Tír na nÓg 2 – Das Schicksal der Welt (TNN 2), die Fortsetzung von Tír na nÓgeinem mutigen und spannenden Genremix aus Fantasy, Steampunk, Science Fiction, Post-Doomsday, klassische Heldenreise und Horror, ist im Acabus Verlag erschienen und ab sofort auf den großen Onlineportalen (Amazon, Buecher.de, Talia, Buch.de, etc.) erhältlich.

Unbeeindruckt von den sich zuspitzenden Gefahren, setzen Cornelis, Meister Aki und Raggah ihre gefahrvolle Reise nach Süden fort.

Auf der Straße nach Seeburg werden sie Zeugen eines schrecklichen Massakers an Espermanen. Cornelis will die hilflosen Wesen schützen, doch sein beherztes Eingreifen führt zur Gefangennahme der drei Gefährten. Sie werden nach König-Erich-Burg gebracht, wo sie das Glatisant erwartet – ein schreckliches Untier, das nahezu unbesiegbar scheint.
Cornelis muss erkennen, dass auf dem Weg nach Tír na nÓg selbst der Tod nicht die letzte Grenze ist.

Der Autor
Sean O’Connell, in England geboren und in London und Lindau (Bodensee) aufgewachsen, lebt seit einigen Jahren in Ravensburg/Weingarten. Seine erste Kurzgeschichte schrieb er im Alter von neun Jahren, sechs Jahre später folgten erste Publikationen in Science Fiction- und Fantasy-Fanzines.
Gemeinsam mit Wolfgang Kehl (Arndt Ellmer, ‚Perry Rhodan‘) entwickelte er als 16-Jähriger u. a. eine semiprofessionelle Science-Fantasy-Serie (‚Starlords‘), die in den Neunziger Jahren eine Zweitauflage beim NIMBUS Verlag erlebte. Später kooperierte er noch einmal mit Ellmer für einen Heftroman der Zauberkreis-Reihe.
O’Connell machte sich das Schreiben und Arbeiten im künstlerischen Bereich zum Beruf: Er war Radiomoderator beim Lokalradio, Mitinhaber einer Videoproduktionsgesellschaft und als freier Mitarbeiter der Lokalzeitung tätig. An der Universität Konstanz studierte er Literaturwissenschaft, Philosophie, Kunst- und Medienwissenschaft. Ab 1998 arbeitete er als Redakteur bei einer österreichischen Landeszeitung (‚Vorarlberger Nachrichten‘) und wurde 2001 Leiter einer in Österreich und Süddeutschland tätigen Werbeagentur. 2002 wechselte er schließlich in die Computerbranche.
2005 begann er mit der Arbeit an seinem Roman ‚Tír na nÓg‘.

Leseprobe
Auszug aus Kapitel 1:
Sein Name war Noxius. Ein für Espermane ungewöhnlicher Name, voller düsterer Todesahnungen. Ein Name, den ihm sein Rudel gegeben hatte, und keinem war es leichtgefallen, denn er verhieß Schlimmes; doch es gab keinen anderen, keinen besseren Namen, den sie ihm anstelle des Gewählten zu geben bereit waren, denn in ihren Herzen ahnten sie, was geschehen würde, und Noxius, erschüttert über die Wahl und gleichzeitig stolz über die Rolle, die ihm auferlegt worden war, hatte ihn mit Würde akzeptiert.
Der Rudelname gab dem Schamanen seine Kraft, seine Bestimmung. Verdichtete Geist zu Fleisch und Idee zu Materie. Gab seiner Welt Gestalt. Noxius lag mit pochendem Herzen wach auf dem feuchten Stroh des abgedunkelten Planwagens, der ihn forttrug von seiner Heimat im Osten, fort von Harttland, seinem Exil, und vielleicht auch fort von König-Erich-Land, das er und sein Rudel auf einem Schoner im Hafen von Balgul zu verlassen gedachten. Doch die düsteren Vorahnungen deuteten ein anderes Schicksal an. Er hatte wiederholt in die Zukunft geblickt und die zunehmende Entropie gesehen. Entropie, die Nordland zu vernichten drohte. Und doch gab es in seinen Visionen Hoffnung. Da war dieser Junge …
Der Planwagen bremste und kam kurz darauf zum Stehen. Laute Stimmen riefen, frisch entzündete Fackeln erhellten das Leintuch von außen. Metall klirrte, als Schwerter gezogen wurden. Die Traumkorridore hatten ihn vor diesem Augenblick gewarnt. Er war derjenige, dessen Schicksal vorherbestimmt war.
Der Rudelschamane erhob sich leise vom Stroh und rieb sich die Augen. Dann kroch er langsam nach vorne und schob die Plane zur Seite. Pastun saß nicht mehr auf dem Kutschbock. Die Zügel lagen lose im Fußraum.
„Da ist noch einer“, tönte unvermittelt eine laute Stimme.
„Los, Soldat, bring ihn hier runter“, rief eine andere Stimme, offenbar die eines Hauptmanns. „Treibt die Espermane zusammen!“ Soldaten von König-Erich-Land. Noxius blinzelte. Nun war es also soweit. Balgul … der Schoner im Hafen. Diese Verzweigung der Zukunft schien nun endgültig eine verlorene zu sein. Der Traumfisch, Noxius’ Inkarnation in der anderen Welt, konnte sie nicht mehr aufspüren. Sein Schicksal schrieb sich in diesem Augenblick neu.
Der Soldat griff nach ihm, zerrte ihn nach vorne, sodass er über den Kutschbock fiel und sich die Lippe am Holz aufschlug. Dann stürzte der alte Espermane in die Tiefe und landete unsanft auf der Erde. Von fern drang der Geruch von verbranntem Fleisch in seine Nase. Einige der Soldaten beugten sich über ihn, prügelten ihn auf die Beine und stießen ihn vorwärts, hinüber zu den anderen Mitgliedern seines Rudels. Ihre Gesichter waren blass, verängstigt, ihre Augen verdunkelt. Sie schienen jede Hoffnung verloren zu haben.
„Bringt sie zu den anderen Gefangenen hinter den Elektrozaun“, hörte Noxius den Hauptmann brüllen. „Soldaten, durchsucht die Fahrzeuge nach Wertgegenständen und Waffen. Nehmt alles mit, was von Bedeutung ist.“
„Was geschieht mit den Fahrzeugen?“, rief einer der Soldaten.
Der Hauptmann zuckte die Achseln. „Die werden sie nicht mehr brauchen.“
Er verzog das Gesicht. „Zündet sie an!“

Auszug aus Kapitel 2:
Ein gigantischer Schatten verdunkelte die Lichtschächte, dann wurde es still. Cornelis blieb stehen. Er lauschte. Plötzlich sah er eine schemenhafte Bewegung. Das Glatisant reckte seinen langen Schlangenhals und scharrte mit dem Kopf an der steinernen Decke. Im Halbdunkel waren die Umrisse der Kreatur nur undeutlich auszumachen. Doch was er sah, ließ Cornelis die Luft anhalten. Das Wesen sah aus, als wäre es eben erst geschlüpft. Überall tropften klebrige Fäden voller Schleim von seinem langen Hals auf den steinernen Boden. Japetter hatte nicht gelogen. Das Glatisant war wahrlich eine Bestie. Der bizarre Kopf war völlig insektoid, ausdruckslos und kalt; sein ovaler schwarzer Chitinschädel starrte ihn mit bernsteinfarbenen Facettenaugen an.
So fremd, dachte Cornelis, und in diesem Moment erblickte er erstmals den ganzen, sich langsam aus der Dunkelheit schälenden Leib der Kreatur. Mehrere behaarte Beinpaare tasteten sich voran, als wären sie mit eigenem Leben beseelt, krochen fiebrig und tapsend ans Licht, und von hoch oben ertönte ein schrecklich bellendes Geräusch, als hätte das Glatisant ein Rudel Hunde verschluckt. Es entblößte lange, scharfe Fangzähne.
Cornelis umklammerte Lughs Speer fester.
„Beweg’ dich. Los!“ Der Junge stocherte, unschlüssig, wie weit er zustoßen durfte, mit der Speerspitze gegen den spinnenartigen Leib, und das Glatisant bellte erneut. Die vorderen zwei Beinpaare hoben sich in Abwehrhaltung, doch Cornelis stieß schnell zu, diesmal etwas fester. Die Kreatur wich zurück.
Gut so, dachte der Junge erleichtert und atmete tief durch.
„Weiter, geh’ weiter! Mach’ schon!“
Stück für Stück glitt das Glatisant tiefer in die Dunkelheit und Cornelis gewann mit jedem Schritt, den er vorankam, an Selbstvertrauen.
„Cornelis!“
Der Junge drehte sich überrascht um. Raggah kam direkt auf ihn zu gerannt und blieb erst stehen, als sie die Kreatur erblickte.
„Heilige Scheiße!“, rief sie aus.
„Raggah … “, entfuhr es Cornelis. „Warum bist du hier?“
„Ich konnte die Tür nicht mehr halten … die Soldaten brechen durch … sie sind gleich hier. Wir müssen verschwinden!“
„Das Glastisant …“, rief der Junge. Vor ihnen brüllte das Tier erneut auf und sein langer Schlangenschwanz sauste aus dem Dunkel direkt auf Cornelis zu, der sich mit einem beherzten Sprung zur Seite in Sicherheit brachte. Doch Raggah wich nicht von der Stelle, sondern hieb mit dem Schwert, das sie der Wache abgenommen hatte und immer noch in der Hand hielt, nach dem Schwanz. Ihr Schlag blieb wirkungslos. Das Schwert federte zurück. So schnell der Junge
konnte, rappelte er sich auf und stieß erneut mit Lughs Speer zu. Diesmal erwischte er das Tier am vorderen Thorax, und die Spitze glitt mühelos durch den behaarten Leib.
Ein noch viel lauteres Gebell als zuvor hob an, das Glatisant zuckte panisch zurück und stieß mit seinen kräftigen Beinen wild um sich. Schwere Steinquader lösten sich aus den Seitenwänden des Gangs und stürzten nach außen in einen großen Saal. Staub und Asche regneten auf Raggah und Cornelis nieder, während helles Licht in den schmalen Korridor fiel. Die Bestie trat erneut gegen die Wand. Der Boden erbebte unter den Erschütterungen. Mehr Quader stürzten in den Saal, in dem sich eine höfische Gesellschaft aufhielt. Laute Rufe ertönten. Cornelis sah Wachen mit gezückten Waffen heranstürmen und auf das Glatisant eindreschen, doch wie bei Raggahs Attacke verpufften die Hiebe wirkungslos.
Cornelis stieß erneut mit Lughs Speer zu. Das Glatisant wich zurück und brach durch die gerade entstandene Öffnung der Wand, hinein in den riesigen Ballsaal. Die Höflinge wichen schreiend zurück. Ihre Gesichter waren kreideweiß, nachdem sie nach einer ersten Überraschung erkannt hatten, mit was sie es zu tun hatten. An der hinteren Tür des weitläufigen Raumes drängten sie sich ängstlich gegeneinander und behinderten sich bei der Flucht.
Das Glatisant, von der Enge und der Dunkelheit des Ganges befreit, richtete sich zu seiner vollen Größe auf, brüllte bestialisch wie ein vorsintflutliches Tier und stieß mit seinem Insektenkopf hinunter auf die Wachen. Der lange Schlangenhals ermöglichte es dabei, die Männer von hinten zu attackieren. Die scharfen Zähne seines riesigen Mauls versenkten sich in die Brust eines Mannes und bissen ihn glatt in der Mitte durch. Raggah warf einen Blick zurück in den Gang.
„Da kommen noch mehr Wachen!“
Cornelis erspähte die herannahenden Männer ebenfalls. Doch statt ihn und Raggah anzugreifen, sprangen sie über die Mauerreste des Ganges hinweg direkt in den Saal hinein, und nahmen das Glatisant ins Visier. Das Tier war wie von Sinnen und schlug mit seinem Dornenschwanz nach allem, was ihm in den Weg kam. Die Soldaten mussten bereits nach wenigen Sekunden zurückweichen. Nur ein paar Musiker mitsamt ihren Instrumenten standen immer noch wie angewurzelt auf einem goldenen Podest, während rings um sie herum die teuren Liegesofas der Höflinge von der Bestie zertrümmert wurden. Kostbare Speisen fielen von den splitternden Beistelltischchen zu Boden und besudelten den fein gearbeiteten Marmor. Alle anderen Gäste waren in ihren Bewegungen erstarrt und hatten nur noch Augen für das Glatisant, das längst einige Männer der Wache ergriffen hatte und sie nun nach und nach wie Spielzeug durch den Raum schleuderte.
„Wir sitzen fest!“, rief Raggah an Cornelis gewandt.
„Wie kommen wir hier raus?“

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