Gibt es im deutschen Sprachraum Autoren, die mumifizierte Untote in ebenso unterhaltsamen wie unprätentiösen Kurzgeschichten zum Leben erwecken können? Werden diese Literaten – ob beinharte Profis oder begabte Amateure – der aktuellen Horror- und Mystery-Welle ein entscheidendes Kapitel hinzufügen können? Der Evolver veranstaltet seinen zweiten Literaturwettbewerb. Das Thema: Mumien.

Sie waren alle schon da – und sie kommen immer wieder. In jüngster Zeit sind die seit Jahrzehnten bewährten Monster aus der Popkultur nicht mehr wegzudenken, ob in Buch, Film oder Fernsehen.

Blutleere Vampire küssen und schmachten sich durch „Twilight“-Blödsinn, jedes Alpendörfchen hat mittlerweile seinen Serienkiller, virile Werwölfe kämpfen in „Underworld“ und anderswo gegen Lederbräute, und Zombies wanken Woche für Woche hungrig als „Walking Dead“ durchs Abendprogramm (und in exquisiter Aufmachung durch die Anthologie Das Buch der lebenden Toten).

Aber halt – fehlt da nicht noch jemand im Reigen der Untoten und Ungeheuer, die eine Wiedergeburt nach der anderen erleben? Genau: die Mumie. Nicht einmal der „arabische Frühling“ konnte sie vom Sand der Jahrtausende befreien. Doch wir – und hoffentlich viele der hoffnungsvollen Autoren und -innen, die dies lesen – lassen sie ab sofort aus ihren äonenalten Sarkophagen und geheimnisvollen Grabkammern auferstehen, wickeln sie aus ihren Bandagen, holen ihre Organe aus den kanopischen Krügen und präsentieren sie der gruselinteressierten Öffentlichkeit.

Es ist ja auch schon einige Zeit her, daß man sie zu sehen bekam: Vor genau 80 Jahren kam der Universal-Pictures-Klassiker „The Mummy“ von Karl Freund in die Kinos dieser Welt und zog bis in die 1970er Jahre eine schier endlose Reihe von Mumien-Filmen nach sich, zu denen auch die britischen Hammer Films Großartiges beitrugen. Danach herrschte Grabesstille, die nur Ende der Neunziger/Anfang der Nullenjahre von Stephen Sommers’ vierteiligem SFX-Action-Mumienspektakel unterbrochen wurde. Und das war’s dann.

In der Literatur hatte die Mumie nach Ende des Zweiten Weltkriegs (von Heftromanen einmal abgesehen) sowieso keinen größeren Auftritt mehr. Zum literarischen Mumien-Boom, der sich vom Beginn des 19. Jahrhunderts an über fast ein Jahrhundert zog, trugen auch honorige (Genre-)Autoren wie Sherlock-Holmes-Erfinder und Hobby-Okkultist Arthur Conan Doyle oder Dracula-Geburtshelfer Bram Stoker einiges bei. Doch der Pulp-Papyrus unserer Tage bleibt romantischen Blutsaugern und torkelnden Wiedergängern vorbehalten; die arme, ungeliebte Mumie geht wieder einmal leer aus.

Der Evolver will den untragbaren Zustand der Ausgrenzung beenden und den bandagierten Pharaonen, Magiern und Prinzessinnen wieder zu ihrem Recht verhelfen.

Mit einer Mumien Anthologie.

Die Story kann an den klassischen Mumien-Schauplätzen wie Ägypten oder Südamerika handeln, sich in europäische Katakomben zu luftgetrockneten Leichen begeben oder exotischere Mumifizierungsmethoden zum Thema haben. Und natürlich darf sie sich auch in heimischen Gefilden abspielen, vom Wiener Stephansplatz über die Schweizer Berge bis hin zur Berliner Museumsinsel. Der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt … weder geographisch noch inhaltlich.

Einsendeschluß ist der 30. Juni 2012.

Eine honorige Jury wird die eingereichten Werke wohlwollend und gerecht wie Osiris prüfen. Sie besteht aus folgenden Experten (in alphabetischer Reihenfolge):

Alisha Bionda (Agentin, www.agentur-ashera.net)

Lucas Edel (Autor, www.lucasedel.com)

Thomas Fröhlich (Autor & Bibliothekar)

Peter Hiess (Autor & einer der Verleger von EVOLVER BOOKS)

Karl Kilian (Künstler, www.karlkilian.com)

Walter Robotka (Buchhändler, Mord & Musik)

Marcus Stöger (Autor & EVOLVER-Chefredakteur)

Sylvia Treudl (Autorin, Unabhängiges Literaturhaus Niederösterreich)

Jörg Vogeltanz (Illustrator, Comic-Zeichner, Pantherion-Aktivist, www.vogeltanz.at)

Alle Infos zu der Ausschreibung: Evolver – Mumien