Jede seiner Handlungen ist minutiös geplant. Wie die Wahl der Orte und die Zeitpunkte für die Funde der nackten Leichen, in deren Augen Fliegeneier brüten oder sich die geschlüpften Larven schon gefräßig in den Schädel bewegt haben.
Cass Jones steht vor zwei scheinbar unabhängigen Ermittlungsfällen.
Die blutigen Serientaten des Fliegenmannes und die Erschießung zweier Jungen auf offener Straße.
Doch ein Name taucht während der Spurensuche immer wieder auf, ein Hinweis auf einen Menschen, den es nicht gibt, den niemand zu kennen scheint – ein Mann, über den selbst die Drogenbosse in London eingeschüchtertes Schweigen hüllen. Mr. Castor Bright.

Die Welt nach der Finanzkrise hängt an der Kanüle Der Bank. Sie regiert Regierungen, verfügt über unvorstellbare Geldbeträge und lässt diese im Sekundentakt für sich arbeiten. Die Spur zu dem mysteriösen Mr. Bright führt Cass Jones in das Herzen des Geldkonzerns, von dessen wahrer Bedeutung selbst die hochrangigen Angestellten Der Bank keine Ahnung haben. Während der Fliegenmann Cass Jones und sein Team zum Narren hält und ihnen seine blutigen Prüfungen auferlegt, ignoriert der Karrierepolizist, dem die Erfolgsleiter keinen Aufstieg mehr gewähren wird, einen Hilferuf aus seinem Familienkreis und dann geschieht es auch schon.
Cass jüngerer Bruder hat sich den Schädel weg geschossen, nachdem er Frau und Kind hingerichtet haben soll. Nichts ist heilig, lautet die mit Blut geschriebene Botschaft des Fliegenmanns auf den kalten Körpern seiner Opfer und sie wird zum lastenden Credo für Cass Jones Ermittlungen und sein zerrüttetes Leben…

Mit Die Bürde des Blutes legt die Mystery und Horror Autorin Sarah Pinborough, die 2009 für die World Fantasy Awards nominiert war, den Auftakt zu einer dunklen, phantastischen Trilogie vor, die im London nach einer verherenden Finanzkrise angesiedelt ist.
Der Auftaktband beginnt direkt im Geschehen der Mordermittlungen. Die Hauptfigur Cass Jones entpuppt sich als abgeklärter Bulle, der 24 Stunden pro Tag arbeitet, sich am Wochende mal eine Line Koks gönnt und sich nach Feierabend in das emotionslose Heim seiner brüchigen Ehe schleppt. Cass Jones ist ein Graudenker, seitdem vor Jahren sein Gut-Böse Bild innerhalb von wenigen Sekunden zerstört wurde. Er verfolgt Kriminelle und kauft von ihnen ein paar Stunden Rausch, tauscht Gefälligkeiten und lässt sich seine Bonuszahlungen bei einem Bier in schummerigen Nachtbars, mit belebten, verrauchten Hinterräumen auszahlen. Hier hat die Autorin einen wunderbaren Schnüffler geschaffen, der sich weitab von strahlenden Cops und Gerechtigkeitskämpfern bewegt, ein heruntergekommener Ermittler, auf dessen Seele einige tiefe Wunden unter harten Narben pochen. Neben den spannenden Entwicklungen in der Verfolgung des Serienmörders, der Cass Jones offenbar zu seinem persönlichen Liebling erklärt hat, offenbart Sarah Pinborough ein faszinierendes soziales Netz innerhalb der Polizeibehörde, in welchem wahre Freundschaft längst durch Konkurrenz und Karrieredenken verdrängt wurde.

Die Anzahl der Akteure in Die Bürde des Blues ist gut gewählt, so das Unübersichtlichkeiten vermieden werden und alle Figuren in ihrer Charakteristika zur Geltung kommen. Nach und nach entblättert die Autorin in ihrer düsteren Kriminalgeschichte mit phantastischen Hauch ein Geflecht aus Morden und mysteriösen Hintermännern, das bis zu Cass Jones persönlich führt und sich mit Spannung liest. Obwohl der phantastische Aspekt des Romans eher zurückhaltend gestaltet ist und sich behutsam in der Welt der Menschen eingenistet hat, ist dieses Buch ein schauriger Thriller mit Horror Note, der das Dunkle in sich brillant zur Geltung bringt.
Aus dem Sumpf von Cass Jones kaputten Privatleben führt ein zwielichtiger Ermittlungsweg in Die Bank und wird von eindrucksvoll gezeichneten Abgründen umringt. Mit tollen Antagonisten und ihrem undurchsichtigen Spiel, ist dieser Roman ein sehr durchdachtes und atmosphärisch fein gewobener dunkler Lesegenuss geworden. Der Schreibtstil von Sarah Pinborough ist recht simpel gehalten und hat stellenweise sein Potential nicht voll ausgeschöpft, allerdings wird dies von dem genial entwickelten Geflecht aus Morden, Mysterien und Verschwörungen auf fesselnde Weise überdeckt. Gleiches gilt für ihre Welt nach der Finanzkrise, welche bis auf die allmächtige Bank und ihre Machenschaften kaum Unterschiede zu der Heutigen aufweist, aber es sehr schön schafft die schmutzigen und hässlichen Seiten der Londoner Gesellschaft zu zeigen.
Mit einem erschreckend gelungenen Faible für die Abgründe der menschlichen Psyche hat Sarah Pinborough mit Die Bürde des Blutes einen düsteren Roman erschaffen, der sich zwischen Mystery Thriller, leichtem Horror und einem phantastischen Krimi bewegt.

Sarah Pinborough: Die Bürde des Blutes – Ein ungewöhnlicher und düsterer Roman, um den langsam beginnenden Verfall einer Gesellschaft und ein undurchsichtiges Spiel aus Morden und rätselhaften Botschaften eines Serientäters, dem die Fliegen Untertan sind. Horror und Krimi gehen hier eine gelungene Verbindung ein und enthüllen einen düsteren, geheimnisvollen Triologie Auftakt, der spannend zu unterhalten und erschrecken weiss.

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Buchfakten:
Sarah Pinborough
Die Bürde des Blutes
Aus dem Englischen von Catrin Fischer
Klappbroschur mit Hochprägung
Otherworld / Ueberreuter
Titel der Origninalausgabe: Matter of Blood – Dog-faced Gods 1
450 Seiten
13,5 x 21,5 cm
ISBN: 978-3-8000-9535-3
Januar 2011

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