15 Millionen Dollar hat sich die hochnasige Leitung des Brock Museums ihr Caravaggio Gemälde, der „Drei Weisen aus dem Morgenland“, kosten lassen. Eine blamable Fehlinvestition für ein so angesehenes Haus, denn ein kurzer Blick von Annie Kincaid enthüllt das vermeintlich wertvolle Kunstwerk, als die Arbeit eines Fälschers.
Ihr ehemaliger Freund, der Museums Kurator, ist am Boden zerstört und eilig scheucht er die, in Museumskreisen äusserst unbeliebte, Kunstkennerin Annie, aus dem Gebäude. Doch kaum hat Annie Kincaid das Anwesen hinter sich gelassen, heulen Sirenen durch die Nacht und tauchen das Brock Museum in ihren flackernden Schein…

Der wortkarge Hausmeister des Museums musste sein Leben lassen. In jener Nacht, in der Annie Kincaid dem Brock vor Augen geführt hat, dass ihre hohen Expertennasen einem Kunstfälscher auf den Leim gegangen waren. Doch auch ihr Exfreund scheint sich aus dem Staub gemacht zu haben, denn seitdem er Annie in das Gebäude schmuggelte, fehlt von ihm jeder Spur. Schnell gerät Annie selber in das Visier der polizeilichen Ermittlungen und dies ausgerechnet als ihr neuer Yuppie-Vermieter eine deftige Mieterhöhung für ihr kleines Atelier ankündigt. Annie Kindcaid hatte schon gedacht ihren Ruf von einst losgeworden zu sein. Doch dieses Talent scheint nicht von ihr zu lassen.

In jungen Jahren als Wunderkind gefeiert, da es ihr gelang eine perfekte Kopie der berühmten „Mona Lisa“ anzufertigen, hatte sie diese Fähigkeit, in der Nacht vor ihrem siebzehnten Geburtstag, in eine Gefängniszelle gebracht. Annie Kincaid war in die Fußstapfen ihres berühmt-berüchtigten Grossvaters Georges LeFleur getreten, welcher zur Zeit an einem Buch, mit dem Titel „Reflektionen eines Kunstfälschers von Weltrang“ arbeitet. Doch mittlerweile hat sie ihre aussichts- und ertragreiche Verbrecherlaufbahn, zum Leidwesen des Grossvaters, an den Nagel gehängt und betreibt ein Kunststudio für Oberflächengestaltung. Mit einunddreissig Jahren ist Annie eine durchaus erfolgreiche Selbstständige, doch die Mieterhöhung kann sie sich keinesfalls leisten. Wie gerufen kommt da der Auftrag eines Kunsthändlers, dem mehreren Zeichnungen alter Meister abhanden gekommen und durch Fälschungen ersetzt worden waren. Die Belohnung dürfte reichen, um trotz Mieterhöhung den Kopf über Wasser zu halten, auch wenn Annie ahnt, dass ein alter Bekannter aus Kunstfälscherkreisen hier seine Hände im Spiel hat.
Für Annie Kindcaid beginnt eine aufreibende Jagd nach den verschwunden Zeichnungen und ehe sie sich versieht, findet Annie sich im Zentrum mörderisch-mysteriöser Ereignisse, rund um das gefälschte Caravaggio Gemälde…

Mit dem Auftaktband Kunstfehler, zu ihrer Reihe, um Die Fälle der Annie Kincaid, hat das Autorinnengespann, hinter dem Pseudonym Hailey Lind, einen modernen, spannenden und ungewöhnlichen Krimi vorgelegt.
Hailey Lind – Das sind die Geschwister Julie Goodson-Lawes, eine Künstlerin aus Kalifornien und die Historikerin Carolyn J. Lawes aus Virginia. Der erste Fall von Annie Kincaid entwickelt sich schnell zu einer rätselhaften Kriminalgeschichte, im trüben Lichte des Kunstfälschermetiers. Hierbei sind keine künstlerischen Kenntnisse von Nöten, um den Roman verstehen und geniessen zu können. Annie Kincaid stakst und stolpert durch ihre abenteuerlichen Ermittlungen, verheddert sich in ihren Herausforderung und spielt ein gefährliches Spiel mit ihrem Leben. Was zunächst als herbe Schlappe für das Brock Museum erscheint, entwickelt sich rasant, gewitzt und spannend zu einem verzwickten Interessenspiel diverser, zwielichtiger Figuren und es folgt ein rätselhaftes Ereignis auf das Andere. Hailey Lind entwickelt hier ein sehr feines Netz der Hinterhältigkeiten, in dem nicht nur bei Kunstwerken die Frage nach Schein und Sein gestellt werden muss. Besonders die Ansiedlung der Geschichte im Künstler- bzw. Kunstfälschermilieu verleiht Kunstfehler einen ganz eigenen Charme und packenden Flair, der Einblicke in eine spannende Welt gewährt, die leichte Züge einer Parallelgesellschaft aufweist und reichlich Interessantes in sich birgt.
Wodurch dieser Krimi aber im Wesentlichen brilliert ist seine Hauptfigur. Auch wenn hier ein absolut spannender, eigenständiger und durchgehend faszinierender Krimi vorliegt, ist es doch Annie Kincaid, die diesem Buch seinen unvergleichlichen Charme verleiht. Die ehemalige Kunstfälscherin ist ein beständiger Unterhaltungsgarant, der dem Leser unglaublich schnell ans Herz wächst. Hier haben wir eine höchst sympathische, erfrischende Hauptfigur, jenseits langweiliger Allrounderinnen, die mehr schlecht als recht durch ihre Ermittlungen stolpert und einfach zum Mitfiebern zwingt. Annie Kincaid ist eine facettenreiche, lebensnahe Protagonistin, mit Ecken und Kanten, Brüchen in ihrer Biographie und Widersprüchen in ihren Gedanken, die diesen Krimi zu einem amüsanten, spannenden, verrückten, dramatischen und ganz leicht romantischen Lesevergnügen macht.
Somit ist Kunstfehler – Die Fälle der Annie Kincaid ein Buch, an dem schlichtweg alles stimmt. Eine sorgsam geflochtene Kriminalgeschichte, mit spannenden, mysteriösen Elementen, zwielichtigen Figuren, rätselhaften Ereignissen und einem sehr durchdachten, nachvollziehbarem und bis zur letzten Seite packenden Aufbau. Wem das Thema Kunstfälschungen, für einen Krimi, zu trocken klingt, dem sei hier gesagt – wenn von Hailey Lind geschrieben, ist es das Thema für einen Krimi. Abwechslungsreich, spannend und mörderisch gut.

Hailey Lind: Kunstfehler – Die Fälle der Annie Kincaid 1 – Ein spannender Krimi, mit einem grossartigen Geflecht dubioser Machenschaften und verzwickter Täuschungsmanöver. Ein packender Lesegenuss, der durch seine erfrischende, unkonventionelle und farbenfrohe Hauptfigur einen unvergleichlichen Charme bekommt und bis zum Schluss zu amüsieren und zu fesseln weiss.

Mehr zu dem Buch: Kunstfehler – Die Fälle der Annie Kincaid 1

Buchfakten:
Hailey Lind
Die Fälle der Annie Kincaid 1: Kunstfehler
Feder & Schwert
384 Seiten, Taschenbuch
ISBN 978-3-86762-072-7

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