Es heisst, dass den siebten Söhnen der siebten Söhne eine kosmische Kraft innewohnt. Ihre Geburten sind von merklichen Phänomenen begleitet, wenn die Magischen unter uns Menschen auf die Welt treten.
Doch in der beengten Welt des Jonas Mandelbrodt gab es keinen Zauber. Sie offenbarte sich als schmutzig und armselig, wie die kurzen trunkenen Liebschaften seiner Mutter. Kurz nachdem in Jonas jungen Augen so etwas wie Verstehen aufflackerte, stiess er einen markerschütternden Schrei aus.
Er hatte auf seinen Schatten geblickt und erkannt, was den meisten Menschen auf ewig verborgen blieb…

Jonas ist ein einsamer Junge, der nicht spricht und häufig über Stunden abwesend wirkt. Wenn er im Garten sitzt und die kleinen Schatten von Pflanzen biegt, oder die seiner Stofftiere vertauscht und zum Leben erweckt, sorgt sich seine Mutter, während Jonas Lehrmeister dem Jungen Geheimnisse lüftet und in die Schattenschnitzerei einführt. Dem dunklen Rat der Schattensprecher ist dieses verbotenen Treiben nicht entgangen, doch andere Sorgen haben Vorrang. Der Schatten des letzten Schattenschnitzers, George Ripley, wurde entfesselt und eine Unterwerfung der Menschheit droht ein düsteres Zeitalter einzuläuten…

Mit Der letzte Schattenschnitzer hat Christian von Aster einen ungewöhnlichen phantastischen Roman erschaffen, der durch seine Eigenständigkeit und zwielichtige Atmosphäre zu bestechen weiss. Mystisch und auf düstere Weise beinahe märchenhaft entspinnt der Autor eine Geschichte dunkler Scherenschnitte, die wie ein psaligraphisches Theaterstück vor den Augen des Lesers zum Leben erwacht. Obwohl der Protagonist Jonas Mandelbrodt eine kindliche Figur ist, liegt hier kein ausgewiesenes Jugendbuch vor. Vielmehr gelingt es Christian von Aster hervorragend die naive Note einer kindlichen Verständiswelt in seine schattige Geschichte einfliessen zu lassen und den Leser so auf ungewohnte Pfaden zu treiben. Jonas Begleiter, sein eigener Schatten, bildet in diesem Zweiergespann den weisen Gegenpol, der die Erinnerung der Menschheitsgeschichte in sich trägt und doch behutsam mit dem Wunderkind Jonas Mandelbrodt umgeht.
Der Autor hat hier eine wundervolle und geheimnisvolle  Symbiose geschaffen, die authentisch wirkt und zugleich durch befremdliche Andersartigkeit zu faszinieren weiss.

So liegt mit Der letzte Schattenschnitzer ein Fantasy Roman vor, der leichte Erinnerungen an die Geschichten und Bilder eines Tim Burton beschwört und aus seinem interessanten Weltenbau eine spannende Story entstehen lässt, die zwar nicht unbedingt den Geschmack jedes Lesers zu treffen vermag, die moderne Fantasy Literatur aber um eine schattige Nuance bereichert.
Gespickt mit grandiosen Nebenfiguren, einer eindrucksvollen und dunklen Hintergrundgeschichte und verfasst in einem sehr gekonnten Schreibstil ist Der letzte Schattenschnitzer ein atmosphärisch dichter, schauriger und phantastischer Lesegenuss und einer der aussergewöhnlichsten Fantasy Romane in 2011.

Christian von Aster: Der letzte Schattenschnitzer – Ein schaurig-schöner Fantasy Roman, der sich traut eigene Wege zu gehen und eine faszinierende, zwielichtige Welt der Schattenmagie offenbart und sie mit einer spannenden, mysteriösen und ungewöhnlichen Geschichte füllt.

Mehr zu dem Buch: Der letzte Schattenschnitzer

Buchfakten:
Christian von Aster
Der letzte Schattenschnitzer
Klett-Cotta / Hobbit Presse
Hardcover
320 Seiten
ISBN: 978-3-608-93917-0

Advertisements