Hildegunst von Mythenmetz, einer der größten Schriftsteller Zamoniens, kehrt in die legendäre Stadt Buchhaim zurück. 200 Jahre nach der verheerenden Feuerbrunst und seinen Abenteuern in den Bücherkatakomben des Mekkas aller Literaturfreunde ist Hildegunst von Mythenmetz zu einem selbstgefälligen Schnösel geworden. Von seinem Elfenbeiturm in der Lindwurmfeste blickt er verächtlich auf Kritiker und Kollegen hinab, hält Lesungen nur noch in Buchhandlungen, die ausschließlich seine Werke veräussern und lässt sich von Literaturpreisen und säckeweise Fanpost das Ego polieren. Doch als der exzentrische Hypochonder bei einigen Bissen Süssgebäck mal wieder gedanklich den Inhalt von Leserbriefen in hymnenhafte Lobesschreiben korrigiert, fällt ihm ein Brief in die Hände, dessen Botschaft nicht verstörender sein könnte…

Mit Das Labyrinth der Träumenden Bücher kehrt Kultautor Walter Moers zurück in seinen sagenhaften Kontinent Zamonien und spinnt die Abenteuer der genialen Figur Hildegunst von Mythenmetz weiter. Den rotgeschuppten Lindwurm verschlägt es erneut nach Buchhaim. Nach den turbulent Ereignissen vor 200 Jahren, welche der Schriftsteller in seinem Bestseller Die Stadt der träumenden Bücher niedergeschrieben hat, ist die Literaturmetropole zu neuem Leben erwacht. Grösser, prächtiger, eindrucksvoller und verrückter als je zuvor erstreckt sich Buchhaim über den labyrinthischen Bücherkatakomben, aus denen einst der Schattenkönig entstiegen ist.
Die neu errichtete Stadt erblüht in einem architektonischem Multikulturalismus, in dem Baustile aus sämtlichen Epochen Zamoniens wiederzufinden sind und alle erdenklichen Materialien verbaut wurden. Doch Buchhaim hat neben der Literaturfokussierung, welche immer noch verrückte Blüten wie Pyramiden-, oder Wurstbücher trägt, eine zweite künstlerische Passion entdeckt, die an allen Ecken der Stadt anzutreffen ist. Der Puppetismus. Puppentheater in einer bunten Vielzahl von Variationen, aufgeführt in dunklen Kellern und grossen Prunksälen, mit Marionetten, Stab- und Handpuppen und mechanischen Figuren. Die Stilrichtungen dieser erblühten Kunstform sind so facettenreich und grotesk, wie man sie nur in Zamonien antreffen kann.
Es erwartet den Leser eine spannende Reise in den Puppetismus und seine absurden Auswüchse.

Neben einem Wiedersehen alter Bekannter, wie der Schreckse Inazea Anazazi und dem eydeetischen Nachtigallerforscher Hachmed Ben Kibitzer verhält es sich mit der Hauptfigur des Romans ähnlich wie in Die 13 1/2 Leben des Käptn Blaubär. Die Hauptfigur splittet sich in den Protagonisten und die Welt. So ist Buchhaim nicht nur kulissengleicher Handlungsort, sondern erfährt das Hauptaugenmerk von Walter Moers. In diese brodelnde Stadt, mit all ihren Widersprüchen, Absurditäten und fasziniereden Elementen taumelt Hildegunst von Mythenmetz, der als verehrter zamonischer Schritsteller natürlich inkognito reist.
Der Leser erlebt den Lindwurm und eine spannende Entwicklung seiner exzentrischen Figur, begleitet ihn in rauchige Qualmoirs und in den halluzinatorischen Rausch von Buchwein, tappt in antiquarische Touristenfallen, erlebt eine Theateraufführung der Superlative, wälzt sich aus fremden Betten, randaliert in einem Bücherladen, flieht vor krähenden Lebenden Zeitungen,… Walter Moers offenbart in Das Labyrinth der träumenden Bücher eine farbenfrohe, einmalige, lustige und schlichtweg phantastische Reise nach Buchhaim und seine spannenden Facetten. Dieser Roman ist die Geschichte des Hildegunst von Mythemmetz und seiner Suche zu sich selbst, seinen grössten Ängsten und Träumen. Gleichzeitig ist Das Labyrinth der träumenden Bücher der Prolog zu einem Folgeroman, welcher erst das wahre, grosse Abenteuer des Hildegunst von Mythenmetz verspricht. Dieser Umstand dürfte von einigen Leser zwiespältig aufgefasst werden, denn in der Handlung der Geschichte ereignet sich, je nach Betrachtung, recht wenig. Hildegunst von Mythenmetz in Buchhaim. Diese Aussage fasst das Geschehen des Romans zusammen und vermag es doch nicht der phantastisch ersponnenen Geschichte gerecht zu werden.
Der neue Zamonien Roman und die Fortführung der Queste von Hildegunst von Mythenmetz ist ein fesselnder Page Turner, eine Achterbahnfahrt skurriler Phantasterein, in einer lebendig wirkenden, brodelnden Stadt, mit eindrucksvollen Ereignissen, spektakulären Bildern, dem unvergleichlichen Weltenbau des Walter Moers und einer Hauptfigur, die restlos zu begeistern weiss. Ein Prolog in Romanform – für die autobiographische Erzählung eines Hildegunst von Mythenmetz nichts wirklich überraschendes, dafür aber ein aussergewöhnlicher Lesegenuss der Extraklasse.

Die Stadt der träumenden Bücher sollte zuvor gelesen werden.

Walter Moers: Das Labyrinth der Träumenden Bücher – Eindrucksvolle, kreative, skurrile und gewitzte Fantasy, aus der Feder eines begnadeten Autoren. Ein faszinierender Zamonien Roman, der begeistert und spektakuläre Unterhaltung zu bieten hat.

Mehr zu dem Buch: Das Labyrinth der Träumenden Bücher

Buchfakten:
Walter Moers
Das Labyrinth der Träumenden Bücher
Verlag: Knaus
Gebundenes Buch, Pappband mit Schutzumschlag,
432 Seiten, 17,0 x 24,0 cm
über 100 Illustrationen
ISBN: 978-3-8135-0393-7
Verlag: Knaus
Erscheinungstermin: 5. Oktober 2011