Am 15. April 2011 ist der 130. Roman, zu der Fantasy Rollenspielwelt Das schwarze Auge, erschienen. Das Romandebüt von Mike Krzywik-Groß entführt in die Stadt Riva und entwickelt in ihr ein spannendes Abenteuer, mit erfrischend eigenständig gestalteten Figuren. Pünktlich zum Verkaufsstart von Riva Mortis hat sich der Autor erfreulicherweise bereit erklärt, ein paar Fragen zu seinem DSA Roman, der Faszination Phantastik, seinem Verhältnis zu Aventurien und über die Geburtsgeschichte einer amüsanten Altertumsforscherin zu beantworten, sowie ein wenig über ein ganz besonderes Weihnachtsgeschenk, einen folgenschweren Besuch bei der Hamburger NordCon, wirrköpfige Maraskani uvm. zu plaudern.

Viel Spass mit dem Interview mit Mike Krzywik-Groß!

Einigen Fantasy Lesern mag dein Name vielleicht noch nicht so viel sagen, liegt doch mit Riva Mortis dein erster Roman vor.
Wie bist du zum Schreiben gekommen und was fasziniert dich am lesen und erzählen phantastischer Geschichten?

Na das hoffe ich doch, dass mein Name noch nicht so vielen geläufig ist! Aber ich versuche das jetzt mal zu ändern.

Ich lese bereits seit meiner Jugend Fantasy-Literatur, was sich über die Jahre hinweg zu einer ausgeprägten Leidenschaft entwickelt hat. Flankiert war diese Passion schon immer von meiner gesteigerten Freude an Fantasy-Rollenspielen, welche eine große Rolle in meinem Leben spielen. Im Laufe der Jahre wurde der Aufwand für das Erstellen von Abenteuern oder das Erschaffen von Charakteren immer umfangreicher. Mit dem Anspruch ans gepflegte Rollenspiel, stieg die Anzahl der geschriebenen Seiten Hintergrundgeschichte proportional mit. Es war mir an irgendeiner Stelle nicht mehr genug nur eine knappe Beschreibung abzuliefern, es mussten dann schon ein paar Seiten Kurzgeschichte über den neuen Helden sein. Dieser Umstand ging Hand in Hand mit einer Frustration aufgrund von 2-3 wirklich schlechten Fantasy-Romanen, die ich halb gelesen zur Seite gelegt hatte und dem Gedanken: Das kann ich besser! Ein paar Versuche später ist mir deutlich bewusst geworden, dass Schreiben weniger etwas mit ganz tollen, kreativen Ideen zu tun hat, sondern viel mehr ein unheimlich hoher Anteil klassisches Handwerk dahinter steckt. Es ist alles andere als einfach ein gutes Buch zu schreiben. Also versuche ich mich jetzt als Lehrling und schaue mal, ob es jemandem gefällt.

Beim Lesen phantastischer Geschichten reizt mich vor allem der ausgeprägte Anteil Eskapismus, welcher bei mir großartig funktioniert. Nachdem ich ein paar Seiten in einem Fantasy-Wälzer geschmökert habe, vergesse ich umgehend die kleinen, alltäglichen Problemchen (Ach Mist, ich wollte ja noch Wäsche aufhängen!).

Riva Mortis ist ein DSA Roman. Wie bist du in die Welt des Schwarzen Auges gelangt und was fesselt dich an ihr?

Puh, da muss ich ganz schön weit in die Vergangenheit zurück. Es war Weihnachten 1985, als mir meine Eltern diese unheimlich cool aussehende Box mit der mystischen Aufschrift „Das Schwarze Auge Basisspiel“ unter den Tannenbaum legten. Als kurz darauf Silvana befreit und das Wirtshaus zum Schwarzen Keiler besucht wurde, gab es einen ganz schön aufgeregten Neunjährigen, der seine Schulfreunde ständig zu irgendwelchen Heldentaten überreden wollte. Nach kurzen Pausen und diversen Ausflügen in andere Rollenspielsysteme kam ich vor einigen Jahren zurück zum Schwarzen Auge, da mich die unheimlich dicht gestrickte Welt, samt fortlaufender Historie und facettenreichen Kulturen, in ihren Bann zog. Mein Wiedereinstieg in Aventurien war dann recht ungebremst, wenn ich den Stapel Regionalspielhilfen in meinem Regal so betrachte. Neben der schön gezeichneten Welt, begeistert mich vor allem die sehr hohe Qualität der aktuellen Produkte. Bei jeder Länderbeschreibung geht bei mir direkt das Kopf-Kino los.

Thomas Finn, Markus Heitz, Daniela Knor (Sarah Lukas), Thomas Plischke,… Viele heute bekannte Fantasy Autoren hatten mit Romanen zu Rollenspielwelten ihre ersten Veröffentlichungen.
Ist Riva Mortis ein Sprungbrett für dich in den Büchermarkt, oder eher die Verwirklichung des Wunsches, einem eigenen Rollenspielcharakter ein Buch zu widmen, bzw. Erfahrungen, aus selber gespielten Abenteuern in Aventurien, niederzuschreiben? Welche Bedeutung hat Riva Mortis für dich und mit welcher Motivation ist es entstanden?

Riva Mortis ist in erster Linie mein erstes veröffentlichtes Buch und hat damit eine gigantische Bedeutung 😉
Aber einmal Spaß beiseite. Da muss ich, glaube ich, eine kurze Anekdote zu erzählen. Wie so häufig im Leben, spielte der Zufall eine große Rolle, so auch bei der Entstehung des Romans. Ich war im letzten Jahr dabei ein Manuskript für einen eigenständigen Fantasy-Roman zu erstellen, als ich mit zwei Freunden die NordCon in Hamburg besuchte. Ich befand mich auf der Suche nach einem alten, leider schon lange vergriffenen Buch, als ich mit Werner Fuchs von FanPro ins Plaudern kam. Irgendwann überfiel mich der Übermut und ich fragte ihn, ob er nicht Interesse an meinem Manuskript hätte. Werner Fuchs lehnte höflich ab, machte aber deutlich, dass er immer Autoren für DSA-Romane suche. So gesehen entstand die Motivation für Riva Mortis eher durch Herrn Fuchs, als durch mich. Nachdem ich meinen Ärger, dass ich nicht selbst auf diese Idee gekommen bin, runter geschluckt hatte, ging es fix an das Schreiben eines Exposés und einer Schriftprobe, bis dann kurz darauf Grünes Licht vom Verlag kam.

Es war ein gutes Gefühl sich in einer Welt zu bewegen, die man schon soviele Jahre kennt und schätzt. Es machte riesigen Spaß für einen Roman zu recherchieren und dabei all die schicken Rollenspielbücher benutzten zu können, die sich im Schrank befanden und neue dazu zu kaufen. Somit war das Schreiben eines DSA-Romans schnell eine Herzensangelegenheit geworden. An dieser Stelle ist schon ein kleiner Traum in Erfüllung gegangen, mal etwas Offizielles im Schwarze Auge-Universum zu machen. Wobei es mir dabei weniger um Selbstdarstellung geht, als viel mehr die strukturierte Geborgenheit Aventuriens nutzen zu können, um in dieser Welt eine Geschichte anzusiedeln, welche auf den Gesetzmäßigkeiten von DSA fußt.

Mit der horasischen Altertumsforscherin Ancalita Balliguri existiert in deinem Roman eine Hauptfigur, die ihrer Aufgabe kaum gewachsen scheint. Wie ist diese Theoretikerin, mit ihrer Schwäche für die praktischen Seiten des Lebens, entstanden?

Ancalita ist der Gegenentwurf des klassischen Fantasy-Helden. Sie ist weder stark, noch übermäßig gewandt oder gar geschickt im Umgang mit Anderen. Obendrein ist sie, im Gegensatz zu den meisten weiblichen Protagonisten im Fantasy-Bereich, nicht besonders hübsch und trägt sogar mindestens genauso viel Kleidung wie ihre männlichen Wegbegleiter. Sie träumt auch nicht davon, dass eines Tages der strahlende Ritter / geheimnisvolle Vampir um die Ecke kommt und sie errettet. Mir war es wichtig eine „Heldin“ in den Fokus zu rücken, welche unverhofft und allein durch ihre Tapsigkeit und gesteigert Neugier in die Geschehnisse dieses Abenteueromans gerät. Dies fand ich wesentlich naheliegender als der Drachentöter-Ordenskrieger oder die laszive Diebin.

An ihre Seite gesellt sich der maraskanische Zauberer Madajin und bildet mit Ancalita ein doch recht ungleiches Paar. Wie würdest du den Maraskani charakterisieren und warum fiel deine Wahl auf zwei, doch wenig heldenhaft wirkende, Protagonisten?

Madajin ist ein Maraskaner durch und durch. Er entspricht dem kulturellen Klischee des plappernden Wirrkopfes, der mehr mit sich selbst, als mit seiner Umwelt beschäftigt scheint. Große Ereignisse werden nicht von dem Zauberer hervorgerufen, sie überrollen ihn, ohne sein eigenes Zutun. Beiden Protagonisten ist gemein, dass sie so ganz und gar nicht dem klassischen Heldentypus entsprechen und dies hat für mich den besonderen Reiz ausgemacht. Sie suchen weder die Gefahr, noch ist ihre Motivation, in den Geschichtsbüchern zu landen. Viel mehr stolpern beide in eine Handlung, die ihnen eine Heidenangst einjagt. Durch ihre etwas humoristischen Anlagen bringen die Zwei eine gewisse Leichtigkeit in die Geschichte, die mir sehr wichtig war. Das hat mir mehr Freude bereitet, als einen neuen pathetischen Heldenepos zu kreieren. Den gibt es dann ja vielleicht beim nächsten mal.

In Gewerkehoop liegt die Taverne von Swangard, einer raubeinigen Wirtin, die sich auch vor Geschäften in diffusen Milieus nicht scheut. Ist es dem Spass an einer pöbelnden Nebenfigur geschuldet, dass die Wirtin ein solches Auftreten hat und vielleicht auch über den normalen Rahmen einer Figur hinausschlagen darf?

Ein ganz klares Ja! Ich mag einfach Schurken. Es war sehr lustig sich einmal vom gesichtslosen Wirt mit dickem Bauch und schmieriger Schürze zu entfernen und eine eigenständige Persönlichkeit einzubringen. Mit ihrer leicht vulgären Fäkalsprache ist sie eine echte Herausforderung für jeden Fantasy-Leser! Doch Grundstein für die Person Swangard lag nicht bei mir, sondern sie taucht in der offiziellen Regionalspielhilfe auf. Somit musste ich das bestellte Feld nur übernehmen. Eine große Motivation, die Wirtin in diesem Maße zu berücksichtigen, lag auch in der cineastischen Anleihe, welche ich in ihr gesehen habe. Ich möchte jetzt nicht zu viel verraten, doch die Wirtin Swangard hat eine gewisse Ähnlichkeit mit einer Figur aus einer HBO-Fernsehserie…

Riva und das Riedemoor sind die Handlungsorte in DSA Roman Nr. 130. Wie ist die Entscheidung entstanden dein Abenteuer dort spielen zu lassen und was erwartet den Leser in der Handelsstadt am Golf von Riva?

Die Wahl des richtigen Schauplatzes war alles andere als einfach. Dies liegt vor allem in meiner Liebe zu Aventurien begründet, so dass es mir schwer viel, mich auf eine Region zu beschränken. Ausschlaggebend war dann tatsächlich, die bei der vorherigen Frage bereits erwähnte, DSA-Spielhilfe „Patrizier & Diebesbanden“. Die Stadt Riva ist in dieser Publikation einfach so detailiert und liebevoll beschrieben, dass es den perfekten Ort für die Handlung bot. Die von mir hineininterpretierten Ähnlichkeiten zu einer meiner Lieblingsfernsehserien tat dann sein übriges. Darüber hinaus fand die Handelsstadt bis jetzt wenig Verwendung in offiziellen Romanen oder Abenteuern. Nur ein älteres Computerspiel beschäftigt sich mit Riva. Das bot mir den Raum mein eigenes Riva auf Basis der offiziellen Gegebenheiten zu entwerfen.

Über die Handlung möchte ich an dieser Stelle noch nicht allzu viel verraten. Da musst Du wohl auf den veröffentlichten Roman warten.

Wie du im Vorgespräch zu dem Interview erwähnt hattest, trug dein Roman zunächst einen anderen Arbeitstitel, welcher eine interessante Komponente deiner Geschichte in den Vordergrund rückte, die sich zudem auch auf dem Buchcover wiederfindet.
Welche Rolle spielt das Wappen mit den drei Federn?

Na da hast du mich jetzt aber ertappt! Genau, eigentlich sollte das Buch den Namen „Das Seelenheil des Gaius Scribani“ tragen, woraufhin der Verlag, ob der Länge des Titels, die Hände über den Kopf zusammengeschlagen hatte. Doch das aus einem Wortspiel entstandene Riva Mortis steht dem ersten Entwurf in nichts nach. Ja, die drei Federn … Wer sich in der Welt des Schwarzen Auges auskennt, könnte dieses Zeichen ein Begriff sein. Es ist das Ordenssymbol der Noioniten, einer Glaubensgemeinschaft, die sich in ihren Klöstern um die geistig Erkrankten kümmert und sich dieser gequälten Seelen annimmt.

Na, dann muss ich jetzt vielleicht doch noch etwas über die Handlung von Riva Mortis verraten. Die Alterumsforscherin Ancalita übernimmt den Posten ihres Vorgängers Gaius Scribani, der nach einer Expedition ins nahe Riedemoor den Verstand verloren hat. Somit spielt das Seelenheil bzw. der Verlust des selbigen eine zentrale Rolle im Buch, ist es doch der Ausgangspunkt für eine abenteuerliche Geschichte. Wer schon immer mal einen aventurischen Psychoanalytiker … äähh … Seelenheilkundler bei der Arbeit erleben wollte, sollte einmal in den Roman hineinlesen.

Obwohl dein Roman im Frühsommer 1031 BF spielt, beschreibt der Prolog eine kriegerische Szene 5000 Jahre vor Bosparans Fall. Magst du uns über dieses Zeitphänomen aufklären, welches im späteren Verlauf der Geschichte noch über eine gewisse Relevanz verfügt?

Also generell mag ich so etwas wie Prolog und Epilog unheimlich gerne. Es ist ein klarer Bruch in der Geschichte und eröffnet einem die elegante Möglichkeit Dinge zu beschreiben, die im normalen Kontext der Geschichte unpassend wären. Ähnlich verhält es sich auch mit dem Prolog zu Riva Mortis. Der Ort des Geschehens ist der gleiche wie im weiteren Verlauf der Erzählung, nur die Zeit ist eine ganz andere. Vor 6000 Jahren existierte noch kein Riva und an eine menschliche Besiedlung war ebenfalls nicht zu denken. Es war die Zeit der Hochelfen, die sich einem mächtigen Feind stellen mussten. Selbstredend hat es eine Relevanz für die weitere Geschichte, es lohnt sich also den Prolog nicht zu überblättern…

Wenn du eine Figur aus Riva Mortis persönlich treffen könntest, welche wäre es und warum?

Puh, dass ist eine großartige und schwere Frage zugleich. Madajin würde mir mit seinem Gequassel schnell auf die Nerven gehen, vor Swangard hätte ich Angst und Ancalita würde mir für so manche, ihr angedichtete Ungeschicklichkeit, wahrscheinlich ins Gesicht schlagen. Hmm, ein Abend mit Kapitän Haberbichel wäre sicherlich ganz nett oder vielleicht würde mich eine Sitzung bei dem oben erwähnten Seelenheilkundler davon abhalten, solche Bücher zu schreiben…

Wenn du so freundlich wärst, den folgenden drei Sätzen ein Ende zu verleihen?

Wichtig für Charaktere, in Büchern und im Rollenspiel, ist mir … der Mut zum Imperfekten und Fehlerbehafteten.

Aventurien ist für mich … ein Stück zu Hause.

Das Sterbenlassen einer Romanfigur … tut tatsächlich weh!

Kannst du schon etwas über zukünftige Buchprojekte verraten? Woran schreibst du gerade und wirst du Aventurien treu bleiben, oder einen Aufbruch in neue Gefilde wagen?

Viel Spruchreifes gibt es da tatsächlich noch nicht, genieße ich doch gerade die Veröffentlichung von Riva Mortis, samt Lesungen und Interviews. Aber ich würde mich gerne schriftstellerisch weiterentwickeln, in welchem Rahmen auch immer. So ganz fertig bin ich mit Aventurien noch nicht, aber mal schauen wohin der Weg führt. Auf jeden Fall werde ich weiter schreiben und hoffe noch auf die eine oder andere Veröffentlichung. Mir gefällt einfach das Klischee des erfolglosen Fantasy-Autors, dass darf gerne Teil meiner Vita werden und bleiben 🙂

Vielen, lieben Dank für diese großartigen Fragen! Ich hoffe, ich habe sie nicht zu umfangreich beantwortet.

Ganz im Gegenteil. Vielen Dank für die tollen und spannenden Antworten!

Mehr zu dem Buch: Riva Mortis

Autoren Blog: Mike Krzywik-Groß