220 Aussteller (+7 Prozent) und zehntausende Rollenspiel-Fans verwandeln Kölner Messegelände erneut in die größte Fantasy-Welt Europas.
Weltpremieren, Mittelaltermarkt, Live-Bands und Fantasy-Award sorgen für beste Unterhaltung in den Messehallen 2 und 3.
Orks, Elfen, Magier, Schwarze Kunst und jede Menge Abenteuer: Die Role Play Convention 2011 verwandelte am Wochenende das Messegelände der Koelnmesse erneut in Europas größte Fantasy-Welt.

Neben zehntausenden begeisterten Besuchern verzeichneten die Organisatoren der Koelnmesse und der Enjoy Event Marketing GmbH ein Ausstellerwachstum von 7 Prozent. Insgesamt 220 Aussteller (2010: 205) präsentierten in diesem Jahr in Köln ihre Neuheiten und Trends. Die Projektverantwortlichen Tim Endres und Andre Kuschel zogen ein entsprechend positives Fazit: „Rollenspiele liegen im Trend der Zeit und bieten zahlreiche spektakuläre Facetten. Die Begeisterung unserer Besucher verdeutlicht dies genauso wie das gestiegene Interesse auf Ausstellerseite.“ Zwei Tage standen die Messehallen 2 und 3 in Köln ganz im Zeichen der Rollenspiele: von Live Action Role Play (LARP) über Pen&Paper Spiele, PC und Gesellschaftsspiele, Literatur, Comic bis hin zu Tabletop und Miniatur-Figurenspielen.
Dabei lüftete u.a. KSM Film mit der Weltpremiere von Preview-Material zum Fantasy-Film Das Schwarze Auge ein großes Geheimnis. Das begeisterte Publikum wurde nach Aventurien entführt und diese vielfältige und spannende Welt auf der Kino-Leinwand in eindrucksvoller Weise zum Leben erweckt. Die besten Fantasy-Neuheiten und Spiele der RPC wurden erneut mit dem Fantasy Award ausgezeichnet. Auf dem Mittelaltermarkt bot das Live-Musik-Programm mit Grillstationen beste Open-Air-Atmosphäre. (Quelle: Pressemeldung)

Unter dem Motto „Underworld´s Gate“ feierte die Kölner Role Play Convention fünfjähriges Jubiläum und lud am 07. und 08. Mai 2011 zu einer Fantasy Con der Extraklasse. Auf 20.000 qm, ergänzt durch 3.000 qm Aussengelände, trafen sich an diesem Wochenende Phantastik und Rollenspiel Begeisterte aller Couleur. Spielrunden, Promoaktionen, der RPC Run, Workshops, Fashionshows, Signierstunden, Konzerte, Live Raids aus RIFT und World of Warcraft, Kostümwettbewerbe, die Wahl zum Nerd of the Year, Präsentationen,… warteten auf die zahlreichen und teilweise eindrucksvoll gewandeten Besucher. Freunde der phantastischen Literatur fühlten sich unweigerlich vom WerkZeugs Lesecafe angezogen, welches einige spannende Lesungen auf die Beine gestellt hatte.

Den Auftakt bildeten am Samstag Vormittag Carsten Steenbergen und Stephan Orgel, welche den interaktiven Fortsetzungsroman Steamtown vorstellten. Bei ihrer Lesung wurde schnell deutlich, dass es sich bei Carsten Steenbergen um einen begnadeten Leser handelt, der seine Zuhörerschaft feinfühlig in den spannenden Flair von Steamtown führte und wirklich neugierig auf mehr machte. Auch wenn das Lesen am Bildschirm manch einem wenig behagt, sollte auf Steamtown doch ein Blick geworfen werden – die Lesung deutete interessante Charaktere, eine sehr eigenständige Welt und eine spannend Geschichte an. Zudem soll es bereits Ende des Jahres Steamtown als Hörbuch geben und die beiden Autoren schlossen auch einen zweiten Roman nicht komplett aus. Ein erster Trailer zu dem Hörbuch ist bereits veröffentlicht worden.

Es folgt im nahtlosen Anschluss eine Verlagslesung mit Oliver Graute von Feder & Schwert, der wohl einzige deutsche Phantastik Verlag der Steampunk als Dauerbrenner (bzw. -dampfer) auf seine Fahnen geschrieben hat. Wer ein wenig mit der jüngeren Geschichte des Londoner Stadtteils Whitechapel vertraut ist, ahnt bereits das in dem vorgestellten Roman nicht alles rosa Zahnrädchen ist. Oliver Graute entführte in das nebelig-zwielichtige Gespinst von S. M. Peters Roman Die Götter von Whitechapel, welcher jüngst bei Feder & Schwert erschienen ist und gab Einblicke in eine skurrile Geschichte, mit einem mysteriösen Intrigennetz und einfach herrlichen Figuren. Die Anmerkung des Vorlesers, dass dieses Buch sich ausschließlich an ein erwachsenes Publikum richtet, wurde nach wenigen Minuten für alle Anwesenden eindrucksvoll nachvollziehbar und durch Oliver Grautes kräftige, tiefe und ganz leicht raue Stimme zu einem schaurigen Vergnügen, welches fünfundvierzig Minuten lang zu fesseln wusste. Es deutete sich an, dass Feder und Schwert wieder einmal eine literarische Perle gefunden hat, welche Phantastik mit einem gewissen Extra bereithält.

Der nächste Steampunker war Bernd Perplies, welcher Auszüge aus seiner Magierdämmerung Reihe las und einmal mehr verdeutlichte, dass Fantasy Autoren aus Deutschland meist absolut sympathische Zeitgenossen sind. Nach kurzem Publikumsvoting, aus welchem der beiden bislang bei Egmont Lyx erschienenen Romanen gelesen werden sollte, schlüpfte Bernd Perplies mit stimmlicher Akrobatik in die Rollen seiner Protagonisten und liefert ein beeindruckendes Rollenspiel. Neben seiner sehr angenehmen Stimme in den dialogfreien Passagen, grummelte, näselte und polterte der Autor in den Dialogen, dass ein wirklich lebendiges Bild seiner Charaktere entstand und das Publikum eine äusserst spannende und unterhaltsame Veranstaltung geniessen durfte. Auf der RPC durfte Bernd Perplies wohl über sein neues Buchprojekt noch nichts verraten, wenige Tage später enthüllte er dann doch Drachengasse 13.

Im Anschluss zog Tommy Krappweis die interessierte Massen an und füllte das Lesecafe bis auf den letzten Platz aus. Zu seiner Lesung aus Mara und der Feuerbringer gibt es einen leicht wackeligen Videoeindruck:

Als direkt darauf folgender Publikumsmagnet entpuppte sich, wenig überraschend, Markus Heitz, der routiniert aus seiner Vampir Reihe, um die Judassöhne und Judastöchter las. Die für den Anschluss angekündigte Lesung von Christoph Hardebusch aus Smart Magic fiel leider aus. Erfreulicherweise sprang jedoch Lena Falkenhagen ein und stellte ihren Justifiers Roman Undercover vor und überzeugte durch eine sehr gute Lesung, aus einem scheinbar äusserst spannenden SciFi Universum. Das WerkZeugs Lesecafe schloss am Samstag Abend seine Pforten mit der Lesung von Wolfgang Hohlbein aus Infinty- Der Turm. Parallel dazu las der Verleger Torsten Low auf der Gothika Bühne und gab ein faszinierendes Programm zum besten. Mit dröhnendem Kettensägensound aus den Bühnenboxen, Heavy Metal Musik, blutiger Schürze, einem Körbchen Schokolade und dem Einsatz einer Nebelmaschine (!) bot der Verleger phantastischer Literatur weniger eine Lesung, als vielmehr eine Phantastik Literatur Show, die gerne ihre vorgegebene Zeit hätte überschreiten können.

Der Sonntag hielt als ersten WerkZeugs Programmpunkt „Neue Abenteuer in Aventurien“ bereit, hinter dem sich eine kooperative Lesung von Mike Krzywik-Groß und Judith C. Voigt verbarg. Obwohl die beiden DSA Autoren nur jeweils zwanzig Minuten Lesezeit hatten, wirkte die Veranstaltung zu ihren Debütromanen äusserst harmonisch und erstaunlich professionell. Von Aufregung oder Nervosität keine Spur, las zuerst Judith Voigt aus Im Schatten der Esse und anschliessend Mike Krzywik-Groß aus Riva Mortis. Waren die Passagen aus Im Schatten der Esse eher actionorientiert und packend, präsentierte Mike Krzywik-Groß das amüsante Treiben eines maraskanischen Magiers und einer etwas tolpatschigen Altertumsforscherin. Nach der Lesung nutzten viele der Anwesenden die Möglichkeit zur Signierung ihrer Bücher und um kurz mit dem Autoren Duo zu plaudern. Ein sehr angenehmer Auftakt für das sonntägige Lesecafe, mit zwei Autoren, denen der Kontakt zur Leser- und Rollenspielerschaft wirklich am Herzen lag.

Eine zweite Doppellesung erfolgte im Anschluss und präsentierte zwei morbide Mash Ups, die sowohl leicht skurril, als auch spannend wirkten. Claudia Kern las aus Sissi – Die Vampirjägerin. Scheusalsjahre einer Kaiserin und Susanne Picard stellte Die Leichen des jungen Werther vor. Blutig, gewitzt, aber in beiden Fällen mit einer authentischen Sprache, entführten die Autorinnen in das mörderische Treiben des Adels im frühen zwanzigsten Jahrhundert und einen Goethe Klassiker der wandelnden Toten. Eine amüsante Lesung mit spannenden Figuren und untoten Abenteuern.

Um 14:00 Uhr öffnete Gesa Schwartz die Pforten in ihre Anderswelt und hielt eine spannende Lesung aus Grim 2 – Das Erbe des Lichts. Das gut gefüllte Lesecafe erlebte eine Autorin, der deutlich anzumerken war wie sehr ihr ihre Figuren am Herzen liegen und die es schaffte den Zuschauerraum eine Stunde lang in einen Ort gebannter Stille zu verwandeln. In der kurzen anschliessenden Diskussion verriet Gesa Schwartz, dass sie es sich gut vorstellen könnte einen Dark Fantasy / Horror Roman zu schreiben, mit Nephilim aber bereits ihr nächstes Urban Fantasy Projekt bei Egmont Lyx vorliege. Viele der Anwesenden nutzten anschliessend die Möglichkeit zur Signierung ihrer Grim Bücher und zum kurzen Gespräch, mit einer äusserst sympathischen Autorin, die trotz ihrer Erfolge bodenständig geblieben ist. Was ja nicht zwingend bei jedem Autoren der Fall ist.

Rückblickend stellte sich die RPC 2011 als bunter Quell phantastischer Veranstaltungen heraus, dem natürlich das familiäre Fandom Fair kleinerer Cons fehlte, aber durch seine inhaltliche Breite und Programmfülle zwei abwechslungsreiche Tage bescherte.

Ein paar weitere Impressionen:

Mehr zur RPC: Roleplay Convention