Nach einer unvorstellbaren Katastrophe gibt es nur noch sehr alte und junge Menschen. Mittellos kämpfen die 16-jährige Callie und ihr kleiner Bruder auf der Straße ums Überleben. Callie entschließt sich daher zu dem Undenkbaren: Sie verleiht ihren Körper an einen alten Menschen, dessen Bewusstsein übernimmt ihren Körper und kann so wieder jung sein. Doch alles verläuft anders als geplant…

Am 12. 03. 2012 startet das junge Piper Imprint ivi, mit seinen ersten Veröffentlichungen. Der Spitzentitel heisst Starters, eine spannende Zukunftsvision der amerikanischen Drehbuchautorin Lissa Price.

Passend zum anstehenden Verkaufsstart hat die Autorin ein paar Fragen zu ihrem Roman beantwortet und ein wenig über Verlagssuchen, die Mietbarkeit fremder Körper, eine erschreckende Erdbebenerfahrung uvm. geplaudert.

Viel Spass mit dem Interview mit Lissa Price!

Hallo Lissa! Wie fühlt es sich an, dass dein erstes Buch veröffentlicht wird – besonders weil es so große Aufregung erzeugt?

Ehrlich, es ist, als wäre mein größter Traum Wirklichkeit geworden! Kurz nachdem »Starters« verkauft wurde, wachte ich jedes Mal mit der Frage auf: »Habe ich das nur geträumt?« Und selbst wenn ich dann richtig wach wurde, musste ich mich trotzdem überzeugen, dass mein Traum tatsächlich wahr geworden war. Diese tägliche Verwirrung hat etwa einen Monat gedauert.

Wie ist es dir gelungen, »Starters« zu veröffentlichen? Arbeitest du mit einem Agenten, oder hast du dein Manuskript einfach bei Verlagen eingesandt, in der Hoffnung, irgendjemand würde es dort entdecken?

Ich bin ein großer Fan von Agenten. Nachdem ich ein paar von ihnen angefragt hatte, ob sie mein Buch vertreten wollten, bekam ich unverzüglich Angebote. Allerdings nahm ich keines an. Vor drei Jahren hatte ich nämlich eine Agentin in New York kennen gelernt; ein gemeinsamer Freund stellte uns vor, während wir uns ein Taxi teilten, das uns zu einer Lesung bringen sollte. An dem Abend kamen wir kaum ins Gespräch, aber als wir uns verabschiedeten, sah ich dieses Funkeln in ihren Augen. Ich redete mir ein, dass sie mir damit sagen wollte, dass wir ein Team sein könnten. Dass sie gerne mit mir über ein gemeinsames Projekt gesprochen hätte.
Als ich dann diese Angebote der anderen Agenten erhielt, erinnerte ich mich an Barbara und unser Treffen in New York. Und ich dachte: »Wie schade, dass sie keine Jugendbücher vertritt!«, das wusste ich nämlich von einer Freundin, die Thrillerautorin ist. Dann entdeckte ich eine Homepage, die die bestverkäuflichsten Jugendbücher 2010 und ihre Agenten auflistete. Und da fand ich Barbara vertreten.
Ich schrieb ihr sofort eine persönliche Email (»Erinnerst du dich, wir saßen in diesem Taxi …«) und hängte die ersten fünf Seiten meines Manuskripts an. Am nächsten Tag schrieb sie mir zurück und bat mich um den vollständigen Text. Um elf Uhr morgens hatte sie ihn im Postfach, und um fünf Uhr nachmittags antwortete sie mir, dass sie ihre Verabredung zum Abendessen absagen würde, um mein Manuskript zu Ende zu lesen. Und am nächsten Morgen bot sie mir an, mich zu vertreten.
Ich würde übrigens auch anderen angehenden Autoren raten, ihre Manuskripte nicht direkt an Verlage zu senden – dafür sind schließlich Agenten da.

Eigentlich bist du Drehbuchautorin, was sicher hilfreich ist, um einen Roman zu schreiben. Welche anderen Talente benötigt man dafür?

Wer Drehbücher schreibt, braucht feste Strukturen und ein Gespür für Tempo. Es ist wichtig, Dialoge nicht ausufern zu lassen und trotzdem authentisch zu erzählen. Was mir persönlich auch hilft, ist Kritik. Wenn ein Produzent möchte, dass ich mein Skript komplett umschreibe, muss ich damit umgehen können. Dabei darf mir mein Ego nicht im Weg stehen. Schließlich geht es immer darum, was für die Story am besten ist. Ich kämpfe auch für Dinge, die absolut unerlässlich für die Geschichte sind, aber Kritik bekommt man in der Regel nicht ohne Grund. Wenn ich schreibe, arbeite ich wie ein Künstler, aber in der Redaktionsphase kann ich mich von meinem Werk auch lösen. »Starters« ist mein erstes Buch, deshalb respektiere ich die Meinung der Verlage umso mehr – sie wissen schließlich, wie ihr Markt funktioniert.

»Starters« verfolgt einen neuen, erfrischenden Ansatz, vor allem in Vergleich zu den anderen All‐Age‐Dystopien. Was macht dieses Buch so besonders, und warum würdest du es deinen Lesern empfehlen?

Danke, dass ihr das sagt! Ich bin sehr streng mit mir und nicht einfach zufrieden zu stellen. Deshalb habe ich genau das Buch geschrieben, dass ich selbst gern lesen wollte. Mit anderen Realitäten zu spielen, liebe ich – es ist einfach faszinierend. Außerdem möchte ich gut unterhalten werden und mitfiebern, wenn Romanfiguren in völlig unvorhersehbare Situationen geraten. Große Geschichten entstehen für mich allerdings nicht nur beim Betreten einer neuen Welt, sondern auch in tiefemotionalen Situationen.

Die Vorstellung, einen fremden Körper zu mieten, ist wirklich erschreckend. Glaubst du, so etwas könnte auch im echten Leben passieren? Irgendwann in ferner Zukunft, oder sogar früher als wir erwarten?

Hoffentlich nicht. Deshalb schreiben wir ja diese Geschichten. Als Vorsichtsmaßnahmen.

Dein Roman beschäftigt sich außerdem mit der Spaltung der Gesellschaft in junge und alte Menschen und den Problemen, die aus dieser Trennung entstehen. Erkennst du darin Parallelen zu unserer heutigen Gesellschaft?

Ja, schließlich habe ich mir die Gesellschaft, in der ich lebe, genau angesehen, um die Welt von »Starters« möglichst real zu beschreiben. Natürlich gibt es diese Zweiteilung: Zum Beispiel möchten Senioren nicht Tür an Tür mit einem Teenager leben, der laute Rapmusik hört. Zu Beginn des Buches erklärt Callie, dass Enders ihr Angst machen. Dafür hat sie ihre Gründe, schließlich behandeln sie die Starters schlecht, die auf der Straße leben müssen. Und Callie verspürt eine tiefe Wut auf die Enders, die sie dafür verantwortlicht macht, dass nicht genug Impfstoff produziert wurde, um auch ihre Eltern vor der Seuche zu retten. Außerdem haben die Enders Gesetze eingeführt, laut denen Starters nicht arbeiten dürfen, weil sie den Enders den Job wegnehmen würden. Callie hat allen Grund, ihnen zu misstrauen. Aber je weiter die Geschichte voranschreitet, umso mehr ändert sich schließlich ihre Einstellung.

Callie ist eine großartige Heldin, die jede Herausforderung annimmt und nie aufgibt. Wie viel Lissa befindet sich in Callie – und auf welche Weise?

Diese Frage bringt mich zum Lächeln. In der Tat bin das ich, keine Frage. Ich musste in meinem Leben ein paar große Veränderungen überstehen, doch die einzige Lösung dafür war, immer weiterzumachen. Zum Beispiel wurde während eines schrecklichen Erdbebens meine Wohnung zerstört, die Wände brachen in sich zusammen, sodass ich mit der Hand nach draußen greifen konnte. Der ganze Boden war mit Büchern, Glas und zerbrochenen Möbeln bedeckt. Als ich mich nach draußen rettete, bemerkte ich, dass eine Frau weinte. Ich erinnere mich, dass sie mir leid tat. Aber in jenem Moment zählte für mich nur das reine Überleben. Dann wurde mir klar: Der Zusammenbruch dieses Menschen darf mir nicht einfach egal sein, selbst wenn um mich herum die Welt untergeht. Ich fühlte mich wie ein Soldat, der mitten im Kampf zu weinen beginnt.
Ich glaube fest an den Überlebenswillen. Jeder Mensch muss sich schwierigen Herausforderungen stellen, der eine mehr, der andere weniger. Was zählt ist einzig, dass man sein Leben annimmt und erkennt, dass man unbeschränkte Möglichkeiten darin hat. Du kannst sein, wer auch immer du sein willst. Daran glaube ich fest.

Die Fortsetzung zu »Starters« wird »Enders« heißen. Wann wird dieses Buch erscheinen und was kannst du uns darüber verraten?

»Enders« kommt im Dezember 2012 in den USA heraus und wird viele Überraschungen enthalten, die ich jetzt noch nicht offenbaren möchte. In diesem Abschlussband werden die Dinge allerdings eskalieren: Callie wird sich in den Falschen verlieben und erkennen, dass alles, an was sie glaubt, eine Lüge ist. Sie muss am Leben bleiben und den Richtigen finden. Aber keine Angst: Sie ist eine Überlebenskünstlerin.

Was sind deine Pläne für die Zukunft? Arbeitest du an weiteren Büchern?

Im Moment schreibe ich das Drehbuch zu »Starters«. Mein Filmagent möchte bald damit auf den Markt gehen. Außerdem habe ich eine neue aufregende Romanidee, die mich seit letztem Jahr verfolgt.

Und was machst du, wenn du nicht schreibst? Wie sieht ein typischer Tag im Leben der Lissa Price aus?

Nächstes Jahr wird es keinen einzigen Tag geben, an dem ich nicht schreibe! Ansonsten kümmere ich mich vormittags und manchmal auch nachmittags um meine PR, Interviews, Telefonkonferenzen oder den Emailverkehr mit meinen Lektoren, Agenten (davon habe ich drei) und betreibe Social Networking. Ich schreibe an drei Blogs mit, einer nennt sich Apocalypsies, da findet man hundert All‐Age‐Autoren, die 2012 debütieren. Ich mache außerdem Werbung für meine Kollegen, meist auf Twitter (Lissa_Price), dann bin ich auf der Seite der League of Extraordinary Writers (http://leaguewriters.blogspot.com) unterwegs, auf der ich als einer von zehn Autoren über Dystopien blogge. Am Ende des Tages aktualisiere ich schließlich noch meinen eigenen Blog http://www.lissaprice.com. Dann steht mein Workout im Fitnessstudio an, manchmal allein, manchmal mit Trainer. Wenn ich keine Zeit dafür habe, betätige ich mich an einem Heimgerät. Und in der Nacht schreibe ich, das kann ich zu dieser Zeit am besten.

Und wie verbringst du deine Freizeit, wenn die sich mal wieder einstellt?

An den Tagen, an denen mir wieder mehr Zeit zum Atmen bleibt (was hoffentlich im Spätfrühling der Fall sein wird), gehe ich Kayak fahren und schwimmen. Mein Mann arbeitet als Fernsehregisseur, weshalb wir uns regelmäßig mit anderen Fernsehmachern treffen und zusammen Filme ansehen. Manchmal sind auch Gäste wie George Clooney oder Clint Eastwood dabei. Außerdem sind wir eng befreundet mit dem Filmkritiker Leonard Maltin und seiner Frau Alice, die wir öfters in Hollywood zum Essen treffen. Mit ihnen teilen wir die Liebe für alles, was mit Disney zu tun hast, besonders Vinylmation‐Figuren. Ich sammele aber auch historische Gegenstände, wie zum Beispiel aufklappbare Armreifen aus den 20er, 30er und 40er Jahren. Und wenn wir richtig viel Zeit haben, reisen wir in ferne Länder, in denen es exotische Tiere gibt. Wir sind schon zwei Mal durch Afrika und nach Neuseeland gereist. Wir lieben es, in der Wildnis zu sein und mit kleinen Flugzeugen und Hubschraubern an Orte zu gelangen, an denen du kaum andere Menschen triffst.

Vielen Dank für das Interview!

Es war mir ein Vergnügen!

Das Interview führe Beatrice Lampe, Lektorin des ivi Verlags.

Kurzgeschichte von Lissa Price aus dem Starters Universum: Porträt eines Starters (PDF)

Mehr zu dem Buch: Starters