Roschar, Welt der Stürme, wurde einst von mächtigen Kriegern und ihren Splitterklingen behütet, doch dieses Zeitalter liegt lange zurück und dient nur noch zur Legende und Religion. Die sagenhaften Splitterklingen sind jedoch geblieben, nicht nur in den Händen ehrenhafter Männer.
Szeth, der Unwahre von Schinovar, setzte den Friedensfeiern zwischen Parschendi und Alethi ein blutiges Ende. Seine Splitterklinge tötete Galivar, den König von Alethkar und entfachte den jahrelang andauernden Krieg auf der Zerbrochenen Ebene, der noch heute erbittert geführt wird. Doch Galivars Vision eines geeinten Alethkars ist längst ins Schwanken geraten, die Grossprinzen des mächtigen Reiches üben sich in Intrigen und der Königssohn ist von Paranoia zerfressen.

Dalinar ist ein Grossprinz von Alethkar, Führer eines schlagkräftigen Heeres und war der engste Vertraute des verstorbenen Königs Galivar. Am Rande der Zerbrochenen Ebene liegt das riesige Lager der alethkarischen Kriegsmaschinerie, doch Dalinar ist des Kämpfens müde. Die Ebene erfordert meilenlange Märsche über die unzähligen steinernen Plateaus, deren tiefe Klüfte durch tragbare Holzbrücken überwunden werden müssen und der Sinn des Rachefeldzugs gegen das scheinbar barbarische Volk der Parschendi verliert sich zu Gunsten von Profilierungsmanövern der einzelnen Grossprinzen. Dalinar jedoch hegt noch die alte Vision eines geeinten Königreiches und auch die geistigen Bilder, welche ihn in jeder Sturmnacht unter Krämpfen befallen, drängen den Splitterrüstungsträger den Zwiespalt der Grossprinzen zu überwinden und einen Vernichtungsschlag gegen die Parschendi zu führen. Doch die Parschendi sind nicht vergleichbar mit dem Dienervolk der stummen Parscher in Alethkar. Sie sind verbissene Krieger, geschützt von einer Rüstung, die ihrem Körper selbst entwachsen ist.

Die Kriegsführung auf der Zerbrochenen Ebene wird erst ermöglicht durch die Brückenmanschaften. Verbrecher, Sklaven und Deserteure vollziehen die brutale Aufgabe meterlange, massive Holzbrücken, mit etwa zwanzig Mann, über die endlose zerklüftete Ebene zu schleppen, über die tiefen Spalten zwischen den Plateaus zu legen und schlussendlich als Hauptziel des Pfeilhagels der Parschendi zu dienen. Es heisst, wenn ein Brückenträger hundert Läufe überlebt wird ihm die Freiheit geschenkt. Das dies jemals geschah gilt unter den gebeutelten Brückenträgern als lächerlicher Mythos. Kaladin wurde als Sklave an Brücke vier verkauft. Der ehemalige Krieger und Sohn eines Chirurgen sieht sich einer selbstmörderischen Aufgabe gegenüber, die ihn zu Tode schinden wird. Seltsamerweise lässt seit Tagen ein winziges Windsprengsel nicht von ihm. Kaladin ist sich jedoch sicher, dass es seiner angehenden Verrücktheit geschuldet ist, dass er meint die Stimme des kecken Sprengsels zu vernehmen. Sprengsel sprechen nicht, doch dieses erinnert ihn mit Nachdruck an ein Leben, das es zu leben lohnt.

Shallan muss als Mündel aufgenommen werden. Seit dem Tod ihres Vaters steht es schlecht um ihre einst angesehene Familie. Schuldeneintreiber drängen auf Zahlung und so war es ausgerechnet die schüchterne Shallan, welche ihre Brüder entsandten, um eines der mächtigsten magischen Artefakte zu entwenden, die auf Roaschar zu finden sind. Doch die Häretikerin und Wissenschaftlerin Jasnah zeigt kein Interesse an einem Mündel, dessen Verstand dem ihren weit unterlegen ist. Doch an Jasnahs Finger prangert er, der Ring, welcher einfachen Stein in edle Metalle zu verwandeln mag. Das Schicksal ihrer Familie liegt auf Shallans Schultern. Sie muss das Vertrauen der wohl misstrauischsten Person auf ganz Roschar gewinnen und ausnutzen…

Auf zehn Bände ausgelegt sein soll Brandon Sandersons neue High Fantasy Reihe, von der mit Der Weg der Könige nun auch in Deutschland der Auftaktband vorliegt. Jedoch erwartet die deutschsprachige Leserschaft deutlich mehr als zehn Bücher, denn bereits dieser Roman bildet nur die Hälfte der englischen Fassung, welche knapp über tausend Seiten stark ist. Das Brandon Sanderson für ungewöhnliche Fantasy und einen sehr eigenständigen Weltenbau steht untermauert der Autor mit seinem ersten Band der Sturmlicht Chroniken eindrucksvoll.
Eine steinerne Welt, in der selbst die Gewächse häufig steinerne Züge aufweisen und das Grass sich bei nahenden Bewegungen in den Boden zurückzieht und Tiere, die oft krebsartige Züge besitzen, wie die mächtigen scherenbewehrten Chrull, welche als Zug- und Lastentiere eingesetzt werden, bilden erst den Anfang von Sanderson rauhem und spannenden Kontinent Roaschar. So exotisch wie die graue Welt der Stürme ist, verhält es sich auch mit der Magie in Sandersons neuer Reihe. Am faszinierensten ist das Peitschen, durch welches das Gravitationsband, zwischen einem Wesen oder Objekt und der Welt, aufgehoben und somit eine andere Schwerkraft erzeugt wird. Hierdurch ist es möglich einen Standort blitzschnell zwischen Boden, Decke und Seitenwänden zu wechseln, eben noch stehende Objekt in fallende Geschosse zu verwandeln und Bewegungen in alle Himmelsrichtungen auszuführen.
Dieser äusserst interessante, aber durchaus auch etwas gewöhnungsbedürftige Weltenbau besticht durch ein Maximum an Eigenständigkeit, Kreativität und ist, trotz überraschender Elemente, absolut durchdacht und in sich schlüssig. Bereichert wird diese Ausgangssituation zu den Sturmlicht Chroniken durch interessant gestaltete Kulturen unterschiedlicher Völker und einer spannenden Geschichte mit Tiefgang. Der Weg der Könige führt als Auftaktband in die eindrucksvolle Welt Roschar und ihre Figuren ein und deutet ein episches Abenteuer an, welches einer intelligenten und fesselnden Geschichte folgt, die düstere Züge trägt, mit uralten Mythen spielt und ihre facettenreichen Charaktere wirklich leiden lässt.
Brandon Sanderson schreibt einfach anders, definiert Fantasy als offene Möglichkeit, anstatt sich einer beengenden Genrebegrenzung zu beugen und fordert von der Leserschaft die Bereitschaft zu eigener Kreativität und aufmerksamen Lesens.

Brandon Sanderson: Der Weg der Könige – Die Sturmlicht Chroniken 1 – Der Auftakt zu einem aussergewöhnlichen Fantasy Epos, mit einer Welt, die zu beeindrucken weiss und Figuren, die tiefgründig geformt und individuell gestaltet sind. Ein packender Roman der Intrigen, Schlachten und alten Legenden, in einer Welt mysteriöser Stürme. High Fantasy, bereichert durch gelungene Innengrafiken und Karten, für die der aktuelle Buchmarkt nichts vergleichbares bereithält.

Mehr zu dem Buch: Der Weg der Könige

Buchfakten:
Brandon Sanderson
Der Weg der Könige
Roman
Originaltitel: The Way of Kings – The Stormlight Archive, Book 1 (Part 1)
Originalverlag: Tor Fantasy (Tom Doherty Ass.)
Aus dem Amerikanischen von Michael Siefener
Gebundenes Buch mit Schutzumschlag,
896 Seiten, 13,5 x 21,5 cm, 10 s/w Abbildungen
ISBN: 978-3-453-26717-6
Verlag: Heyne