büchern und Filmen thematisiert wird, wollte ich mit Ascheherz einfach auch mal eine Lanze für das Stiefkind Sterblichkeit und für die Vergänglichkeit brechen.

Schmetterlinge, Winterblüten, ein Kuss, es sind die kleinen Dinge, denen du in Ascheherz eine große Bedeutung beimisst. Woher kommt diese Hinwendung zum zunächst unscheinbar Wirkenden?

Man muss nur genau genug hinsehen, um den Zauber im scheinbar Alltäglichen zu entdecken. Jeder, der sich eine Schneeflocke mal genauer angesehen hat, wird das bestätigen können. Kleine, unscheinbare Dinge können eine große Magie besitzen. Das habe ich in diesem Buch einfach etwas näher beleuchtet.

Wenn du eine Figur aus Ascheherz persönlich treffen könntest, welche wäre es und warum?

Mir würde Moira wohl am ehesten liegen. Weil sie alle Seiten gesehen hat und ihre Meinungen immer wieder ändern, ihr Weltbild immer wieder revidieren und neu bewerten musste musste. Ich schätze, sie könnte über das Wesen der Menschen, über Freund und Feind, Verrat und Lüge, Wahrheit und Freundschaft sehr spannende Dinge erzählen.

Auf deiner Homepage hast du im FAQ Bereich zu deinen Figuren geschrieben:“ Kenne ich ihren Charakter und die Entwicklungslinie, ergibt sich daraus die Handlung.“ Lässt sich daraus der Rückschluss ziehen, dass die Entwicklung deiner Geschichten stets eine Figur als Ausgangspunkt hat und weniger eine konkrete Idee zum Inhalt?

Für jedes Buch habe ich eine Art thematische Überschrift. „Tod“ war es bei Ascheherz. Und die Figuren, von denen ich auch hier ausgegangen bin, tragen jede auf ihre Weise dieses Thema in sich. Daraus ergibt sich schon der rote Faden: Charaktere, die sich mit dem Thema Sterblichkeit auseinandersetzen müssen. Jede geht auf ihre Weise damit um und muss „ihre“ Aufgabe bewältigen, sich der größten Angst oder der größten Herausforderung stellen – ihren Sehnsüchten und Eitelkeiten, ihrer Machtgier und ihrer Feigheit. Daraus entspinnt sich die Handlung.

Ascheherz ist das längste Buch, was du bis dato geschrieben hast. Wie kam es zu der Aufschrift „Epische Breite“ und wie war die Erfahrung dies dann so umzusetzen? Wirst du zukünftig zu einer epischeren Autorin?

Nein, ich werde sicher wieder zur „Normlänge“ zurückkehren. Bei Faunblut hatte mir allerdings die Rückmeldung vieler Leser zu Herzen genommen, die sagten, das Buch sei ihnen zu kurz gewesen, zu knapp und das Ende zu wenig episch ausgemalt. Und da dachte ich: OK, diesmal mache ich es mal ganz anders.

In Faunblut spann sich bereits das Thema ‚Eine Liebe zwischen Feinden’ durch das Abenteuer von Jade. In Ascheherz greifst du diesen Faden wieder auf, jedoch in deutlich veränderter Form. Woher kam die Inspiration zu dem Moment konfrontativer Gefühle?

Es gibt nichts Spannenderes, finde ich, als verschiedene Parteien aufeinandertreffen zu lassen, die scheinbar nicht zu versöhnen sind. Es ist wie ein Experiment in einem Labor. Und es macht einfach Spaß, explosive Mischungen anzusetzen und zu sehen, ob, wie und unter welchen Bedingungen sie sich verbinden lassen.

Mit Ascheherz tauchen wir in eine Welt der Dampflokomotiven, Gewehre, Elektrizität, usw. ein. Warum kein klassisch mittelalterliches Setting für deine Fantasy Geschichte?

Zum einen mag ich persönlich die Verbindung von Magie und Moderne. Zum anderen verführt ein allzu bekanntes Setting dazu, sich gleich in Vertrautem sicher zu fühlen, es hat den Faktor „Heimeligkeit“. Man weiß, wie die Welt aussieht, den Rest ergänzt man in Gedanken mit dem, was man von Tolkien’schen Welten kennt. Ich habe einfach versucht, einen kleinen Irritationsfaktor einzubauen. Gerade weil ich die Figuren in Faunblut und Ascheherz in sehr unsichere Verhältnissen schicke, wollte ich nicht zuviel Heimeligkeit aufkommen lassen, das Setting sollte dazu passen. Manche Leser stören sich daran, weil „Taschenlampen einfach nicht in eine Fantasygeschichte gehören“, andere schreiben mir, dass gerade das Setting den Reiz des Neuen, Unbekannten ausmacht und sie aufmerksamer lesen lässt, weil sie sich nicht auf das Erwartete verlassen können. Im Endeffekt ist es ein Spiel mit Erwartungshaltungen.

Auch wenn sie „nur“ eine Nebenfigur ist, verrate doch bitte einmal wie die tolle Dajee, mit ihrer riesigen Schwester entstanden ist und warum du ihr einen Platz in Ascheherz gewährt hast.

Entstanden ist sie ja buchstäblich aus der Verbindung von Tandraj und Tierläufer. Sie war meine Möglichkeit, den Lesern anzudeuten, wie es mit den zwei Helden aus „Faunblut“ weitergegangen ist.

Tiergestalten wie z.B. auch in Schattenauge und das Meer scheinen einen gewissen Reiz auf dich auszuüben, der sich auch in deinen Romanen wiederfindet. Was verleitet dich zu diesen Elementen?

Bei den Tiergestalten ist es das Instinkthafte im Menschen, der Anteil, der sich nicht einfach so mit Vernunft kontrollieren und zurechtstutzen lässt. Er bietet einfach sehr viele Möglichkeiten für eine Figur, aus sich herauszugehen und ganz neue Stärken (und Schattenseiten) an sich zu entdecken. Und zum Meer: Es fasziniert mich einfach seit jeher. Vielleicht auch deshalb, weil es mit seinen Untiefen auch für das Unterbewusste, Verborgene steht. Tiefe Wasser, in denen Ungeheuer lauern können, oder Schätze auf Entdecker warten!

Welche Bedeutung hat phantastische Literatur als Leserin und Autorin für dich?

Als Leserin war sie für mich immer wichtig. Ganz besonders Klassiker wie E.T.A. Hoffmann, Poe und Lovecraft haben mich fasziniert. Klar, auch ein Krimi ist Fiktion, aber ich finde, ein phantastisches Element entzündet diesen ganz besonderen Funken, eröffnet eine neue Sicht auf Bekanntes und lädt dazu ein, Dinge aus anderer Perspektive zu betrachten. „Was, wenn es ganz anders wäre, nämlich …“

Mit Faunblut und Ascheherz gibt es nun zwei Romane, die in der gleichen Welt angesiedelt sind. Bekanntlich sind aber aller guten Dinge drei…

Es fällt mir tatsächlich schwer, mich von dieser Welt zu verabschieden. Aber ich denke, die Geschichten sind erzählt, Lady Mars Geheimnis gelüftet. Jetzt ist es Zeit, eine neue Welt zu betreten.

Kannst du schon etwas über zukünftige Buchprojekte verraten? Woran schreibst du gerade?

Unter anderem an der neuen Welt! Ich kann versprechen, dass es wieder viele Irritationspunkte geben wird.

Vielen Dank für die tollen und interessanten Antworten!

Vielen Dank für die spannenden Fragen!

Homepage der Autorin: Nina Blazon

Rezension zum Buch: Ascheherz

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