Die Welt der Lebenden hat ihn wieder – Sandman Slim, das Monster, dass Monster zur Strecke bringt. Elf Jahre Hölle und zurück haben den Magier gezeichnet und in seinem spärlichen Reisegepäck führt er ein besonderes Mitbringsel bei sich. Wut und Rache. James Stark war nach seiner Verbannung in Luzifers Sphären eine Attraktion. Der erste lebende Mensch, der je einen Fuss auf höllischen Boden gesetzt hat und so befassten sich die Hellions ausgiebig mit ihrem neuen Spielzeug. Nach allen erdenklichen Folterungen und Erniedrigungen schickten sie ihn in die Arena. Ein Kampfspektakel folgte dem nächsten, James Stark wurde zerrissen, zerfleischt und sämtliche seiner Knochen gebrochen, doch er starb nicht. Luzifers Interesse war geweckt…

James „Sandman Slim“ Stark stand fortan in den Diensten der höllischen Aristokratie und mauserte sich zu einem gefürchteten Assassinen, einem Monster, dass Monster tötet. Für ein besonders gewagtes Attentat überlässt ihm der Höllenfürst persönlich den Schlüssel zum Raum der dreizehn Türen, eine unwirkliche Kammer, die Zugang zu jedem erdenklichen Ort gewährt. Stark hinterlässt der Hölle eine letzte Blutspur als Abschiedsgruss und tritt in die Welt der Lebenden zurück, auf Rache sinnend, an jenem Magierzirkel, welcher ihn verbannt und seine Lebensliebe ermordet hatte. Zurück auf Erden braucht er erst mal eine Zigarette und einen kräftigen Drink…

Mit Sandman Slim – Höllendämmerung hat Richard Kadrey einen actionreichen Urban Fantasy Roman geschaffen, der durch die leicht dreckige Note seines egozentrischen Antihelden ein erfrischendes Lesevergnügen geworden ist. Drogen, Diebstähle, Kneipenschlägereien, eine magisch ausgerüstete Nazigang, arrogante Engel, Raubkopien von billigen Pornostreifen, Manga begeisterte Gestaltwandlerinnen, die ihrer Lieblingsfigur Sailor Moon nacheifern, sprechende Köpfe, Menschentrinker,… James Starks Lebensmotto lässt sich auf eine kurze Formel bringen. Wenn ein Hollywood Yuppie seinen Luxusschlitten unbeaufsichtigt am Strassenrand geparkt hat, du, statt eines fahrbaren Untersatzes, ein Knochenmesser aus der Hölle besitzt, dass jedes beliebige Schloss öffnet, dann ist es dein Luxusschlitten.
Richard Kadrey präsentiert Very Urban Fantasy, zwischen gammeligen Gossen und Nobelclubs, in einer fiktiven Gegenwart des heutigen Amerikas. Das phantastische Element ist hierbei sehr präsent und taucht in Form allerhand skurriler Geschöpfe, Orte und Ereignisse auf. Es entwickelt sich eine rasante Geschichte, mit einem anständigen Blutalkoholpegel, coolen Sprüchen und dramatischer Action. Aus der Ich-Perspektive erzählt, erlebt der Leser eine liebenswerte böse Hauptfigur, die sich planlos in einen turbulenten Racheplan stürzt und dabei sämtlichen magisch begabten Menschen und Geschöpfen auf die Füsse tritt. Sandman Slim legt sich mit nicht weniger als der Hölle, dem Himmel und der ganzen Welt an. Ein chaotisches Abenteuer, in dem sowohl Fäuste, magische Geschosse als auch Benzinkanister fliegen, mit hohem Spannungsfaktor, Witz und leicht bizarren Momenten. Der Autor schert sich wenig um Konventionen, versucht aber auch nicht gezielt zu provozieren oder mit Tabubrüchen Aufmerksamkeit zu erhaschen.
Sein Amerika ist ein verkommener Ort, in dem das Recht des Stärkeren, Korrupteren und Skrupelloseren regiert – das Bild eines Landes, das seine Make Up Maske beim Glücksspiel verloren oder für Koks versetzt hat. Was zunächst als rasanter egozentrischer Rachetrip in einem kleinen Videoladen, mit einem fluchenden Kopf im Kleiderschrank, beginnt, entwickelt sich schnell und sehr gut lesbar zu einem spannenden, eigenständigen und höchst amüsanten Fantasy Page Turner, der seinen Anspruch, kurzweilige Unterhaltung inklusive rauhem Akzent zu liefern, mit Bravour erfüllt und richtig Spass macht. Aus den vielen recht glatten und netten Urban Fantasy Veröffentlichungen, mit verspielter Romantik und sympathischen KämpferInnen für das Gute, der letzten Jahre sticht Sandman Slim als düsterer Schandfleck hervor, der grosses Actionkopfkino bietet und den Mut besitzt nicht jedem gefallen zu wollen. Ob Sandman Slims Flucht aus Luzifers Reich, die Erfolge und Niederlagen seines Rachefeldzuges gegen einen verborgenen Magierzirkel von Glück und Zufall geprägt waren, oder ob gar mehr hinter all den Ereignissen des Romans steht, enthüllt eine Hintergrundgeschichte, in der es um nicht weniger als der Ende der Welt geht.

Richard Kadrey: Sandman Slim – Höllendämmerung – Rasante, actionreiche, skurrile und spannende Urban Fantasy / Supernatural Fiction, die eine chaotische Achterbahnfahrt durch die Hölle und die Erde bereithält, welche mit Witz und zwielichtiger Atmosphäre garniert ist. Ein abwechslungsreiches, kreatives und leicht dreckiges Lesevergnügen, das restlos zu begeistern weiss und Lust auf mehr macht.

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Buchfakten:
Richard Kadrey
Sandman Slim, Höllendämmerung
Rowohlt Polaris
Hardcover, 432 S.
01.07.2011
978-3-86252-013-8

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