Die Strasse ist sein Zuhause, brennende Dörfer zeichnen seinen Weg der Rache und der Mythos von einem Krieger, der gegen eine Übermacht besteht ohne das sein Schwert auch nur einmal Blut geleckt hat, eilt ihm voraus.
Kronprinz Jorg von Ankrath – Dieb, Plünderer, Schlächter, aber mit fünfzehn möchte er König sein.
Es ist ein Rachefeldzug auf dem er sich befindet und der doch längst keiner mehr ist. Jorg hat eine exzellente höfische Ausbildung genossen, durch einen gutmütigen Lehrer und so wäre er seinem Vater auf den Thron gefolgt.

Doch dann fiel er in den Dornenbusch, verfing sich tief in dessen Gestrüpp und blutete schweigend aus hunderten kleinen Wunden, während er der Ermordung seiner Mutter und seines Bruders zusehen musste. Der Busch gab ihn wieder frei, doch der Prinz von einst starb in ihm und gerettet wurde ein Kämpfer, dessen Hass sich am väterlichen Hof erst zu seiner vollen Blüte entfalten soll.

Mark Lawrence hat mit Prinz der Dunkelheit einen düsteren Fantasy Roman erschaffen, der durch eine spannende Geschichte und eine bemerkenswerte Hauptfigur besticht. Es ist eine fragile Welt, die Mark Lawrence erschaffen hat, die wie zersplittert in kleine Länder und Königreiche zerfallen ist. Eines dieser überschaubaren Königreiche ist Ankrath und es liegt in einem beständigen Kriegszustand mit seinen Nachbarn. Dieser permanente Krieg entfacht sich jedoch nicht in grossen Maßstäben. Er ist durch Raubzüge, Entführungen, gezielte Tötungen  und Überfalle auf Grenzdörfer geprägt. Und es haben sich Spielregeln entwickelt. Die Königin und ihr Sohn wurde ermordet? Gut, dann tritt der Auftraggeber einen kleinen Streifen Land und ein paar Pferde zur Wiedergutmachung ab. Mit diesem beinahe bequem wirkenden Zustand eines Konfliktherdes, der mit Nadelstichen betrieben wird und Züge eines alt eingesessenen Rituals trägt, bricht Jorg. Er will keine Nadelstiche verteilen, sondern eine Schlacht um´s Ganze. Um jedoch seine Strassenbrüder bei Laune zu halten ist es unabdingbar in regelmässigen Abständen in Dörfer einzudringen, seine Bewohner niederzuschlagen, die Frauen zu schänden und anschliessend alles in Flammen aufgehen zu lassen.
So hat der Autor eine Hauptfigur erschaffen, die weder netter Schwiegersohn, noch strahlender Krieger für das Gute ist. Und wenn Jorg ein Buch auf die nackten Pobacken einer Prostituierten bettet um mit seinen Studien fortzufahren, aufmüpfige Strassenbrüder erdolcht oder die Anweisungen gibt, die versteckten Bauerstöchter aus den Kellern zu zerren, steht der Leser diesem Protagonisten doch leicht zwiespältig gegenüber. Mark Lawrence entfesselt hier kein stumpfes Splatter Abenteuer, legt jedoch Wert auf gelungene Action und wohl geformte Brutalität. Der Humor des Buches, so schwarz er auch ist, leidet nicht und so schafft es Mark Lawrence dem Leser auch in wüsten Prügelein ein Grinsen auf´s Gesicht zu zaubern. Obwohl die Grundidee eines Rachefeldzuges eher ein wenig eintönig klingt, ist dies in Prinz der Dunkelheit nicht der Fall.
Das Abenteuer weiss mit Überraschungen und interessanten Wendungen zu punkten, hält eine düstere Geschichte im Hintergrund bereit und entführt an Schauplätze, die durchaus unerwartet sind.

Nekromanten, Magier, Untote, entstellte Wesen, höfischer Adel und reichlich zwielichtiges Gesindel warten in Prinz der Dunkelheit auf Jorgs Klinge und die meisten von ihnen bekommen diese auch zu spüren. Ein schurkisches Abenteuer, das in Richtung Low Fantasy tendiert und obwohl es in einer eigenständigen Welt, die an das  europäische Mittelalter angelehnt ist, spielt, deutet sich für sie doch ein grösserer Rahmen an, in dem moderne Technik existiert. Diese erscheint in Prinz der Dunkelheit nur als Randnotiz, scheint aber in folgenden Büchern eine bedeutende und noch nicht absehbare Rolle zu spielen.
Dreckig, blutig, mit bösem Humor und doch einer Hauptfigur, die Sympathien zu erzeugen weiss, ist Prinz der Dunkelheit ein spannendes Fantasy Abenteuer, dass rundum zu unterhalten und zu fesseln weiss.

Mark Lawrence: Prinz der Dunkelheit – Moderne Low Fantasy mit einer jugendlichen Hauptfigur, die sowohl Kämpfer als auch Strippenzieher ist und in ein spannendes Abenteuer führt. Ein Roman der sich durch seine düstere, dreckige Note äusserst angenehm von vielen anderen Heldenreisen abhebt.

Mehr zu dem Buch: Prinz der Dunkelheit

Buchfakten:
Mark Lawrence
Prinz der Dunkelheit
Originaltitel: Prince of Thorns
Aus dem Englischen von Andreas Brandhorst
Deutsche Erstausgabe
Mai 2011
Paperback, Broschur, 384 Seiten, 13,5 x 20,6 cm
ISBN: 978-3-453-52825-3
Verlag: Heyne

Advertisements