Es gab keinen Notfallplan als das Chaos ausbrach, die Plünderungen begannen, der ausgerufene Notstand als hilflose Farce endete und dann ein hasserfüllter Keil die Gesellschaft entzweite. Männer und Frauen – in verfeindete Lager geteilt, die 65 Jahre nach dem Kollaps der Gesellschaft auf die Narben einer blutigen Vergangenheit blicken. In der Alten Stadt klammern sich die Männer an die Überreste einer einst so überlegen wirkenden Technik, während die Frauen sich in die Wälder zurückgezogen haben und ihre Zukunft im Einklang mit der Natur suchen.
Zwei Kulturen haben sich in gegenseitiger Abgrenzung entwickelt. Aus ihnen stammen David und Juna, der schüchterne Denker und die mutige Kämpferin. Jetzt treffen sie aufeinander…

Mit Das verbotene Eden – David und Juna hat Thomas Thiemeyer eine romantische Dystopie erschaffen, die jugendliche LeserInnen in ihren Bann ziehen dürfte. Romeo und Julia in einer gespaltenen postmodernen Gesellschaft, die durch eine tiefgreifende Verfeindung der Geschlechter geprägt ist, präsentiert Thomas Thiemeyer, der für seine phantastischen Jugend Abenteuer und packenden Wissenschaftsthriller bekannt ist. Durch diese Trennung der Geschlechter, welche durch die Mutation eines Grippeimpfstoffes aus skrupellosen Konzernlaboren herbeigeführt wurde, enthüllen sich zwei interessante, dezimierte Kulturen, in denen sich eigene Glaubens- und Sozialsysteme entwickelt haben. Während die Frauen in Waldsiedlungen leben und dort einem eher ursprünglichen Glauben folgen, haben sich die Männer in Ruinen niedergelassen, sich dem Christentum verschrieben und die Inquisition wieder ins Leben gerufen.
Thomas Thiemeyer hat sehr genau darauf geachtet beide Lebensräume mit gleicher Sorgfalt zu beschreiben und sie nicht zu bewerten. So existiert in der Mann – Frau Konfrontation kein Gut – Böse Schema, sondern beide Gesellschaften haben sich nachvollziehbar aufgebaut, tragen in sich Widersprüche und spannende Konflikte. Wo sich die Ältesten der Frauen schmerzvoll an Gewalt durch Männer erinnern, gilt gleiches bei den männlichen Ältesten, die Freunde und Angehörige an die vermeintlichen Hexen verloren haben. Zwei Gesellschaften, deren älteste Generationen tief verwurzelten Hass in sich tragen und die Rufe nach Krieg lauter denn je schallen. Unter den Fuchteln der Alten ist jedoch eine neue Generation, durch die kurzzeitigen, stark reglementierten rituellen Vereinigungen von Mann und Frau, Menschen herangewachsen, die sich zwischen kriegerischem Zorn und der kleinen Chance auf eine friedliche Koexistenz entscheiden muss.
Alteingesessene Dystopie Fans werden sich von Das verbotene Eden – David und Juna nicht unbedingt angesprochen fühlen, da sich dieses doch eindeutig an ein jugendliches Publikum richtet und Thomas Thiemeyers gespaltener Gesellschaftsbau doch relativ harmlos wirkt. Würde es in beiden Kulturen nicht kriegshungrige Propagandisten geben, könnten Männer und Frauen relativ zufrieden nebeneinander leben.

Ohne grosse Schnörkel in der Sprache entwickelt Thomas Thiemeyer sein romanisches Abenteuer, das auf eine temporeiche Geschichte setzt und als durchaus spannendes Jugendbuch zu lesen ist. Die Liebesgeschichte von Juna und David baut sich als verbotene, quasi blasphemische, Zuneigung auf, die jedoch im Rausch des Abenteuers wenig Raum bekommt und sich der Hastigkeit turbulenter äusserer Umstände unterwerfen muss. Als besonders interessante Figur entpuppt sich der antagonistische Inquisitor, mit seinem entstellten Antlitz. Hier liegt ein besessener, sadistischer Charakter vor, der Freunden von düsteren Gegenspielern eine wahre Wonne ist und sehr gekonnt das dystopische Moment des Romans verkörpert.
Für jugendliche LeserInnen ein abenteuerlicher Lesegenuss, der ein interessantes endzeitliches Szenario birgt.

Thomas Thiemeyer: Das verbotene Eden – David und Juna – Eine romantische und abenteuerliche Jugend Dystopie, mit einer temporeichen Geschichten, einer interessanten Idee und turbulenten Entwicklungen.

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Buchfakten:
Thomas Thiemeyer
PAN
464 Seiten
ISBN 978-3-426-28360-8
Erscheinungstermin: August 2011