Nach langer Zeit hat es wieder ein Mensch in Baazlabeths Reich geschafft und wimmert ängstlich in dem metallenen Käfig. Der mächtige Dämon ist gerade dabei sich mit seinem Essen anzufreunden, als etwas äusserst unerfreuliches geschieht. Baazlabeth wird beschworen. Der Magier Nemrothar diktiert dem Kriegerdämonen einen Auftrag, der unglaubwürdiger nicht sein könnte.
Baazlabeth soll 5000 Goldstücke beschaffen, auf ehrliche Weise. Kein Blutvergiessen, keine Folterexzesse, keine verwüsteten Ortschaften.
Und so stülpt der Dämon eine menschliche Hülle über und macht sich auf, in der Stadt Brisenburg Arbeit zu finden….

Kaum durchstreift der Dämon die Stadt, heissen ihn auch schon die ersten wirren Strassenprediger willkommen. Baazlabeth nimmt das Geschrei von einem Grauen, das die Stadt heimgesucht hat, als freundlichen Willkommensgruss zur Kenntnis. Doch nach den ersten verdienten Goldstücken und etlichen Mordphantasien weist eine Blutspur auf Baazlabeth. Jedoch hat er diese nicht gelegt…

Mit Dämonengold hat Stephan Russbült einen erfrischenden Fantasy Roman erschaffen, der einen charmanten Bösewicht in seinen Mittelpunkt stellt. Sprachlich recht schlicht gehalten und sehr gut lesbar schickt der Autor seinen eindrucksvollen Dämonen in der Welt der Menschen. Baazlabeth weist alle Züge auf, die ein gestandener Dämon besitzen muss. Mächtige Hörner, wuchtige Hufen, einen muskulösen Körper und ein Antlitz, das nur mit diabolisch beschrieben werden kann. Eine entsprechende Ausprägung weist auch sein Charakter auf, der in vollkommenem Einklang mit dem Chaos bzw. dem Bösen steht.
In Brisenburg ist es Baazlabeth jedoch nicht möglich seine gewalttätigen Gedanken auszuleben und so erlebt der Leser eine durchaus amüsante Geschichte, um einen grausamen Dämon, der zur Ehrlichkeit gezwungen wurde. Hierbei ist durchaus ein wenig Geduld gefragt, wenn Baazlabeth sich von Auftrag zu Auftrag hangelt, bevor die Geschichte wirklich Fahrt aufnimmt. Mit Jonathan Strouds Bartimäus hat dieser Dämon jedoch wenig gemeinsam. Stroud war mit seinen Jugendbüchern um den quirligen Dschinn kreativer, witziger und rasanter. Dämonengold richtet sich eher an ein erwachsenes Publikum und wenn Stephan Russbült seinem Unterweltgeschöpf die Möglichkeit zum Kampf einräumt, dann weiss man nicht nur warum eben jene erwachsene Leserschaft die Zielgruppe des Romans ist, sondern erfährt auch, dass gerade solche Szenen wirklich gelungenes Blutvergiessen sind. Daneben glänzt der Roman durch toll gezeichnete skurrile Nebenfiguren, welche diesem Werk einen weiteren deutlichen Pluspunkt in Sachen Eigenständigkeit zukommen lassen. Etwas geteilter Meinung dürften die Leser über Baazlabeth als solchen sein.
Der selbstherrliche Dämon, der beständig betont wie mies, hinterhältig und blutrünstig er ist, bleibt doch unnahbar, so dass eine Identifikation mit ihm als Hauptfigur schwer fällt und der Leser eher die Rolle eines Beobachters einnimmt, als wirklich in die Geschichte einzutauchen. Die Konfrontation von Baazlabeth mit der normalen Welt der Menschen, in die er sich unauffällig einfügen muss, verläuft zu Beginn amüsant, wird jedoch mit Fortschreiten der Geschichte zu einem Drahtseilakt zwischen Witzigkeit und reizlosen Momenten. Dämonengold hält zudem einige spannende Wendungen bereit, die zu überraschen wissen und eine dämonische Hintergrundgeschichte, welche sich erst nach und nach enthüllt. So liegt mit diesem Buch ein Fantasy Roman vor, der spannend ist und einen Protagonisten präsentiert, der erfreulich böse daherkommt.

Stephan Russbült: Dämonengold – Ein dämonischer Fantasy Roman, der seine Geschichte zunächst langsam aufbaut, dann aber durch Spannung zu überzeugen weiss. Mit etwas diabolischem Witz, gekonnter Action und sehr gelungenen skurillen Nebenfiguren bietet dieses Buch kurzweilige Unterhaltung, mit wenig Tiefgang, aber einer guten dreckigen und blutigen Note, die Spass macht.

Mehr zu dem Buch: Dämonengold

Buchfakten:
Stephan Russbült
Dämonengold
Bastei Lübbe
Paperback, 559 Seiten
Ersterscheinung: 13.04.2011
ISBN: 978-3-404-20001-6

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