Ein Jahr als Austauschschüler in New York, der Stadt seiner Träume, aus der Jay das letzte Lebenszeichen seines Vaters erhielt. Lange hatte Jays Mutter die Postkarten zurückgehalten, jene Zeugen seines Wahns und der Liebe zu seinem Sohn. Zweiherz hatte ihn gewarnt, vor dem was sich dem menschlichen Auge entzieht und doch neugierig um uns herum streift, wenn wir am wehrlosesten sind.
Es ist das schüchterne Mädchen mit den Indianeraugen, das Jay nicht mehr aus dem Kopf kriegt. Obwohl er als Deutscher in den U.S.A. den Status eines interessanten Exoten geniesst und auch sonst nicht unbeliebt ist, ist es Madison die sich langsam in sein Herz schleicht.

Die Motorradwerkstatt von Jays Onkel und dessen Sohn ist zugleich ihr Zuhause. Eine Männergemeinschaft, die mit wenigen Worten auskommt und stets von dem Geruch nach Öl und Benzin durchzogen ist. Doch Jay ist froh. Froh die quälenden SMS seiner Mutter ungelesen löschen zu können, froh in dem Haus zu sein, das einst seinem Vater Obdach bot, froh sich vielleicht verliebt zu haben. Doch dann beginnt Jays aufregende neue Welt Risse zu kriegen. Als der treuherzige Feather eines Tages flieht und Jay den hechelnden Vierbeiner verfolgt, muss er feststellen das jemand versucht den Hund zu fangen. Aus den hohen Zweigen eines Baumes zielt eine Metallspitze auf den Hund und Jay traut seinen Augen nicht als er einen Speer erkennt.
In New York sind Madmen keine Seltenheit. Verrückte, die den Weltuntergang lautstark prophezeien oder die seltsame Frau, die sich stets in Zeitungspapier hüllt und wirkt als sie einem historischen Film über das viktorianische Zeitalter entschlüpft. Ivy kauert in dem Baum, balanciert auf den Ästen, als sei es das Normalste der Welt und scheint nicht das geringste Verständnis dafür zu haben, dass man Hunde nicht einfach mit einem selbstgebastelten Speer erlegt. Doch diese Begegnung mit dem merkwürdigen Mädchen soll nicht die einzige bleiben. Sie taucht in den unerwartetsten Momenten aus dem Nichts auf, Verschwindet spurlos und wird, zu Jays Schrecken, von niemandem sonst gesehen, als ihm.
Es wäre so leicht wenn Jay einfach verrückt werden würde. Ein weiterer Madman in New York, wie der Vater, so der Sohn. Es wäre so leicht wenn Ivy irgendein übernatürliches Wesen wäre, das ihn in eine magische Parallelwelt führt. Es wäre so leicht… Aber als die Fassade dieser Welt vor Jays Augen zerbricht offenbart sich ihm eine Wahrheit, die katastrophaler nicht sein könnte…

Nina Blazon hat mit Zweilicht einen unvergleichlichen romantischen und dystopischen Urban Fantasy Roman erschaffen, der ausnahmslos zu begeistern weiss. Es ist wahrlich schwer Zweilicht nicht als den aktuell besten Roman von Nina Blazon zu bezeichnen, markiert er doch einen weiteren Höhepunkt in ihrem schriftstellerischen Schaffen.
Mit Zweilicht stellt Nina Blazon eine ganze Riege von amerikanischen Autorinnen der Romantic Fantasy / Urban Fantasy mühelos in den Schatten und zeigt erneut das All Age Fantasy aus deutscher Feder bestsellerreif ist. Liebevoll beschreibt die Autorin ihre Figuren, fühlt in sie hinein und lässt den Leser auf wundervolle Weise teilhaben. Mit Jay, Madison und vor allem der etwas kratzigen Ivy hat Nina Blazon drei Charaktere erschaffen, die facettenreich, tief und spannend geformt sind und dem Leser unglaublich nah kommen. Und so entwickelt die Autorin eine zarte, wenn nicht unkomplizierte und tödliche, Liebesgeschichte voller Überraschungen und grossen Momenten in kleinen Augenblicken, die wirklich ans Herz geht und durchgehend mitfühlen lässt. Statt Abziehbildercharakteren sind hier lebensnahe Figuren zu finden, die zweifeln, zögern, Fehler begehen, zurückschrecken und über sich hinauswachsen.

Es sind Trug und Schein mit denen die Faunblut Autorin in Zweilicht spielt und den Leser gekonnt auf eine spannende und verzwickte Reise in die Facetten unserer Realität schickt. Was als harmlos wirkendes Verliebtsein beginnt, als ein leises Flüstern des Mondes in tiefer Nacht, entwickelt einen düsteren Sog in ein hochspannendes Endzeitabenteuer, dass bis zur letzten Seite zu fesseln weiss. Nina Blazon baut hier grosse Bilder, vor der Kulisse eines eisigen Schreckens, die gekonnt moderne Romantic Fantasy mit einer grandiosen Dystopie verschmelzen lassen.
Ein Roman der sich abhebt, eine wunderschöne Geschichte, Hochspannung, Abenteuer, einen eindrucksvollen Weltenbau und eine dramatische Liebesgeschichte in sich birgt, wie sie besser nicht geschrieben sein könnte. Nina Blazon gehört als Top Autorin des Genres der romantischen Urban Fantasy auf die Bestsellerlisten. Kaum eine Autorin kann so gefühlvoll, fesselnd und ausdrucksstark schreiben wie sie und es bleibt nur zu hoffen das Zweilicht eine entsprechende Würdigung und eine breite LeserInnenschaft findet.

Nina Blazon: Zweilicht – Urban Fantasy der Extraklasse, die rundum zu begeistern weiss und ganz sicher nicht nur etwas für weibliche Leser ist. Eine tolle Liebesgeschichte, ein grosses Abenteuer in einer Welt, die das Stehen am Abgrund bereits hinter sich hat. Feinfühlig, spannend, rasant und mit Witz ist dieses Buch ein ganz grosser Gewinn für die deutsche Fantasy.

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Buchfakten:
Nina Blazon
Zweilicht
August 2011
Ab 13 Jahren
Gebundenes Buch mit Schutzumschlag, 416 Seiten, 15,0 x 22,7 cm
ISBN: 978-3-570-16117-3
Verlag: cbt